Glamour gehört nicht in ihr Fach. Inka Friedrich liebt bodenständige Rollen und Geschichten, die etwas mit dem Leben zu tun haben. Einem breiteren Publikum bekannt wurde sie mit „Sommer vorm Balkon“. In "Kuckuckszeit" spielt sie eine Frau, die sich von einem Tag auf den anderen „umorientieren“ muss. Von der Managerin des Haushalts, der es an nichts fehlt, entwickelt sie sich zunehmend zur Krisenmanagerin in der Baufirma ihres Mannes Jens.
Glamour gehört nicht in ihr Fach. Inka Friedrich liebt bodenständige Rollen und Geschichten, die etwas mit dem Leben zu tun haben. Einem breiteren Publikum bekannt wurde sie mit „Sommer vorm Balkon“ von Andreas Dresen, in dem sich zwei Berliner „Mädels“ ihre kleinen Probleme wegsüffeln. Dafür wurde sie für den Deutschen Filmpreis nominiert. Zuletzt sah man sie als verbiesterte Denunziantin in dem Stunde-Null-Drama „Ein Dorf schweigt“. Im Fernsehen ist die 40-jährige Schauspielerin schon länger eine feste Größe. Sie spielt Frauen, die im Leben stehen, die aber leicht emotional aus der Bahn geworfen werden können. Friedrich: „Mir ist ein gewisser Anspruch bei Charakteren wichtig, aber ich merke, dass ich in letzter Zeit gehäuft die verzweifelten, heulenden Mütter angeboten bekomme.“
Angenehm aus der Reihe fällt da der Fernsehfilm „Kuckuckszeit“. Der Film von Nina Bohlmann und Johannes Fabrick erzählt vom Albtraum der sozialen Degradierung. Inka Friedrich spielt Claudia, eine Ehefrau und Mutter, die sich von einem Tag auf den anderen „umorientieren“ muss. Von der Managerin des Haushalts, der es an nichts fehlt, entwickelt sie sich zunehmend zur Krisenmanagerin in der Baufirma ihres Mannes Jens. „Sie erkennt die prekäre Lage und packt an“, so Friedrich. „Ich finde es toll, dass sie sich nicht in Vorwürfen an ihren Ehemann ergeht.“
Doch was für die Firma und die materielle Existenz der Familie gut sein mag, muss es nicht sein für die Beziehung des Paares. Claudia isoliert sich nach einem Herzinfarkt ihres Mannes von ihm. „Dieser Kämpfertunnelblick macht einsam. Claudia führt im Grunde einen Kampf, den sie nicht gewinnen kann und verrennt sich darin.“ Und so zeichnet sich bald ein doppeltes Trümmerfeld ab. Das Handeln wird zum Spiegel einer Beziehung, in der es längst nicht mehr zum Besten steht. „Der Ehemann fasst ihr Verhalten sofort als persönliche Kritik auf“, interpretiert Friedrich, „er glaubt, dass sie ihm zeigen will, dass er ein Versager ist.“
Wie in Zeiten der Krise eins zum anderen kommen kann, zeigt dieses NDR-Drama auf angenehm unaufgeregte Art und Weise. Die Realität gibt quasi die Dramaturgie vor. Dem Familienidyll folgt die Insolvenz. Vom Traumhaus am Rande der Stadt geht es ins Hochhaus-Viertel. Gerade war man noch der Chef und schon findet man sich in einem Ein-Euro-Job wieder. „Diese Geschichte ist im guten Sinne so schön normal, weil real und absolut nachvollziehbar“, findet Inka Friedrich. „Meistens werden solche Geschichten doch eher unterhaltend oder aber ganz dramatisch erzählt.“ Auch die Details stimmen. Besonders einprägsam sind die Szenen, in denen das alltägliche Gefühl, arbeitslos zu sein, bearbeitet wird. Während Claudia in Aktionismus verfällt, nicht mehr die Wohnung verlässt, bügelt, staubsaugt, tut und macht, um sich nicht nutzlos vorzukommen, wagt sich Ehemann Jens (Wotan Wilke Möhring spielt ihn als großen Schweiger) auf die Straße. Er ist einen Schritt weiter, er will nicht verdrängen und steht über dem klein karierten Denken der Nachbarn.
„Man darf sich nicht von der Angst auffressen lassen“, ist eine der leisen Botschaften, die sie aus „Kuckuckszeit“ herausgelesen habe. Die Besinnung auf die Beziehung in Krisenzeiten sei das A&O. „Es ist sicher schwer, sich materiell einzuschränken oder sich beruflich umzuorientieren, aber wichtiger sind doch bestimmte Werte, die man hat, bestimmte Gefühle und die Art, wie man miteinander umgeht.“ Anders als ihre Darstellerin, die zugeben kann, dass sie manche Rollen wie einst die Serie „Drunter und drüber“ nur fürs Geld spiele, muss ihre Figur dazulernen. Am Ende weint Claudia in die Schmutzwäsche ihres Mannes. Es sind noch Gefühle da bei ihr. Die Beiläufigkeit einer solchen Szene, die offen in die Zukunft weist, ist eine der Stärken von Johannes Fabricks Film. Und auch Inka Friedrich macht nicht nur in dieser Szene eher kleine Augen. Das wird die gebürtige Freiburgerin gefreut haben, die das Theaterspielen nicht aufgeben möchte und die deshalb in Filmen ein Manko bei sich feststellt: „Ich reiße manchmal die Augen zu weit auf.“
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