• Mehrteiler „Gier“

      Auf einen Blick: Kinokultfilme & Filmgeschichte im Februar TV60 – Alexandra Neldel in "Rache der Wanderhure" (Sat 1, 28.2.) Foto anklicken, bei amazon kaufen & tittelbach.tv unterstützen Über 30 Fiktion-Premieren. Februar-Highlights auf einen Blick

      Auf einen Blick: Kinokultfilme & Filmgeschichte im Februar

      Foto: Jiri Hanzl

      TV60 – Alexandra Neldel in "Rache der Wanderhure" (Sat 1, 28.2.)

      Foto anklicken, bei amazon kaufen & tittelbach.tv unterstützen

      Foto: ZDF / Volker Roloff

      Über 30 Fiktion-Premieren. Februar-Highlights auf einen Blick

      Eins Festival, 11.06.2011, 20:15 Uhr - Wiederholung
      2. Teil, 11.06.2011, 21:45 Uhr
      Bewertung: 4,0 von 6

      Wedels Botschaft kommt an und Warten ist nicht sexy - Kekilli & Tukor umso mehr!

      Mit „Gier“ will Wedel der in die Jahre gekommenen Spaßgesellschaft, die sich ohne Arbeit reich und reicher spekuliert, den Spiegel vorhalten. Für den Zweiteiler, der das kritische Hollywood-Drama der 1980er mit dem Degeto-Touch kurzschließt, ließ sich der 70-Jährige vom Fall des Finanzbetrügers Jürgen Harksen inspirieren. Viele "Magic Moments" laufen ins Leere, weil die Geschichte dramaturgisch für zwei Teile nicht trägt. Für einen Wedel zu wenig. Und für den Zuschauer auch! (Der WDR sendet beide Teile hintereinander )

      Ulrich Tukur
      Foto: Degeto

      Scheißt er alle zu mit seinem Geld? Tukur

      Ulrich Tukur
      Foto: Degeto

      Leben in Luxus.

      Hain & Tukur

      „Warum nicht ich? Warum immer nur die Anderen?“, denkt sich Andy Schroth. Der Angestellte einer Immobilienfirma möchte dabei sein beim großen Reibach. Investment-Geschäfte mit traumhaften Renditen sind der Renner – und Dieter Glanz ist der Mann, der sie im großen Stil tätigt. Unter 1,5 Millionen Euro wird er erst gar nicht aktiv. Also muss sich der kleine Immobilienmann mit den strahlenden Kinderaugen bis über die Ohren verschulden, Eltern und Kollegen mit ins Boot holen, um endlich zum exklusiven Club der Reichen zu gehören. Jetzt tanzt er mit auf der großen Seifenblase. Herr Durchschnitt trifft auf den neuen „König Midas“, den Messias der Spekulanten und Nichtstuer, und genießt das „süße Leben“. Doch die ehrliche Haut holt sich auf dem harten Pflaster der Realität eine blutige Nase.

      Mit „Gier“ will Dieter Wedel der in die Jahre gekommenen Spaßgesellschaft, die sich ohne Arbeit reich und reicher spekuliert, den Spiegel vorhalten. Für den knapp sechs Millionen teuren Zweiteiler ließ sich der mehrfache Grimme-Preisträger vom Fall des Finanzbetrügers Jürgen Harksen inspirieren, der Anfang der 1990er Jahre sein hochstaplerisches Unwesen trieb. Wedels Thema ist aber „nicht nur die Gier nach Geld, sondern auch nach Freundschaft, dem Bedürfnis, einer auserwählten Gemeinschaft anzugehören“. Der 70-jährige Regisseur, der auch das Drehbuch geschrieben hat, lotet beide Seiten der glanzvollen Medaille aus: da steht auf der einen Seite der Guru, der mit Charisma, Rhetorik und dem schönen Schein die Leute immer wieder auf seine Seite bringt, und da tanzt auf der anderen Seite seine Gefolgschaft, die Hof-Schranzen und Speichellecker, die betrogen sein wollen von diesem „Schlingel“.

      Wackernagel, Striesow, Kekilli, Krassnitzer
      Foto: Degeto / von Schultzendorff

      Endlich auch mal was abbekommen vom Kuchen! Doch noch herrscht verhaltene Freude. Katharina Wackernagel, Devid Striesow, Sibel Kekilli, Harald Krassnitzer

      Warten (aufs Geld) ist dramaturgisch nicht sexy. Stellt sich die Frage, wie Wedel das Warten füllt. Er nimmt sich Zeit. In den ersten 90 Minuten, betitelt „Glanz und Gloria“, ist dieser ausladende Stil angemessen, im zweiten, „Das Duell“, wird die Zeit gelegentlich lang. Die Botschaft der Gesellschaftssatire ist längst angekommen, da beginnt für den Zuschauer das Warten auf den Mehrwert. Die Dramaturgie hängt im zweiten Teil immer wieder durch. Dafür gibt es allerhand zu sehen. Jeanette Hain irrlichtert tänzelnd und fast ohne Text wie die Bild gewordene Narzisse durch die schöne Welt. Ulrich Tukur könnte man noch stundenlang weiter zugucken, wenn seine Figur nur etwas mehr Nuancen hätte (nun ja, Satire bedient nur selten tiefes, tragikomisches Charakterfach!). Sibel Kekilli ist in „Gier“ die Frau, von der zu Recht die Medien wie einst bei Makatsch und Stemberger schreiben werden, dass sie die angenehmste Überraschung des Films ist. Und Devid Striesow vereint in seiner Rolle alles, für das wir diesen Schauspieler lieben: diese rotbackige Vorfreude, dieses Bauklötzerstaunen in der „Aufstiegsphase“; die ersten Zweifel, die sich in den Mundwinkeln breit machen; der Trotz, die Unsicherheit, der Druck und immer wieder die Naivität, die durchschlägt. Sein Andy Schroth ist ein Leisetreter, der sich vertritt und ins Tragische stolpert.

      Das Medium bringt es mit sich, dass das Kritisierte abgebildet, inszeniert werden muss. Wedels Film lebt also selbst auch vom (falschen) Glanz, allerdings weniger vom Glanz der Reichen, dieser Mythos wird im Laufe der Geschichte selbst für den luxushörigsten Kleinanleger mit Hang nach oben entzaubert. Es ist vielmehr der sonnige Glanz der exotischen Schauplätze, die weißen Strände, die traumhaften Fincas. Diesen Degeto-Touch muss man wohl als Teil der Handlung akzeptieren. Gelegentlich gelingen Wedel und seinem Kameramann sogar außergewöhnliche Bilder. Striesow und Kekilli am Kap der guten Hoffnung – Strand, Himmel, Meer und ein guter Joke. Kekilli im Pool, Hain und Ochsenknecht beim Verführungstanz, auch das ist TV-Augenfutter, wie man es selten zu sehen bekommt.

      Tukur & Hain
      Foto: Degeto / von Schultzendorff

      Verstehen sich, ohne viel Worte zu machen... Ulrich Tukur und Jeanette Hain

      Doch diese „Magic Moments“ laufen im zweiten Teil allzu oft ins Leere, da der Rahmen der Geschichte nicht trägt. Warten, Versprechungen, Tanz um den Pool, Auszahlungsfreude, dann wieder Warten, Versprechungen und so fort. Mit Schauspieler-Performances lassen sich solche dramaturgischen Mängel nicht beheben. Und das Genre Gesellschaftssatire sieht offenbar keine (Neben-)Charaktere vor, die eine eigene Geschichte besitzen, anstatt sich immer und immer wieder in einem grellen Fassade-Dasein zu ergehen. Bei Dieter Wedel bewegt sich einfach zu wenig unter der Oberfläche. Zu wenig Entwicklung, zu wenig Veränderung, zu wenig Spannung. „Gier“ belebt das Hollywood-Drama der 1980er Jahre mit den bunten Bildern des Event-Fernsehens. Kein schlechter Film, aber: für einen Wedel zu wenig. Und für den Zuschauer des Jahres 2010 wohl auch! (Text-Stand: 15.1.2020)

      Rainer Tittelbach


      „Gier“
      Degeto, WDR, NDR, MDR, RB, ARD, Arte, ORF / Mehrteiler / Gesellschaftssatire
      EA: 15.1.2010, 20.15 Uhr (Arte)
      Mit Ulrich Tukur, Devis Striesow, Sibel Kekilli, Jeanette Hain, Gerd Wameling, Uwe Ochsenknecht, Harald Krassnitzer, Kai Wiesinger, Heinz Hoenig und Cordula Trantow
      Drehbuch: Dieter Wedel
      Regie: Dieter Wedel
      Kamera: Wedigo von Schultzendorff
      Produktionsfirma: Bavaria, Colonia Media, Bremedia, Two Oceans Production
      Quote: 1. Teil, ARD: 5,75 Mio. Zuschauer (16,7% MA); 2. Teil, ARD: 4,92 Mio. (15% MA)



      Drucken Senden Kommentieren Kommentare (1)

      Mediadaten
      Informationen für Sponsoren und Werbekunden
      Spenden mit Paypal

       

    • Startseite
    • > Programm <
      • Fernsehfilm
      • Reihe
      • > Mehrteiler <
      • Serie
      • Kino-Koproduktion
      • Interview
      • Porträt
      • Kurztipps
    • Exklusiv
      • Interview
      • Porträt
      • News
      • Analyse
      • Drehbericht
    • Bonusmaterial
      • Toplisten
      • Was andere schreiben
      • Web-Tipps
      • Soundtrack
      • DVD-Tipps
      • Dancing DJ Roger
    • Intern
      • Über mich
      • Sehen, was sich lohnt
      • Glossar
      • Mediadaten
      • Angebote
      • Datenschutz
      • Kontakt
      • Gästebuch
      • Impressum
    • Spenden

      Weil sich von Luft und Fernsehen allein nicht leben lässt.

    • Februar-Highlights

      • Koeberlin
        Foto: ZDF
      • ALLE TOP-TV-Filme des Monats auf einen Blick. Über 30 Fiktion-Premieren, sehr gute Reihen-Krimis, kein schwacher "Tatort", Top Wiederholungen! Foto: Matthias Koeberlin im Film des Monats "Die Braut im Schnee". Erinnerungshilfe per Newsletter?

    • "Der letzte Bulle" 3

      • Baum
        Foto: Sat 1
      • Der mit dem Bauch denkt: Mick Brisgau. Henning Baum ist und bleibt "Der letzte Bulle" (Sat 1, ab 6.1.). Die Neuerungen in Staffel 3!

    • Highlight 2012

      • Papa & die Kids
        Foto: WDR
      • Die Mutter hat sich umgebracht. Wie kann das die Restfamilie verkraften? "Der letzte schöne Tag" von Dorothee Schön und Johannes Fabrick. Mit Wotan Wilke Möhring, Matilda Merkel und Nils Julius Schuck. Den Film sahen 5,70 Millionen Zuschauer.

    • Tittelbach DVD-Tipp

      Barfuß bis zum Hals Die Hebamme – Auf Leben und Tod Klimawechsel Tatort - Reifezeugnis
    • ttv: meist gelesen

      • Jonas Nay
        Foto: NDR
      • Die Kritik zum Medien-Drama "Homevideo" (NDR/Arte) ist mit großem Abstand der meist gelesene Text auf tittelbach.tv. Foto: Jonas Nay. Die weiteren Klick-Highlights (Stand: 18.1.):
         

        •  2. "Es war einer von uns" (ZDF/Arte)
        •  3. "Sie hat es verdient" (Degeto)
        •  4. "Die letzte Spur – Alexandra 17 Jahre" (Sat 1)
        •  5. "Schreie der Vergessenen" (Pro Sieben)
        •  6. "Borgia" (ZDF)
        •  7. "Pilcher: Vier Frauen" (ZDF)
        •  8. "Ausgerechnet Sex" (Sat 1)
        •  9. "Keine Angst" (WDR)
        • 10. "Der Duft von Holunder" (Degeto)
    • TV-Perlen auf DVD

      • DVD-Cover
      • Jetzt neu: DVD-Tipps. Die besten
        TV-Filme, die besten Krimis, die besten kleinen Kinofilme, einige Top-Serien der letzten Jahre. Dazu Kritiken, Trailer & Tags zu Genre, Themen und "Stimmungen".

    • Ferien-Gutshof OH

      • Ferien-Gutshof Tittelbach
      • Relaxen nahe der Ostsee-Küste

    • Kalender

    • Kaufen bei

      Kaufen bei
      und tittelbach.tv unterstützen

    • Top Premieren

      Highlights bis zum 14.02.2012
      1. „Bella Block – Der Fahrgast und das Mädchen“  (ZDF, 11.02.)
      2. „Im Schatten“  (3sat, 14.02.)
      3. „Vater Mutter Mörder“  (ZDF neo, 10.02.)
      4. „Tatort – Ordnung im Lot“  (ARD, 12.02.)
      5. „Danni Lowinski (Staffel 3)“  (Sat 1, 13.02.)
    • Top Wiederholungen

      Highlights bis zum 10.02.2012
      1. „Renn, wenn du kannst“  (Arte, 10.02.)
      2. „Im Dschungel“  (ARD, 10.02.)
      3. „Tatort – Tango für Borowski“  (ARD, 10.02.)
      4. „Paul Is Dead“  (ZDF-Kultur, 10.02.)
      5. „Der Heckenschütze“  (ZDF neo, 09.02.)
    • Facebook

    • "Wanderhure" Teil 2

      • Neldel
        Foto: Sat 1
      • Nach dem Überraschungserfolg "Die Wanderhure" zeigt Sat 1 am 28.2. die Fortsetzung "Die Rache der Wanderhure" mit Alex Neldel

    • Kino-Klassiker 02/12

      • "Shining"
      • Mach dir dein Programmkino! Filmgeschichte & Kultkino werden im Programm versteckt. Deshalb präsentiert tittelbach.tv jeden Monat die Alltime Classics. Finden, was Sender verstecken: z.B. Jack Nicholson in Stanley Kubricks Kultfilm "Shining"

    • Phantasie-Reisen

      • Galerie Werkstatt der Träume
      • Radierungen, Galerie und Shop

    • Tittelbach empfiehlt

    • "Tatort" Dortmund

      • Aylin Tezel
      • Glücksgriff: Aylin Tezel gehört zum neuen "Tatort"-Team des WDR – Schauplatz Dortmund. Mit dabei Jörg Hartmann & Anna Schudt. Der Star ist das Team!

    • Folge uns über

      FacebookTwitterRss Feed
    • © 2012 Rainer Tittelbach