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Die Borgia waren eine der mächtigsten Adelsfamilien zu Zeiten der Renaissance. Der Clan stellte zwei Päpste. Wie diese Familie die Widersprüche ihrer Zeit zu ihrem Vorteil nutzte, das ausgehende Mittelalter mit den Errungenschaften der europäischen Hochkultur verband, Barbarei, Blutrache und Aberglaube mit da Vinci und Michelangelo kurz schloss, so verzahnt der Sechsteiler „Die Borgia“ die universalen Gegensätze – Familie und Öffentlichkeit, das Männliche und das Weibliche, das Schöne und das Hässliche. Gewalt, Gier, Glauben – ein reizvoller Bilderbogen zwischen Mythos und Klischee, in den man sich einsehen muss. mehr
„Der letzte Patriarch“ ist ein Geburtstagsgeschenk der ARD an Mario Adorf zu seinem Achtzigsten. Viel Guldenburgs, ein bisschen fremdländische Exotik, ein kleines bisschen Bellheim machen den Zweiteiler zu einer großspurigen Seifenoper auf Globalisierungskurs. Zwischen Firmenpolitik und Familienzwist, zwischen Pralinés und Rosenkrieg, zwischen kapital(istisch)em Pragmatismus und milder Altersweisheit, zwischen alter asiatischer Philosophie und neuer chinesischer Aufbruchstimmung findet der Film seine Themen, von denen er überroutiniert und hyperredundant drei Stunden lang erzählt. Wer's mag! mehr
Ein unbescholtener Mann gerät unter Mordverdacht. Gerade war er noch ein Manager auf der Überholspur, nun entgleitet ihm sein Leben binnen eines Tages. “Das Konto” von Grimme-Preisträger Markus Imboden erinnert in seinem Grundkonflikt an klassische Hitchcock-Thriller wie “Der unsichtbare Dritte”. Spannender Degeto-Zweiteiler mit Heino Ferch. mehr
„Der Mann mit dem Fagott“ ist kein Spielfilm über die Karriere von Udo Jürgens. Entstanden nach dem gleichnamigen Roman des Sängers, erzählt der Film die bewegte Geschichte der Bockelmanns, dem Clan von Udo Jürgen Bockelmann. Zu einer richtigen Geschichte aber entwickelt sich der Zweiteiler nicht. Die Stationen der Familie werden bunt illustriert und abgearbeitet. Anstatt des "Mannes mit dem Fagott" wartet man auf den Mann am Klavier. Der kommt dann auch, als junger Mann, sehr überzeugend gespielt von David Rott, und als 76-Jähriger: Udo Jürgens selbst. Als Kritiker gibt es viel auszusetzen an dieser "unmöglichen" Romanverfilmung, als (Popkultur-)Fan kann man froh sein, dass es diesen Film gibt. mehr
Im Mittelpunkt steht der Mensch Napoleon, ein kleiner großer Mann zwischen Politik und Privatleben. Ein Mann mit Schwächen und mit einer weniger bekannten Seiten: “Wir sehen Napoleon immer als Soldaten und großen Strategen, er war aber auch ein Intellektueller”, so Christian Clavier. “Napoleon” gelingt der Spagat zwischen Filmbiografie und Epos. mehr
"Die Sturmflut" bietet Zeitgeschichte ohne politische Implikationen. In diesem Event-Zweiteiler dominiert das Universale. Katastrophen, in denen Wasser die tragende Rolle spielt, wird es immer geben. Auch die Liebe zwischen drei Menschen wird ein tragisches Thema sein, solange es Menschen gibt. Und so wird auf dem Hintergrund der Hamburger Sturmflut, konzentriert auf wenige Stunden, eine Geschichte erzählt, die Hollywood nicht sehr viel anders erzählt hätte. Dramaturgisch spannend, große Namen, handwerklich perfekt. Eine der besten RTL-Eigenproduktionen aller Zeiten. Das hatte seinen Preis: rund 8 Mio. Euro. mehr
"Der Seerosenteich" erzählt die Lebenserinnerungen einer einsamen Frau. Johannes Fabricks Film ist ein Hochglanz-Stück der beseren Art. Natalia Wörner ist mit ihrer Darstellung ein ebenso sensibles wie sinnliches Frauen-Porträt gelungen. Als Vorlage diente der gleichnamige Roman von Christian Pfannenschmidt. Man spürt die Dichte der Vorlage und das dramaturgische Können von Autorin Gabriela Sperl. Ein Muss für Melodram-Fans! mehr
Ein verwöhnter Spross einer hanseatischen Unternehmerfamilie und ein gleichaltriger Junge, der weniger materielles Glück in die Wiege gelegt bekam, tauschen die Rollen. Ausgangspunkt ist der alte Pubertätstraum, aus dem eigenen Leben auszubrechen und ein anderes zu führen. Am Ende gehen beide gestärkt aus dem Rollentausch hervor und sie erziehen dabei eben noch mal schnell ihre Eltern. Pädagogik leicht gemacht mit Julia Jäger und Moritz Jahn. mehr
„Wilde Wellen – Nichts bleibt verborgen" erzählt von Familiengeheimnissen und tragischen Verwicklungen aus grauer Vorzeit, streift zugleich den Krimi und bezieht die mythologische Landschaft mit ein. Holzschnittartig die Konflikte, die Handlung überdehnt und einige Charaktere arg überzeichnet, schwach die Krimi-Elemente – das war zu erwarten. Andererseits besitzt das breite Erzählen durchaus seinen (nicht nur fernsehhistorischen) Reiz. Das beginnt bei Henriette Richter-Röhl, Johannes Zirner und Hanns Zischler und endet beim stimmungsvollen, optischen Ambiente – den Locations, den Landschaften, dem Licht. mehr
„Kein Himmel über Afrika“ ist entstanden nach dem autobiographischen Bestseller von Kerstin Cameron. Die Tochter deutscher Eltern, die in Nigeria geboren wurde und in verschiedenen afrikanischen Ländern aufwuchs, wurde 1999 in Tansania angeklagt, ihren Ehemann getötet zu haben. Sie saß ein Jahr unschuldig im Gefängnis und – wäre sie am Ende nicht frei gesprochen worden – hätte sie der Galgen erwartet... Ausgezeichnet gespielter Zweiteiler, eine Liebesgeschichte und ein großes Drama, mit dem Blick auf den internationalen Markt. mehr
Die Film-Geschichte beginnt in einer Kleinstadt am Rhein und endet auf Sizilien. Die reale Geschichte hat noch kein Happy End gefunden. Die ehemalige Verkäuferin Edith Kliez, die ihrem italienischen Ehemann nach Sizilien folgte und dort zwischen zwei Mafiaclans geriet, lebt mit ihrer Familie seit Jahren mit falscher Identität und ständig wechselnden Wohnsitzen. Chronik laufender Liebesereignisse – nostalgisch, leidlich spannend, klischeebeladen. mehr
Missglückter Fluchtversuch, Haft, Trennung von den Kindern – Jutta Gallus wurde in den 1980er Jahren zum Symbol für das Unrecht in der DDR. Der überzeugende, sehr bewegende ARD-Zweiteiler von Miguel Alexandre nimmt sich bei der Umsetzung einige Freiheiten. mehr
Krieg, Russen-Einmarsch, DDR-Gründung, Arbeiter-Aufstand, Mauerbau - es sind bewegte Zeiten, in die ein junges Paar in der zweiteiligen Historiensaga “Das Bernstein-Amulett” hinein heiratet. Ein ansehnliches Zeitgemälde, gezeichnet in scharfen Konturen und mit markanten Charakteren, bei denen sich die Autoren nicht mit psychologischen Finessen aufhalten. Die Handlung drängt. 50 Jahre müssen erzählt werden. Trivialer, anrührender TV-Roman. mehr
Eine Gruppe junger Männer gräbt im Spätsommer 1962, ein Jahr nach dem Bau der Berliner Mauer, einen Tunnel von West- nach Ost-Berlin und verhilft so 29 DDR-Bürgern zur Flucht. Das Fluchthelferdrama “Der Tunnel” ist emotional packendes Fernsehen. Der Wechsel zwischen dialoglastigen und actionhaltigen Szenen, zwischen Beziehungsspannung und Thriller-Suspense, aber auch zwischen Ost- und West-Situationen funktioniert glänzend. Betz, Richter & Hofmann bekennen sich zur Unterhaltung. Um ein weitgefächertes historisches Panorama ging es ihnen dabei weniger. Endlich einmal gut abgekupfert von Hollywood. Tolle Schauspieler, große Bilder, allein die Event-Dramaturgie stößt an ihre Grenzen. mehr
"Die Patriarchin" ist der geglückte Versuch, populäres Erzählfernsehen zu machen: intelligente Unterhaltung mit großem Aufwand und thematischen Ambitionen. So wirkungsvoll die Dramaturgie, so spannend die Handlung, so angenehm zurückhaltend einmal Carlo Rolas Inszenierung, so präzise die Dialoge und so konzentriert das Schauspielerensemble: “Die Patriarchin” steht und fällt mit Iris Berben, die man selten so präsent, so in ihrer Rolle, so schwankend zwischen laut und leise, zwischen schwach und stark gesehen hat. mehr
Mit „Gier“ will Wedel der in die Jahre gekommenen Spaßgesellschaft, die sich ohne Arbeit reich und reicher spekuliert, den Spiegel vorhalten. Für den Zweiteiler, der das kritische Hollywood-Drama der 1980er mit dem Degeto-Touch kurzschließt, ließ sich der 70-Jährige vom Fall des Finanzbetrügers Jürgen Harksen inspirieren. Viele "Magic Moments" laufen ins Leere, weil die Geschichte dramaturgisch für zwei Teile nicht trägt. Für einen Wedel zu wenig. Und für den Zuschauer auch! (Der WDR sendet beide Teile hintereinander ) mehr
Weil die Geburtenrate daramatisch sank, lockte Neuseeland in den 50ern junge europäische Frauen mit kostenloser Überfahrt, Arbeitsplatz- und Wohngarantie ans Ende der Welt. Auf diesem historischen Hintergrund entstand der Dreiteiler. Nachkriegsdrama, Abenteuerfilm für Frauen, frisch gespielter Film über große Leidenschaften & großartige Landschaften. mehr
„Einen Film gegen den Krieg und für eine größere Mitmenschlichkeit“, wollte Produzent Nico Hofmann machen, „einen echten Antikriegsfilm.“ Einen Film, der auch denen, die nicht aus eigener Erfahrung wissen, was Krieg und Todesangst bedeuten, etwas zu vermitteln von jenen unvorstellbaren Gräueln. "Dresden" besticht durch handwerkliche Perfektion und zeigt den Bombenhagel und seine Wirkung: das Chaos, das Leiden, den Tod, das Inferno. mehr
Die tragische Lebensgeschichte der Deutsch-Perserin Soraya Esfandiary Bakhtiary, die sich anfangs wie ein Märchen aus 1001 Nacht liest. Schöne Frauen, prachtvolle Roben, schwere Limousinen, große Namen und Bilder, die einem guten Melodram zur Ehre gereichen. mehr
Die letzten Kriegstage. Die Rote Armee marschiert in Berlin ein und fällt über die Frauen her. Eine sticht heraus, ist klüger als die anderen. Sie sucht sich „einen Wolf, der die Wölfe fernhält“. Und sie schreibt alles in ihr Tagebuch. Doch die Nachkriegsgesellschaft wird diese Frau nicht verstehen. Die dreistündige TV-Fassung von "Eine Frau in Berlin" überzeugt durch ihre distanzierte Kammerspielhaftigkeit. Gesucht wird der beobachtende Zuschauer. mehr
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