Der Befund: die deutsche Komödie macht sich langsam. In "Der Doc und die Hexe" bekommt es eine Alternativheilerin mit einem verbohrten Schulmediziner zu tun. Intrige und Liebe, Operation am offenen Herzen und einen tragischen Unterton, Witz, Ironie & Screwball-Touch unter einen Hut zu kriegen – das gelingt Vivian Naefe & Autorin Gerlinde Wolf überraschend gut. Das Befinden nach zwei Fernsehabenden: der Patient, äh, Zuschauer ist wohlauf! mehr
Am 21. September 1957 traf der legendäre Viermaster Pamir südwestlich der Azoren auf den Hurrikan Carrie. In kürzester Zeit geriet das angeblich unsinkbare Segelschulschiff in Schräglage und riss nach vierstündigem Kampf 80 Mann der Besatzung in die Tiefe. Nur sechs überlebten. Kaspar Heidelbach machte aus diesem Schock der Wirtschaftswunderjahre ein solides zweiteiliges Event-Movie nach den gängigen dramaturgischen Standards. mehr
„Der letzte Patriarch“ ist ein Geburtstagsgeschenk der ARD an Mario Adorf zu seinem Achtzigsten. Viel Guldenburgs, ein bisschen fremdländische Exotik, ein kleines bisschen Bellheim machen den Zweiteiler zu einer großspurigen Seifenoper auf Globalisierungskurs. Zwischen Firmenpolitik und Familienzwist, zwischen Pralinés und Rosenkrieg, zwischen kapital(istisch)em Pragmatismus und milder Altersweisheit, zwischen alter asiatischer Philosophie und neuer chinesischer Aufbruchstimmung findet der Film seine Themen, von denen er überroutiniert und hyperredundant drei Stunden lang erzählt. Wer's mag! mehr
In “Die Rückkehr des Tanzlehrers” berührte Henning Mankell ein heikles Thema: das Verhältnis Schwedens zum Nationalsozialismus. Tobias Moretti spielt Wallander-Nachfolger Stefan Lindmann, einen schwermütigen Krebspatienten, der den Mord an seinem Mentor aufklären will. Wortkarg, bilderstark, atmospärisch und Moretti wie immer saugut. (Der 2. Teil ist zu sehen auf Eins Festival am 12.9., 20.15 Uhr, und am 18.9., 0.25 Uhr) mehr
Fassungslos verfolgt der Investment-Banker Jan Ottmann am 11. September 2001 die Bilder vom Anschlag auf das World Trade Center. Sein bester Freund Gregor Luckner hatte im Nordturm einen Termin. Es wäre Ottmanns Termin gewesen. Auch wenn einem in Nachrichtenbildern die legendären Einschläge ins World Trade Center noch einmal vor Augen geführt werden, die kollektive Katastrophe ist nur Katalysator für ein Einzelschicksal. mehr
Mit „Gier“ will Wedel der in die Jahre gekommenen Spaßgesellschaft, die sich ohne Arbeit reich und reicher spekuliert, den Spiegel vorhalten. Für den Zweiteiler, der das kritische Hollywood-Drama der 1980er mit dem Degeto-Touch kurzschließt, ließ sich der 70-Jährige vom Fall des Finanzbetrügers Jürgen Harksen inspirieren. Viele "Magic Moments" laufen ins Leere, weil die Geschichte dramaturgisch für zwei Teile nicht trägt. Für einen Wedel zu wenig. Und für den Zuschauer auch! (Der WDR sendet beide Teile hintereinander ) mehr
"Die Patriarchin" ist der geglückte Versuch, populäres Erzählfernsehen zu machen: intelligente Unterhaltung mit großem Aufwand und thematischen Ambitionen. So wirkungsvoll die Dramaturgie, so spannend die Handlung, so angenehm zurückhaltend einmal Carlo Rolas Inszenierung, so präzise die Dialoge und so konzentriert das Schauspielerensemble: “Die Patriarchin” steht und fällt mit Iris Berben, die man selten so präsent, so in ihrer Rolle, so schwankend zwischen laut und leise, zwischen schwach und stark gesehen hat. mehr
Ein verwöhnter Spross einer hanseatischen Unternehmerfamilie und ein gleichaltriger Junge, der weniger materielles Glück in die Wiege gelegt bekam, tauschen die Rollen. Ausgangspunkt ist der alte Pubertätstraum, aus dem eigenen Leben auszubrechen und ein anderes zu führen. Am Ende gehen beide gestärkt aus dem Rollentausch hervor und sie erziehen dabei eben noch mal schnell ihre Eltern. Pädagogik leicht gemacht mit Julia Jäger und Moritz Jahn. mehr
"Der Seerosenteich" erzählt die Lebenserinnerungen einer einsamen Frau. Johannes Fabricks Film ist ein Hochglanz-Stück der beseren Art. Natalia Wörner ist mit ihrer Darstellung ein ebenso sensibles wie sinnliches Frauen-Porträt gelungen. Als Vorlage diente der gleichnamige Roman von Christian Pfannenschmidt. Man spürt die Dichte der Vorlage und das dramaturgische Können von Autorin Gabriela Sperl. Ein Muss für Melodram-Fans! mehr
Es braut sich was zusammen. Die Vorwehen einer Katastrophe zeichnen sich früh ab. Doch keiner will dem Helden glauben, dass sich ein Tornado auf Berlin zubewegt. Dramaturgisch vorhersehbar, filmisch perfekt, stark besetzt. Vergnügliches Popcorn-Pantoffelkino. mehr
Sommer 1944. Lena Gräfin von Mahlenberg kehrt nach Ostpreußen zurück. Dort trifft sie auf ihren kranken, unversöhnlichen Vater und ihren ewigen „Verehrer“ Graf von Gernstorff. Schnell entwickelt sie ein Verantwortungsgefühl der Familientradition, dem Gut und den Bediensteten gegenüber. Doch ihre Heimat ist nicht zu retten... Handwerklich hochwertiger Event-Movie-Zweiteiler, in dem revanchistisches Gedankengut keine Chance hat. mehr
“Die Kirschenkönigin” ist ein Frauenporträt auf dem politischen Hintergrund des letzten Jahrhunderts, in dem “dem lieben Gott einiges schwer daneben gegangen ist”. Es ist ein opulenter, episch erzählter Dreiteiler, wie er selten geworden ist im deutschen Fernsehen. Stark besetzt, frisch & vital gespielt und inszeniert. Kein Fall für die "Süßstoffdebatte"! mehr
Als „eine Parabel auf das geteilte Deutschland und seine Wiedervereinigung“ bezeichnet der Autor und Regisseur Friedemann Fromm sein dreiteiliges Doku-Drama „Die Wölfe“. Ein Panorama vom Kriegsende bis zum Mauerfall zu spannen und die Geschichte Berlins zu erzählen – das war die Aufgabenstellung für das Sechs-Millionen-Euro-Projekt, das in der Zeitgeschichte-Redaktion von Guido Knopp angesiedelt ist. Formale Forderung: erfundene Figuren, keine Zeitzeugen, kein Kommentar, aber Filmausschnitte aus der Zeit. mehr
Die letzten Kriegstage. Die Rote Armee marschiert in Berlin ein und fällt über die Frauen her. Eine sticht heraus, ist klüger als die anderen. Sie sucht sich „einen Wolf, der die Wölfe fernhält“. Und sie schreibt alles in ihr Tagebuch. Doch die Nachkriegsgesellschaft wird diese Frau nicht verstehen. Die dreistündige TV-Fassung von "Eine Frau in Berlin" überzeugt durch ihre distanzierte Kammerspielhaftigkeit. Gesucht wird der beobachtende Zuschauer. mehr
Krieg, Russen-Einmarsch, DDR-Gründung, Arbeiter-Aufstand, Mauerbau - es sind bewegte Zeiten, in die ein junges Paar in der zweiteiligen Historiensaga “Das Bernstein-Amulett” hinein heiratet. Ein ansehnliches Zeitgemälde, gezeichnet in scharfen Konturen und mit markanten Charakteren, bei denen sich die Autoren nicht mit psychologischen Finessen aufhalten. Die Handlung drängt. 50 Jahre müssen erzählt werden. Trivialer, anrührender TV-Roman. mehr
„Einen Film gegen den Krieg und für eine größere Mitmenschlichkeit“, wollte Produzent Nico Hofmann machen, „einen echten Antikriegsfilm.“ Einen Film, der auch denen, die nicht aus eigener Erfahrung wissen, was Krieg und Todesangst bedeuten, etwas zu vermitteln von jenen unvorstellbaren Gräueln. "Dresden" besticht durch handwerkliche Perfektion und zeigt den Bombenhagel und seine Wirkung: das Chaos, das Leiden, den Tod, das Inferno. mehr
Vom Goethe-Institut in den Taubenschlag, von London zurück ins Ruhrgebiet. „Zuhause is, wo dat Herz schlägt!“ Der Zuschauer fühlt sich wie in der Kneipe – und würde man die Ingredienzien dieses Films auf ihre Essenz verdichten, hätte man einen Schlager: gefälliges Trallala, ein bisschen synthetisch, ein bisschen kitschig, ein bisschen wahrhaftig. mehr
„Es grenzt an ein Wunder, dass Massaquoi den Nationalsozialismus und das Inferno der Kriegsjahre in Hamburg überlebt hat“, sagt Jörg Grünler. Ermöglicht haben es eine aufopferungsvoll kämpfende Mutter, Freunde und Menschen aus der Nachbarschaft. Aus dieser Alltagsperspektive heraus erzählt Langmaack die Geschichte vom heranwachsenden Hans-Jürgen, dem die einen Liebe entgegenbringen, andere, von denen man es nicht erwartet, Sympathie, und dem wieder andere mit offener Diskriminierung begegnen. mehr
Weil die Geburtenrate daramatisch sank, lockte Neuseeland in den 50ern junge europäische Frauen mit kostenloser Überfahrt, Arbeitsplatz- und Wohngarantie ans Ende der Welt. Auf diesem historischen Hintergrund entstand der Dreiteiler. Nachkriegsdrama, Abenteuerfilm für Frauen, frisch gespielter Film über große Leidenschaften & großartige Landschaften. mehr
Klaus Störtebeker soll Ende des 14. Jahrhunderts die Nord- und Ostsee unsicher gemacht haben. Urkundlich dokumentiert ist allein sein Todestag: am 21. Oktober 1400 wurde er geköpft. Sehr viel mehr ist nicht bekannt von jenem Piraten. Je dünner die Faktenlage, umso größer die Legende. Naiver, aufwändig produzierter Säbelrassel-Zweiteiler. mehr