Ein Fremder bringt das Beziehungskarussell in Schwung. Alles gerät, getrieben von einer schicksalhaften inneren Logik, aus dem Ruder in dieser erfreulich unpsychologischen Geschichte um Liebe, Schuld und Eifersucht, in der Reden & Segeln das Sagen haben.
Foto: SWR / Ö FilmproduktionEin Ami bringt die Konventionen der Liebe durcheinander. Robert Seeliger
Ein Hauch von Eric Rohmer weht durch diesen wunderbaren Film. Doch eben nur ein Hauch. Daniel Nocke und Stefan Krohmer geht es in „Sommer ’04“ (Trailer) nicht nur um die erotischen Tändeleien an der Oberfläche der schönen Dinge, ihnen kommt es auch darauf an, was im Verborgenen gärt. Ein Fremder bringt die wohl geordneten „Familienkreise“, so ein anderer Film des mehrfach Grimme-Preis gekrönten Duos, durcheinander. Alles gerät, getrieben von einer schicksalhaften inneren Logik, aus dem Ruder in dieser erfreulich unpsychologischen Geschichte um Liebe, Schuld und Eifersucht, in der neben dem Reden das Segeln den Gang der Handlung bestimmt. Zunächst ist da die Liebe eines 40-jährigen Mannes zu einer 12-Jährigen, dann gibt es ein erwachsenes Liebespaar, ein anderes als zu Beginn. Man schaut der Liebe bei der Arbeit zu und den Liebenden bei der Trauerarbeit. Dazu das Rauschen der Blätter im Wind. Erst ein Unfall bringt zwei Menschen endgültig zusammen in diesem Film der Generation um die 40, deren Vertreter glauben, alles besser zu wissen und die doch nicht weniger egozentrisch sind als ihre Kinder. (Text-Stand: 18.1.2008)