Zieglerfilm präsentiert die Ausnahme-Serie vorab auf DVD
collina Filmproduktion präsentiert einen Film von Max Färberböck & Ulrich Limmer
Ein Unfall mit Folgen und eine nächtliche Odyssee durch Leipzig. Mark und der Pakistani Haroon, der illegal eingewandert ist, verbinden der Zufall und das Schicksal unerfüllter Träume. Ein schöner, stimmiger Film über die Freundschaft. Mit Bildern von verborgenen Welten, die die Balance aus Realismus und Melancholie halten. Und mit einem überzeugenden Christoph Franken als Versicherungsagent Mark, der nur am Wok so richtig aufblüht.
Foto: ZDF / Hanno Moritz KunowOdyssee durch Leipzig. Haroon & Mark werden Freunde. Christoph Franken, Yaqub
Mark fährt mit dem Auto einen Mann an, der der Polizei lieber nicht begegnen will. Stattdessen fährt ihn Mark auf eigenen Wunsch zu einem Schlachtereibetrieb und gerät mitten hinein in einen Streit um Geld und gefälschte Ausweise. Denn Unfall-Opfer Haroon ist Pakistani und illegal in Deutschland. Er träumt vom eigenen Friseur-Salon, während Mark drauf und dran ist, die Versicherungsagentur seiner Mutter zu übernehmen, aber am liebsten nach Japan auswandern würde. Doch das hat er sich bisher nicht getraut, es reichte nur zu der besonderen Vorliebe, japanisch zu kochen. Mark und Haroon, die ungleichen, durch ihre unerfüllten Träume verbundenen Männer, erleben eine Odyssee durch das nächtliche Leipzig.
Foto: ZDF / Hanno Moritz KunowMischung aus stiller Sehnsucht, Sanftmut und plötzlicher Entschlossenheit. Franken
Dabei geht es nicht immer ganz logisch zu, zum Beispiel erholt sich Haroon von dem Unfall erstaunlich schnell. Die Dramaturgie holpert bisweilen, manche langen Dialoge dämpfen Tempo und Spannung. Doch die zum Teil dokumentarisch anmutenden Bildern nehmen die Zuschauer mit auf eine eindrucksvolle Reise durch verborgene Milieus der Stadt: Einen chinesischen Supermarkt, in dem offenbar nur Einwanderer einkaufen, mit seinen vor Papierblumen überquellenden Regalen. Ein Gewirr von kleinen, schäbigen Läden in irgendeinem Gewerbegebiet. Ein Asyl-Wohnheim. Eine Moschee. Trotz des Konzerts einer Sufi-Sängerin in einem kleinen Saal ist das von exotischer Folklore weit entfernt, von purem Realismus aber auch. Sehr schön, wie Regisseur Kanwal Sethi die Balance gelingt, die authentisch wirkende Welt der pakistanischen Einwanderer zu „bauen“ und dennoch die Melancholie seiner Geschichte nicht aus den Augen zu verlieren.
Bei der deutschen Gegenwelt beschränkt sich der gebürtige Inder auf wenige Szenen, die dazu dienen, Mark zu charakterisieren. So hält Mark zu Beginn bei einer Feier vor Geschäftspartnern eine etwas befremdliche Ansprache, die wie eine Predigt klingt. „Es ist die eigene Angst, die uns lähmt“, sagt Mark, der auch in der Versicherungswelt ein Fremdkörper zu sein scheint. Und das Scheitern der Liebesbeziehung zu Nina, um deren Teenager-Tochter er sich rührend kümmert, macht aus ihm eine traurige, einsame Figur, die nur am Wok richtig aufblüht. Hier wird nicht alles auserzählt, was auch nicht nötig ist. Es genügt, dass einige Erinnerungen von Mark in kurzen, fließend geschnittenen Szenen eingeschoben werden.
Trailer. Christoph Franken & Atta Yaqub in "Fernes Land" von Kanwal Sethi
Insbesondere der gebürtige Kölner Christoph Franken, zurzeit am Deutschen Theater in Berlin engagiert, ist in der Darstellung des großen, massigen, brav gescheitelten Mark mit seiner Mischung aus stiller Sehnsucht, Sanftmut und plötzlicher Entschlossenheit überzeugend. Hier in dieser Parallelwelt ist er selbst der Fremde, so kostet er ein wenig das Gefühl, wie es wäre, in Japan zu leben. Zugleich beneidet er Haroon für den Mut, sein Glück in Deutschland zu suchen – und unterstützt ihn. Ein gelungener Film über die Freundschaft und die unverdrossene Suche nach Glück, bei dem es nach jeder Katastrophe doch irgendwie immer weiter geht. Die kleineren Schwächen verzeiht man diesem menschenfreundlichen Film in der neuen ZDF-Reihe „Shooting Stars“ gerne. (Text-Stand: 17.6.2012)
Foto: ZDF / Hanno Moritz KunowUnd die Odyssee geht weiter... Wird das was mit den Mädels? Franken & Plachetka
Thomas Gehringer, freiberuflicher Journalist aus Köln, schreibt für epd medien, den "Tagesspiegel" und andere regionale Tageszeitungen, Mitglied in Jurys und Nominierungskommissionen des Grimme-Preises.