• Kino-Koproduktion „John Rabe – Der gute Deutsche von Nanking“

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      Foto: SWR / Felix Cramer

      Ein extrem guter Fiktion-Monat. Mai-Highlights auf einen Blick

      ZDF, 31.10.2011, 20:15 Uhr
      Bewertung: 3,5 von 6

      Ulrich Tukur und Florian Gallenberger. John Rabe ja – aber nicht dieser Film!

      Rainer Tittelbach
      John Rabe war noch vor 20 Jahren ein unbekannter Deutscher. Seine Tagebücher und der Kinofilm machten "den guten Menschen von Nanking" etwas populärer, der durch seinen Einsatz 1937 rund 200.000 Chinesen das Leben gerettet hat. Obwohl (oder gerade weil) er ein Hitler-Anhänger war: eine interessante Persönlichkeit! Doch Gallenbergers 17-Millionen-Euro-Friedhof hebt an zum Möchtegern-Hollywood-Heldengemälde, das erst im zweiten Teil zu seinen Charakteren kommt. Die TV-Fassung verlängert nur, anstatt zu vertiefen.

      Tukur & Manzel
      Foto: ZDF / Tomoko Kikuchi

      John Rabe will den Chinesen helfen – und reist nicht nach Europa ab. Tukur, Manzel

      John Rabe war noch vor 20 Jahren ein unbekannter Deutscher. Von 1911 bis 1938 war er der Direktor der Siemens-Niederlassung in Nanking. Er war NSDAP-Mitglied und ein aufrechter Nationalsozialist. 1996 wurden seine wieder aufgetauchten Tagebücher veröffentlicht und plötzlich war die Rede vom „guten Deutsche von Nanking“. Zehn Jahre später entstand ein aufwendiger Kinofilm (Budget: 17 Mio. Euro) an Originalschauplätzen, der John Rabe noch bekannter machen sollte. Dafür gab es Preise, doch die Zuschauer blieben weg. Das könnte sich zur Erstausstrahlung der 180-minütigen TV-Langfassung im ZDF wiederholen.

      Hakenkreuz
      Foto: ZDF / Tomoko Kikuchi

      Sinn-Bild. Im Schutz des deutschen Hakenkreuzes. Rabe rettet 200.000 Chinesen.

      Nanking, 1937. Die Japaner bombardieren und besetzen die Stadt. Sie gehen grausam auch gegen die Zivilbevölkerung vor. Beim „Massaker von Nanking“ werden mindestens 200.000 Chinesen niedergemetzelt. John Rabe bleibt als einer der wenigen Europäer im asiatischen Hexenkessel. Unter seiner Leitung wird eine Schutzzone für die Zivilbevölkerung eingerichtet, für Frauen, Kinder und alte Menschen. Das Hakenkreuz bietet größtmöglichen Schutz gegen die Übergriffen der Japaner, die mit Nazi-Deutschland verbündet sind. Zu Rabes Mitstreitern gehören ein deutschjüdischer Botschaftsangestellter, ein britischer Besserwisser, ein die Deutschen verachtender US-Chirurg und eine französische Lyzeumsleiterin. Hunderttausende strömen in die Zone – weit mehr als erwartet. Entsprechend schlecht ist die Versorgungs-Situation. Als sich die Japaner nicht mehr an die Abmachungen halten und die Sicherheitszone stürmen wollen, ist es die kämpferische Standhaftigkeit, die Rabe gegen jede politisch-diplomatische Logik die Oberhand im Ringen um 200.000 Menschenleben behalten lässt.

      Buscemi & Consigny
      Foto: ZDF / Tomoko Kikuchi

      Er hasst die Deutschen, sie hegt unkeusche Gefühle für Rabe. Buscemi & Consigny

      Ein Nazi als Held, das Hakenkreuz als Schutzmantel – „John Rabe: Der gute Deutsche von Nanking“ testet etwas aus, was sich bisher kein großer historischer Film geleistet hat. Keine Frage, dieser John Rabe sollte nicht dem Vergessen anheim fallen. Aber bedarf es dazu einer solchen gigantischen Kino-Unternehmung? Zu viele solcher standardisierten Historien-Stücke hat man schon gesehen. Da weht die Hakenkreuzfahne, da schreitet der gute Mensch zur Tat, da wird Geschichte zum Heldengemälde. Die Dramaturgie geht über Leichen. Das ist mehr als nur der Historie geschuldet: Leichenberge müssen herhalten, damit die Handlung emotional in Gang kommt. Im zweiten Teil funktioniert die Geschichte besser, die Akteure sind eingespielt und die Massenszenen sind weicher eingebunden in das Drama der Hauptfiguren.

      Kulissenzauber
      Foto: ZDF / Tomoko Kikuchi

      Kulissenzauber: 17 Millionen Euro verschlang das Möchtegern-Hollywood-Werk!

      Insgesamt erfährt der Stoff durch die verlängerte Fernsehfassung keine Vertiefung, die ausführlicheren Nebengeschichten verdichten das Ganze nicht, sondern machen den Film einfach nur länger. Gallenbergers „John Rabe“ hat aber auch Szenen, die angenehm in Erinnerung bleiben. Es sind die Szenen zu zweit: ob zwischen Rabe und seiner Frau, zwischen Rabe und der ihn mehr als nur verehrenden Schulleiterin oder vor allem das nächtliche Besäufnis der politischen Kontrahenten, dem Hitler-Hasser und dem Hitler-Anhänger, Tukur vs. Buscemi. Dagegen fallen die Massenszenen und Tableaux ab, die vom großen Kino künden, ohne das Versprechen davon wirklich einzulösen. Über diesen John Rabe könnte man sich andere, bessere Filme (auch Dokumentarfilme) vorstellen – auch mit Ulrich Tukur!

      Tukur
      Foto: ZDF / Tomoko Kikuchi

      Mann allein mit Kanarienvogel. Rabe (Ulrich Tukur) fehlt der Guglhupf seiner Frau.


      „John Rabe – Der gute Deutsche von Nanking“
      ZDF / Kino-Koproduktion / Zeitgeschichtliches Drama
      EA: 31.10., 20.15 Uhr (ZDF)
      Mit Ulrich Tukur, Dagmar Manzel, Daniel Brühl, Steve Buscemi, Anne Consigny, Zhang Jingchu und Mathias Herrmann
      Drehbuch: Florian Gallenberger
      Regie: Florian Gallenberger
      Produktionsfirma: Hofmann & Voges, EOS Entertainment



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