Alle Filmkritiken auf tittelbach.tv alphabetisch sortiert
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Ein Kuss, ein überhörtes Signal – und zwei Leben sind völlig aus den Angeln gehoben. 22 Tote. Ein Bahnwärter hat nicht richtig reagiert und wird dennoch freigesprochen. Dafür wird die Lüge ihn und das Objekt seines Begehrens auffressen. Glück wird größer, wenn man es teilt. Schuld auch. Eine preisgekrönte österreichische Kino-Koproduktion nach Ödon von Horvath. Sperrig und intensiv zugleich, gute Schauspieler und vorzüglicher Soundtrack. mehr
„Das Fremde in mir“ erzählt von einer jungen Mutter, die unter postnatalen Depressionen leidet und nur langsam wieder zu sich und ihrem Baby findet. Ausschnitthaft, ungekünstelt und einfühlsam nähert sich die Filmemacherin dieser speziellen Problematik des Mutterseins. Die Bedrohung, welche die psychische Erkrankung für das Baby bedeuten könnte, wird nicht ausgespielt. Dokumentarisch anmutender Realismus. Preiswürdig: Susanne Wolff! mehr
Lola Randls „Die Besucherin“ erzählt von einem Gegenentwurf zum bisherigen Lebensplan. Eine fremde Wohnung weckt in einer Frau das Bedürfnis, aus dem bisherigen Leben auszubrechen. Bald ist da auch ein Mann, dann ein sexuelles Arrangement. So halbherzig die schroffe Heldin ihren „Ausbruch“ lebt, so leidenschaftslos ist die Geschichte erzählt. mehr
Eine Patchworkfamilie – und plötzlich gibt es zwei Liebes-Beziehungen... Was zeichnet die Liebe aus? Romantik? Pragmatik? Leidenschaft? Muss man dieselben Interessen haben oder muss man sich nur riechen können? „Die Liebe der Kinder“ zeigt, dass es je nach Lebensphase verschiedene Lieben gibt. Ein sinnlich lakonischer Film-Diskurs, der durch seine ausschnitthafte Dramaturgie eine dem Thema adäquate Leichtigkeit und Beiläufigkeit gewinnt. In den Hauptrollen: Marie-Lou Sellems Gesicht und Alexander Brendemühls Körper. mehr
Hanna ist um die 50 und lebt in einem Nest irgendwo in Thüringen. Sie wechselt ihre Jobs im Wochenrhythmus, doch die Zuversicht bleibt. Sie will noch was vom Leben: am besten einen Mann, einen richtigen Mann. Hanna ist die sprichwörtliche „Kleine Frau“ aus dem Kultsong der Ost-Combo Silly. Böhlichs dramaturgische Herangehensweise an den Stoff ist ähnlich naiv wie seine Hauptfigur. Dieser Realismus ist sympathisch, aber überraschungsarm. mehr
„Lulu und Jimi“, dieser Film ist unglaublich. Dass man so etwas in Deutschland noch mal erleben darf: eine Kino-Romanze als Rock-&-Roll-Märchen, Gesellschaftskritik als Melodram. Die 50er Jahre in einen Farbtopf gefallen, Wirtschaftswunder-Parodie mit Gespenstern aus der deutschen Geschichte. Sadismus und Rassenhass als deutsche Sekundärtugenden. Sirk, Lynch, Tarantino, Fassbinder als Vorbilder. Das überrascht, das betört & langweilt nie. mehr
Die Schauspieler einer Abschlussklasse kurz vor dem Intendantenvorsprechen. „Unten Mitte Kinn“ ist ein Spielfilm, der „von den Schauspielern ohne Vorkenntnisse der konkreten Geschichte improvisiert wurde“, so Nicolas Wackerbarth. Reizvoll für die Beteiligten, reizvoll für den Zuschauer. Intensive Szenen. Frische Gesichter. Dokumentarische Arbeitsweise. Ständige Option zum Spiel im Spiel. Ein lustvolles Plädoyer für den Homo Ludens. mehr
„Das Lächeln der Tiefseefische“ zeigt einen 17-Jährigen auf seinem steinigen Weg zum Erwachsenwerden. Malte lebt auf Usedom. Er hat kein leichtes Leben. Seit Jahren fühlt er sich verantwortlich für seinen Vater. Der vegetiert im Suff dahin. Doch dann lernt er Annika kennen... trotz kleiner Schönheitsfehler ein ansprechendes, zur Melancholie neigendes Coming-of-age-Drama mit Ostsee-Flair und zwei hoch talentierten Jungschauspielern. mehr
Die 22-jährige Mel ist einsam, sie sehnt sich nach Liebe. Da läuft ihr eines Abends Jenny über den Weg. Die 14-Jährige hält sie für einen Jungen. Sie strahlt und sieht süß aus – das fühlt sich gut an. Also wird aus Mel kurzerhand Miguel, ein Portugiese aus Faro. Jenny verliebt sich in den „Jungen“, der so anders ist als die anderen. Ein Film FÜR die Generation seiner Protagonisten, aber weil Neul das Reale märchenhaft ins Universale überhöht, muss „Mein Freund aus Faro“ jedem gefallen, der das Kino & seine Möglichkeiten, zu erzählen, mag. mehr
Ein kleiner Junge spielt nach, was er durch Zufall beim Polizisten-Vater gesehen hat: eine mit einer Plastiktüte erstickte Frau. „Das ist ein Spiel.“ Am nächsten Tag geht der Junge mit seiner Freundin in den Wald – „Schlafen spielen“... Die Mutter, die den Jungen darauf eingeschworen hat, niemandem etwas von dem Todesfall zu verraten, will daran glauben, dass sich durch Vertuschen und Verdrängen der vermeintliche Glückszustand der Familie erhalten lässt. Psychologisch präzise, formal streng, preisgekrönt. Regie: Aelrun Goette! mehr
Eine ostdeutsche Kleinstadt. Drei junge Männer eint ihre Unzufriedenheit. Ihr Außenseitertum gipfelt in einem spirituellen Kult. Von der zwischenzeitlichen Selbstaufwertung bleibt nur eine Wahnvorstellung. Unaufhaltsam schliddern die drei in die Katastrophe... Klar gezeichnete Figuren, geradlinige Geschichte, beiläufige Inszenierung, drei starke Hauptdarsteller und ein vorzüglicher Erzählrhythmus machen das Spielfilm-Debüt der beiden Dokumentarfilmerinnen Antje Kruska und Judith Keil zu einem besonderen "Kleinen Fernsehspiel". mehr
Die Zombies sind los in Berlin... Ein Horrorfilm aus der Trash-Kategorie im ZDF – das hat Seltenheitswert. Doch keine Panik: „Rammbock“ setzt nicht auf vordergründige Ekel-Effekte, sondern errichtet vielmehr ein apokalyptisches Szenario, das zwar von Schock- und Spannungsmomenten durchzogen wird, in dem sich aber auch gesellschaftliche Ängste spiegeln. Die Mixtur aus morbid, melancholisch und lakonischem Witz, aus physischem Schrecken und psychologischer Bedrohung geht auf: wenig ist eben doch oft mehr. mehr
„Alle Anderen“ war 2009 das Kinoereignis für Cinéasten und alle die Eric Rohmer lieben und die Anderen gern beim Liebesspiel zuschauen. Ein Paar um die 30 macht Urlaub auf Sardinien. Maren Ade schaut in alltagsnahen Szenen einer Beziehung bei ihrem Sosein zu. In seiner grausamen Genauigkeit schmerzt der Film beim Zuschauen mitunter regelrecht. Es ist ein faszinierender Schmerz, den zwei großartige Schauspieler zu einem Erlebnis in Sachen Machtverschiebung machen. Eine orientierungslose Generation auf Gefühlssuche. mehr
Reich und einsam, jung und mittellos – dazwischen tut sich eine Marktlücke auf. Jakob und Manu verkaufen Nähe. „Zarte Parasiten“ bringt den Tauschhandel-Charakter einer Beziehung illusionslos auf den Punkt. Geselligkeit als Dienstleistung, die wahre Liebe, die immer auch ein Flirt mit der Ware Liebe ist. So radikal diese Aussage, die Christian Becker und Oliver Schwabe weder statementhaft noch wertend dem Zuschauer nahe bringen, so radikal ist oftmals auch die Bildsprache, die die schmerzliche Nähe zu den Figuren sucht. mehr
Unaufhaltsam nimmt die Tragödie ihren Lauf. Geld – Macht – Liebe. So funktioniert das Spiel, nicht nur im Osten Deutschlands. „Man kann sich nicht lieben, wenn man kein Geld hat“, lässt Laura beiläufig den Kernsatz des Films fallen. Als Parabel auf den gescheiterten Aufbau Ost lasen Kino-Kritiker den Petzold-Film. Schon als Thriller-Variation im Arthaus-Stil ist „Jerichow“ mit seiner schnörkellosen Handlungsführung, den vielen Petzoldschen Auto-Käfig-Szenen und seiner perfekten Tragödien-Dramaturgie überragend genug. mehr
„Ein fliehendes Pferd“, die Verfilmung eines 30 Jahre alten Walser-Romans, fürs Kino, 2007 gedreht – was kann man da erwarten? Nicht unbedingt einen so intelligent vergnüglichen, lebensklugen, erfrischend schlüpfrigen Film wie diesen von Rainer Kaufmann. Der deutsche Miesepeter und der hedonistische Aufschneider im Konversations-Nahkampf um zwei Frauen und um das bessere Lebenskonzept. Ein sommerlicher Reigen am Bodensee. Eine glänzend gespielte, luftig inszenierte Nabelschau einer in die Jahre gekommenen Beziehung. mehr
Deutschland Ost, ein Mittdreißiger in der Krise. „Karger“, der Name ist Programm. Der Alltag des ehemaligen Stahlarbeiters ist trist, sein Lebensstil dürftig, seine Sprache schlicht. Karger „spricht“ mit seinem massigen Körper. „Karger“, der Titel passt auch zur Filmsprache. Der Alltag wird ausschnitthaft nachgezeichnet. Die Situationen sind dem Leben abgelauscht – undramatisch, roh, spröde. Gedreht mit Laien, schärft der Realismus von Elke Hauck den Blick dafür, wie Filme jenseits der Hochglanz-Bilder auch erzählt werden können. mehr
Nach dem Freitod eines verzweifelten Kunden ist der sonst so aufgeräumte Bankangestellte Frederik runter mit den Nerven – und wird zum Einbrecher aus Leidenschaft. Von der gesellschaftlich sanktionierten "Betrügerei", wie er sie als Banker gepflegt hat, zur verbotenen Seite des kriminellen Tuns ist es für den Helden kein weiter Weg. Die filmische Erzählung besticht durch ihre vom Doppelleben geprägte magische Tag-Nacht-Struktur. Magisch ist auch das Spiel der Unberechenbarkeit durch das überragende Schauspielertrio Hinrichs, Vogel & von Waldstätten. Der stimmige Score rundet das psychophysische Meisterwerk ab. mehr
Die Story unterscheidet sich kaum von denen jener Pro-Sieben-Teeniekomödien, in denen es stets um den Run auf das ganz große Geld oder um die große Liebe geht. Doch die Story ist bei „Süperseks“ nur Vorwand für ein unterhaltsames Spiel mit den gängigen Klischees und Vorurteilen gegenüber Türken in Deutschland. Der Altonaer Kiez lebt: stöhnenderweise! mehr
Eine Frau, Mitte 40, vom Mann verlassen, mauert sich ein in ihren Alltag, zwischen Postjob und Putzfimmel, bis ihr eines Tages eine polnische Nachbarin auf die Pelle rückt. Einsamkeit und Angst sind die Triebfedern des Handelns in diesem wunderbaren Ensemblefilm mit seinen wunderbaren Schauspielern. Bewegendes Kleine-Leute-Drama von Franziska Meletzky mehr
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