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Es ist kompliziert, seinen Platz in der Welt zu finden. Diese Erfahrung muss die Heldin des bemerkenswerten Debütfilms von Katinka Feistl machen, ein 15jähriges Pummelchen, das ausgerechnet Model werden will. “Bin ich sexy?” erzählt vom selbstkritischen Blick in den Spiegel, vom Selbsthass, aber auch von der wilden Entschlossenheit und der Power eines Teenagers. “Bin ich sexy?” ist eine jener Dilemma-Fragen. Wer sie sich stellt befindet sich mittendrin in einem Teufelskreis. Kluges Buch, sensible Regie, ideale Besetzung. mehr
Hayat ist fußballverrückt, fast täglich steht sie auf dem Rasen – bis eines Tages der Brustkrebs den Abpfiff ihrer sportlichen Karriere bedeutet. Doch sie macht weiter – zum Spaß, in einer Gurkenmannschaft. Mit „Eine andere Liga“ gelang Buket Alakus ein wunderbarer Film über Liebe, Krankheit, Fußball, Familie und übers Erwachsenwerden. „Das Liebesspiel, das nicht körperlich ausgelebt werden kann, auch der Humor der entsteht, weil sie sich nur verbal begegnen – das ist sehr türkisch“, so Alakus. Es ist gerade dieser Spagat zwischen rüder Geschlechtslosigkeit und weiblichem Erwachen, der Karoline Herfurth so anrührend gelingt. Ebenso stark an ihrer Seite: Ken Duken und Thierry van Werveke. mehr
Kosovo, Sommer 1999. Der Krieg zwischen Serben und Albanern ist offiziell vorbei, doch es wird weitergekämpft. Tom und Charly sind zwei Bundeswehrsoldaten, die mit ihrer KFOR-Einsatztruppe den Frieden sichern sollen in einem Land, von dessen blutigem Bürgerkrieg sie wenig wissen. mehr
In der zweiten Regiearbeit der Drehbuchautorin Susanne Schneider randaliert eine junge Frau gegen die scheinbar menschenverachtende politische Vergangenheit ihrer Mutter. Das Kind einer Täterin will das RAF-Erbe nicht annehmen. In „Es kommt der Tag“ sitzen die Generationen am üppig gedeckten Tisch und fechten Generationskämpfe aus – mal wortlos, mal mit Verzweiflung, mal mit Wut im Bauch. Der Film ist dramaturgisch klug zugespitzt, konzentriert und leicht frankophil in Szene gesetzt und überaus beeindruckend gespielt. mehr
John Rabe war noch vor 20 Jahren ein unbekannter Deutscher. Seine Tagebücher und der Kinofilm machten "den guten Menschen von Nanking" etwas populärer, der durch seinen Einsatz 1937 rund 200.000 Chinesen das Leben gerettet hat. Obwohl (oder gerade weil) er ein Hitler-Anhänger war: eine interessante Persönlichkeit! Doch Gallenbergers 17-Millionen-Euro-Friedhof hebt an zum Möchtegern-Hollywood-Heldengemälde, das erst im zweiten Teil zu seinen Charakteren kommt. Die TV-Fassung verlängert nur, anstatt zu vertiefen. mehr
In drei Tagen bist du tot! – diese SMS ist kein Witz, sondern blutiger Ernst. Fünf Abiturienten bleibt wenig Zeit, sich über die bestandene Prüfung zu freuen. Ein bisschen Teenie-Slasher-Thrill und sehr viel Atmosphäre machen aus dem von David Slama exzellent fotografierten Horrorfilm (Regie: Andreas Prochaska) einen Pflichtfilm für Fans des Genres. mehr
Zwei Dinge eint sechs Männer um die 30: sie wissen nicht, was sie wollen und sie sind Anhänger von Eintracht Braunschweig, einem Verein, der schon bessere Zeiten gesehen hat. Sechs tickende Zeitbomben, sechs manische Männer, die nach dem Motto leben: „Ich hau drauf, also bin ich!“ – das sind die „Triebkräfte“ von „66/67 – Fairplay war gestern“ von Carsten Ludwig und Jan Christoph Glaser ("1. Mai"). Der Film ist schnell, dynamisch, psychologisch präzise, ein schmutziger, kleiner Film mit Hang zum Exzessiven. Großartig: Hinrichs und Bach. Ein Hauch Scorsese weht durch die Braunschweiger Szene. mehr
Eine Deutsche sucht sich selbst, die Liebe und das Glück in der Heimat ihrer Großmutter und versucht sich als Aushilfsschlepperin. Erster Langfilm von Martin Repka, der in dieser kleinen deutsch-tschechisch-slowakischen Kino-Koproduktion eigene Erfahrungen verarbeitet. Dank der bezaubernden Katharina Lorenz hält der realistisch anmutende Film seine Spannung. mehr
Sie hat Charme und ein hinreißendes Lächeln, doch alle schauen nur auf ihre Fettpölsterchen. „Siehst du mich?“ ist ein Film über einen Menschen und seinen Wunsch nach Anerkennung. Er zeigt die andere Seite von Beauty-Industrie und Schönheitschirurgie, von Werbung und Videoclips. Lebenskluges Selbstfindungsdrama, das sich konsequenterweise nicht schert um coole Ästhetik & raffinierte Dramaturgie. Ein Film, der ganz nah bei seinen Figuren ist. mehr
Die Multikulti-Hauptstadt Berlin im Heiratsfieber. Drei Paare fiebern dem schönsten Tag ihres Lebens entgegen. Wenn da nur nicht die Schwiegereltern wären. Multikulti-Komödien sind schon fast ein eigenes Subgenre hierzulande. „Evet, ich will“ mit seiner "Short Cuts"-Dramaturgie gehört zu den ernsthafteren Varianten. Und mit dem hohen Tempo & dem grotesken Screwball-Touch zu den unterhaltsamsten. Ein intelligenter Wohlfühlfilm. mehr
"Chiko" erzählt genrebewusst vom Aufstieg und Fall eines Hamburger Drogendealers. Der Film beginnt als cooler und lockerer Gangfilm, schraubt sich gewalttätig zur Gangsterballade, um als klassische (Freundschafts-)Tragödie mit einer leisen Kritik am Turbo-Kapitalismus zu enden. Geradlinig die Story, schnittig die Montage, physisch direkt die Schauspieler, schmissig der Soundtrack. Das hämmert und kracht und ist nichts für Zartbesaitete! mehr
Der Schlagerstar Alexander Ludwig hatte einen Herzinfarkt und hat keine Erinnerung an die Ereignisse der letzten zehn Jahre. Keine Erinnerung an seine Schnulzen, keine Erinnerung an seine zweite Frau. „Wenn es Ihnen gelingt, etwas mit einer Emotion zu verknüpfen, dann werden Sie sich daran erinnern“, prophezeit die Therapeutin dem Sänger. „Muss ich jetzt bei allem was fühlen?“... Der Jazz als Medium, um die Gefühle zu lenken. Das swingt und fließt leicht und relaxt. Ein Film nicht nur für Fans, Jazz-Fans, Kuhn-Fans, Lohmeyer-Fans etc., aber Fan-Sein erhöht den Spaß an Nicole Weegmanns Film nach Ruth Tomas Buch. mehr
Der Bosnier Dejan, Mitte 20, lebt seit mehreren Jahren in Deutschland und ist noch immer traumatisiert von den Erfahrungen im Balkankrieg. Er lernt Anna kennen, sie kommen sich näher, doch er ist unfähig, sie zärtlich zu berühren. Selbst in intimen Situationen reagiert er aggressiv. “Jeder hat sich schuldig gemacht”, betont die Filmemacherin Nadya Derado. Das ist auch der Tenor ihres aufwühlenden, sperrigen und sehr authentischen Films. mehr
Rückkehr nach 20 Jahren in die Heimat, einen sächsische Ort an der Elbe. Alles ist seltsam. Selbst die Mutter erkennt ihr eigen Fleisch und Blut nicht. „Maria am Wasser“ erzählt von einem dörflichen Mikrokosmos, der vorgestrig anmutet, von Schuld und Vertuschung, von Todessehnsucht und Neuanfang. Mit märchenhaften Wasser-Motiven, symbolischen Anspielungen und Metaphern verdichtet Thomas Wendrich seine Suche nach der (DDR-) Vergangenheit, nach Versöhnung, Vergebung. Schwer zugänglich, verrätselt, verkopft. mehr
"Sternzeichen" erzählt von zwei Brüdern: der eine geht stets als erster durchs Ziel, der andere ist nicht für den Konkurrenzkampf geboren. Die Krankheit ist Metapher fürs Anderssein und Provokation für die „Gesunden“. Sensibles Läuterungsdrama von Kolditz und Patzak. mehr
Vier Freunde, Mitte, Ende 50, einer liegt im Sterben. Im Angesicht des Todes kommen die drei Männer zu sich selbst – und einander wieder näher. „Alter und Schönheit“ erzählt vom Unausweichlichsten im Leben, der eigenen Endlichkeit, der Film lebt von kleinen Dingen mit großer Wirkung. Es ist die Bilanz der Generation, die die Bundesrepublik maßgeblich mitgeprägt hat. Trotz schwerem Thema ein für den gnadenlosen Realisten Michael Klier geradezu altersmilder, leichter Film. Mit einer großen filmischen Beiläufigkeit erzählt. mehr
Gerade war da noch eine Familie. Jetzt sieht Alex zwei Erwachsene, die sich aufführen wie pubertierende, frisch verliebte Teenager, und einen konfusen 15-Jährigen, der ins emotionale Chaos der Pubertät fällt. Debütfilm von Marie Reich, mit leichter Hand und heiterer Melancholie inszeniert. Gute Dialoge, sympathische Jungschauspieler, naturromatisches Wohlfühlambiente. „Summertime Blues“ ist ein Film für die Jugend, eine Coming-of-age-Sommerkomödie ohne zu viel Blues, die die Eltern mit Vergnügen mitschauen können. mehr
Ein schnöseliger Wessi-Popper trifft im Jahre 1985 bei seiner DDR-Klassenfahrt auf seinen Zwillingsbruder – unbekannterweise. Plötzlich hängt er in Kleinruppin fest – und dann hat ihn die Liebe am Haken. „Kleinruppin forever“ verfährt nach dem Prinzip „lieber gut geklaut als schlecht neu erfunden“. Ein bisschen "Doppeltes Lottchen", "Zurück in die Zukunft" und "Good Bye, Lenin". Teenagerkomödie, Märchen, Wohlfühlfilm – das hatten die Macher im Sinn. Und dieses Konzept trägt – dank Anna Brüggemann und Michael Gwisdek. mehr
Heiner rettet Anouk das Leben, sie küssen sich und trennen sich, um sich wenige Tage später wieder zu sehen – zwei sich fast Fremde, die sich in wenigen Stunden so nahe kommen, dass sie sich vorstellen könnten, miteinander zu leben. Oder gehört das zu ihrem sehnsuchtsvoll-zärtlichen Spiel, zu der Illusion von Liebe? Die (intimen) Dinge des Lebens nach französischem Vorbild – mutig, erotisch, schwermütig, aber weder schwülstig noch melodramatisch, aber eben auch nicht gelungen. Fred Breinersdorfers Regie-Debüt. mehr
Tobi hegt homoerotische Gefühle für seinen Busenfreund Achim, doch der hat momentan nur Augen für Sandra. Also wendet sich Tobi Anke zu, bevor er in den Armen von Leo die gleichgeschlechtliche Liebe entdeckt. Beachtlich, wie unaufgeregt der junge Regisseur Marco Kreuzpaintner aus einer Coming-of-Age-Geschichte ein ernsthaftes und zugleich lockeres Coming-out-Drama entwickelt. Tolle Darsteller. Melancholisch, leicht, humorvoll. mehr
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