„Ein Teil von mir“ erzählt eine kleine, alltägliche Geschichte. Eine ungewollte Schwangerschaft verändert das Leben zweier Teenager. Zugleich ist Christoph Röhl mit dieser Miniatur ein Film über die vaterlose Gesellschaft gelungen, ein Film, der Frauen zeigt, die Beziehungsnotstände richten müssen. Ein fein reduzierter Schauspielerfilm, der die Geschichte allein über die Gesichter von Ludwig Trepte und Karoline Teska erzählt. mehr
Ein Fremder bringt das Beziehungskarussell in Schwung. Alles gerät, getrieben von einer schicksalhaften inneren Logik, aus dem Ruder in dieser erfreulich unpsychologischen Geschichte um Liebe, Schuld und Eifersucht, in der Reden & Segeln das Sagen haben. mehr
„Vier Minuten“ war eine Kino-Überraschung der letzten Jahre. Abgesehen von dem psychologisch etwas übermotivierten Drehbuch ist dieses Gefängnisdrama mit Hang zur großen Gefühlsoper ästhetisch ein kleines Meisterwerk. Wie sich eine preußische Klavierlehrerin und ein freakiges Wunderkind, das wegen Mordes einsitzt, kontrollieren, so disziplinieren sich auch die beiden großartigen Schauspielerinnen auf furiose Weise. mehr
Ein Waldhotel in den Bergen. Eine junge Frau tritt den Dienst als Rezeptionistin an. Ein merkwürdiges Haus. Es dröhnt, es stinkt, es herrscht eisiges Schweigen. Ohne die Einbildungskraft des Zuschauers läuft „Hotel“ wortwörtlich ins Leere. Ein Gefühl von Sicherheit will einem die Regisseurin nicht geben, auf Psychologie als Erklärungshilfe verzichtet sie. Die Bilder erinnern an die unterkühlte Brillanz eines David Lynch. mehr
Lola Randls „Die Besucherin“ erzählt von einem Gegenentwurf zum bisherigen Lebensplan. Eine fremde Wohnung weckt in einer Frau das Bedürfnis, aus dem bisherigen Leben auszubrechen. Bald ist da auch ein Mann, dann ein sexuelles Arrangement. So halbherzig die schroffe Heldin ihren „Ausbruch“ lebt, so leidenschaftslos ist die Geschichte erzählt. mehr
Lilli, ihr Vater Frank und dessen Freund Paul sind eine Schicksalsgemeinschaft. Unfall, Mord, Knast – ihre Unglücke schweißen zusammen. In stilisierter Beiläufigkeit erzählt Philipp Stölzls Debütfilm "Baby" von den großen Mythen der Menschheit, von Tod, Mord, Schwangerschaft, Geburt, von Schicksal und Freundschaft, in einer kleinen Geschichte. Melancholie liegt in den Bildern. Die Unberechenbarkeit der Nordsee gibt den Ton an. mehr
Schläge prasseln auf einen regungslosen Körper ein. Der zeigt kaum Reaktion. Eine Frau verprügelt ihren Mann mit allem, was im trauten Heim greifbar ist. Immer wieder, nach Tagen scheinbarer Normalität, bricht es aus der Frau heraus. Sie ist Lehrerin, er ist Polizist, nach außen geben sie sich freundlich, doch in ihren vier Wänden durchleben sie die Hölle. mehr
„Welpen hinter Gittern“: ein Programm für Schwerverbrecher, die über die Ausbildung von Begleit- und Blindenhunden lernen, Verantwortung zu übernehmen und Gemeinschaftssinn einzuüben. Frei nach diesem US-Projekt entstand der Spielfilm "Hundeleben". Im Mittelpunkt steht einer, der etwas länger braucht auf dem Weg zu Liebe, Läuterung und Schwanz-Gewedel. Realistischer, unpathetischer Wohlfühlfilm mit Thomas Sarbacher. mehr
Die Deutschen suchen Musik, die Marokkanerinnen einen Prinzen. „Tangerine“ zeigt zwei Parallelwelten, in denen Liebe und Freundschaft, Treue und Beziehung etwas völlig anderes bedeuten. Der multiperspektivische Blick, der beide Kulturen in den Fokus rückt, ist das Besondere an Irene von Albertis magisch inszeniertem und perfekt besetztem Film. mehr
"Nacht vor Augen“ ist das dritte Heimkehrerdrama um einen traumatisierten Afghanistan-Soldaten, das in diesem Jahr zu sehen ist. Der bemerkenswerte Debütfilm erzählt leise, ausschnitthaft und nimmt sich Zeit. Umso heftiger wirken die Ausbrüche von Gewalt. mehr
Die 14-jährige Stevie hat es nicht leicht. Ihre Probleme gehen über die üblichen Pubertätskrisen hinaus. Denn ihre Eltern sind nicht nur peinlich, sie stehen auch permanent mit einem Bein im Knast. Pia Marais' Debütfilm orientiert sich am Dogma-Realismus. mehr
Leroy liest Goethe, spielt Cello und ist schwarz. Dummerweise liebt er ein Mädchen, dessen fünf Neonazi-Brüder ihn gar nicht mögen. Doch dann stößt Leroy auf die magische Kraft seiner angloafrikanischer Vorfahren: ein bisschen Shaft, etwas Malcolm X und Martin Luther King! Sympathischer Jugendfilm mit kleinen Schwächen & fettem Soundtrack. mehr
Maik und Momme wollen die Brangelinas "abschießen". Doch dafür müssen sie tagelang warten. Die beiden sind anstrengend. Das gilt auch für die ersten Minuten von „Warten auf Angelina“. Doch dann nimmt diese sympatische, intelligente Low-Budget-Promi-Hype-Farce von Kino-Enthusiast Hans-Christoph Blumenberg verbal & pointentechnisch Fahrt auf. mehr
Der Geburtstag der Mutter bringt vier Frauen wieder zusammen. Und das Chaos ist vorprogrammiert. Dennoch macht es 90 Minuten lang Laune, dabei zuzuschauen, wie der kleinkarierte Traum vom Familienglück zerplatzt inmitten einer dörflichen Gemeinschaft der Zukurzgekommenen. Die grandiose ostdeutsche Viererbande Manzel, Harfouch, Schorn & Block machen „Frei nach Plan“ zum Frauenkräfte-Parallelogramm der Sonderklasse. mehr
Erzählt wird von sechs Menschen, die in einen tödlichen Unfall verwickelt waren und drei Jahre später versuchen, sich ohne Schuld und Wut wieder zu begegnen. Der versöhnliche Schluss von "Baching" passt bestens zur Tonlage dieses liebenswerten „Heimatfilms“, der die kleinen, alltäglichen Lösungen sucht und damit einen pragmatischen Realismus vorführt, der einem das Herz aufgehen lässt, ohne dabei die Seele nur baumeln zu lassen. mehr
Hanna ist um die 50 und lebt in einem Nest irgendwo in Thüringen. Sie wechselt ihre Jobs im Wochenrhythmus, doch die Zuversicht bleibt. Sie will noch was vom Leben: am besten einen Mann, einen richtigen Mann. Hanna ist die sprichwörtliche „Kleine Frau“ aus dem Kultsong der Ost-Combo Silly. Böhlichs dramaturgische Herangehensweise an den Stoff ist ähnlich naiv wie seine Hauptfigur. Dieser Realismus ist sympathisch, aber überraschungsarm. mehr
1. Mai in Berlin Kreuzberg. Zwei jugendliche Krawallmacher aus der Provinz, ein 11-jähriger Türke und ein Polizist geraten mit ihren persönlichen Problemen hinein in das explosive Gemisch einer Stadt. "Berlin – 1. Mai" ist ein Experiment: drei junge Regie-Teams, drei Geschichten, ein Ort, ein Tag, gedreht an Originalschauplätzen am 1. Mai 2006. mehr
Frank ist ein Hochstapler aus Leidenschaft. Wie ein Süchtiger erfindet er Geschichten, schlüpft in fremde Biografien – und er muss ständig zum Flieger in irgendeine Weltstadt, obwohl er in seinem ganzen Leben nach kein Flugzeug von innen gesehen hat. Er ist ein Illusionist, der seine Erfindungen selbst am dringendsten braucht. Eine tief tragische Biographie, ein nicht unwitziger Film. Einmal mehr grandios gut: Devid Striesow! mehr
Zwei Mädchen mit unterschiedlichen Träumen teilen sich ein Kind. „Was am Ende zählt“ ist ein Solo für die Hauptdarstellerinnen. Aber nicht alles ist gut in in diesem Diplomfilm. mehr
Fünf Grenzgänger zwischen Deutschland und Dänemark. Fünf Geschichten, fünf Facetten einer Stimmung: Einsamkeit. Es ist eine herzergreifende Geschichte, die Jungregisseur Till Franzen aus dem Geiste seiner Heimat Schleswig-Holstein heraus erzählt. Ein Film, der die Magie nicht nur sucht, sondern sie auch findet. Ein Film als ästhetisches Gesamtkunstwerk: ein ätherisches kleines Meisterwerk. "Die blaue Grenze" – ideal für die blaue Stunde! mehr