Gudrun Landgrebe ("Die flambierte Frau") über ihr Image, über Erotik-Drehs, über Selbstkritik und ihren Fernsehfilm "Herzlichen Glückwunsch" (2005) von Komödien-Experte Berno Kürten, der sich positiv abhebt vom Degeto-Schmonzetten-Fernsehen.
Foto: Degeto / Reiner Bajo"Herzlichen Glückwünsch". Noch strahlt die Heldin in Berno Kürtens Film zum 50.
"Herzlichen Glückwunsch” sticht positiv heraus aus dem oft seichten Freitagsangebot der ARD. Was hat Ihnen an der Geschichte imponiert?
Ich war von dem Drehbuch höchst überrascht. Weil diese Komödie doch einen geradezu angelsächsischen Humor versprüht. Es geht um eine Familie, die sich liebt, die sich bekämpft. Diese kleinen Familienfehden, diese Nähe zum Alltag - das hat mir besonders gefallen.
Vera ist Dreh- und Angelpunkt des Films...
Gerade das hat mich gereizt. Diese Lebendigkeit, dass sie immer auf dem Sprung ist und dass ständig etwas passiert bei ihr. Und sie muss unbedingt das letzte Wort haben. Für mich ist Vera eine echte Chaos-Maschine.
Wie unterscheidet sich ein solcher Dreh an nur einem Schauplatz vom herkömmlichen Arbeiten?
Dieses Kammerspielhafte war sehr angenehm. Mit der Zeit stellte sich bei mir das Gefühl ein: “Das ist jetzt mein Haus.” Vor allem fand ich es gut, dass man bei der Ausstattung Wert darauf gelegt hat, tatsächlich ein mittelständisches Haus zu finden und nicht etwas viel zu Großartiges, wie es allzu oft passiert, um dieses “bigger than life” zu demonstrieren. Hinzu kommt, dass Berno Kürten beim Drehen um größere Kontinuität bemüht war, als es bei anderen Filmen der Fall ist.
Einige Kritiker werden über “Herzlichen Glückwunsch” schreiben: “nicht frei von Klischees”. Was würden Sie denen entgegenhalten?
Nein, das sehe ich ganz anders. Also wenn hier Klischees benutzt werden, dann werden sie ja mit einem ganz deutlichen Augenzwinkern gezeigt.
Sie werden gern in die Diva- und Grande-Dame-Ecke gerückt, obwohl Sie auch ganz andere Rollen gespielt haben. Wie erklären Sie sich das?
Überhaupt nicht. Ich habe immer sehr unterschiedliche Rollen gespielt. So habe ich zuletzt in Südafrika ein “SOKO”-Spezial gedreht. Und meine nächste Rolle wird die Königin Margarethe von Dänemark sein, eine machthungrige und skrupellose Politikerin, in dem Piratenfilm „Störtebecker“. Nimmt man Vera hinzu, drei völlig verschiedene Rollen. Ich glaube auch, der Zuschauer hat bei mir kein Image vor Augen. Ich bekomme immer wieder Briefe, in denen es heißt: dass ich gerade so unterschiedlich wirke und so unterschiedliche Rollen spiele - und dass ich das beibehalten soll. Ich wüsste nicht mal, wann ich das letzte Mal eine Grande Dame gespielt habe.
Foto: Degeto / Reiner BajoAuch als der Sohn eintrifft, ist noch alles in Butter. Landgrebe und Oliver Clemens
Sie drehen zuletzt vornehmlich fürs Fernsehen. Fehlt Ihnen nicht ein bisschen die Aura des Kinos?
Wenn es eine Aura wäre ... Es wird ja sehr wenig an Kinofilmen produziert. Und bei den Angeboten war nicht das dabei, was mich wirklich gereizt hätte. Und dann muss es ja auch nicht sein. Ich mache genug.
Stimmt es, dass Sie erotische Szenen nicht gern gespielt haben?
Ich muss diese erotischen Szenen nicht unbedingt haben. Da kann ich gut drauf verzichten.
Gibt es erotische Szenen in Ihrer Karriere, an die Sie mit Grausen zurück denken?
Ja, aber den Toten nichts Böses.
Sie müssen ja keine Namen nennen.
Na ja, der eine oder andere Partner war ein bisschen aggressiv. Das sind Übergriffe, die man an sich mit Backpfeifen beantworten müsste. Das kommt vor. Aber in den allermeisten Fällen sind die Kollegen sehr partnerschaftlich und einfach Profis. Die letzte Rolle mit verschiedenen Liebesszenen hatte ich vor drei Jahren in “Liebe darf alles” mit Hans-Werner Meyer. Und ein Hans-Werner Meyer oder ein Heiner Lauterbach - um mal das Positive zu benennen - würden sich so etwas Albernes niemals erdreisten.
Wie sehen Sie Ihre berufliche Zukunft? Gibt es für Ihr Alter noch genügend attraktive Angebote?
Das hoffe ich doch. Ich habe mich eigentlich immer überraschen lassen. Was soll ich mir große Illusionen oder Riesenpläne machen, die dann nicht eintreten!?
Man hört immer nur von Jugendwahn, Dschungel-Show oder Soap-Inflation - ist das Fernsehen wirklich so schlecht?
Das Fernsehen pauschal kann man gar nicht beurteilen. Ich kann da wirklich auf das Meiste verzichten. Doch man darf nicht vergessen: Wenn man sagt, das Fernsehen ist so viel schlechter geworden in seiner Qualität und man misst es an den 70er Jahren, dann ist da natürlich was dran. Andererseits wurde damals in der Gesamtheit viel weniger produziert. Da konnte man stärker auf Qualität achten.
Foto: Degeto / Reiner BajoDoch dann taucht die alte Jugendliebe auf und der Gatte (Walter Kreye") ist wenig "amused". Landgrebe sah in der Komödie Anleihen beim angelsächsischen Humor.
Gucken Sie sich noch mal alte Filme von Ihnen an?
Das mache ich nie. Ich gucke mir sowieso nicht gerne meine eigenen Film an.
Das hört man oft von Schauspielern. Wie kommt’s?
Das ist eine Frage der Selbstkritik. Denn man stellt doch selber fest, wo Nuancen - manchmal geht es nur um Nuancen - doch ein wenig anders hätten gespielt sein sollen.
Zur Person:
Gudrun Landgrebe, geboren am 20. Juni 1950 in Göttingen, wurde vor 22 Jahren von Robert van Ackeren für „Die flambierte Frau“ entdeckt. Der Kinohit, in dem sie eine gelangweilte Frau spielt, die ihre Erfüllung als Domina findet, prägt in den nächsten Jahren das Image der viel beschäftigten Schauspielerin. Starke Auftritte hatte sie in Grafs „Die Katze“, Dietls „Rossini“ oder in „Opernball“. Zuletzt war Landgrebe, deren Kino-Präsenz oft gerühmt wird, vor allem im Fernsehen zu sehen. Damit einher ging ein Imagewechsel: von der Femme fatale zur Grande Dame. In „Herzlich Glückwunsch“ spielt sie sogar „nur“ eine Mittelstandsehefrau.