• Interview Jasmin Gerat: "Ausgerechnet Afrika"

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      Über 30 Fiktion-Premieren. Februar-Highlights auf einen Blick

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      TV60 – Alexandra Neldel in "Rache der Wanderhure" (Sat 1, 28.2.)

      Auf einen Blick: Kinokultfilme & Filmgeschichte im Februar

      RTL, 07.06.2010, 20:15 Uhr
      RTL, 14.06.2010, 03:00 Uhr
      Bewertung: 2,5 von 6

      Jasmin Gerat muss es für RTL richten: „Nicht ohne Unterhose auf der Bar tanzen“

      Als Kind wollte sie Tierärztin werden. Doch sie wurde ein Teenager-Idol. Jetzt darf sie im Film ihren Kindheitstraum ausleben. Nur schade, dass sich RTL für „Ausgerechnet Afrika“ so wenig Mühe gegeben hat. Jasmin Gerat über schwache und starke Projekte, über ihren Karriereweg und die Krise, über das Theaterspielen und ihre erwachsenen Jugendjahre.

      Ein bisschen „Daktari“, ein bisschen Liebe im Busch, die Story von „Ausgerechnet Afrika“ ist nicht weltbewegend. War es vor allem Afrika, was Sie gereizt hat?
      Nein, für mich war die Figur entscheidend. Meinetwegen hätte das Ganze auch in der Antarktis spielen können – ich wollte diese Frau spielen, die ein Leben lang mit diesen wilden Tieren aufgewachsen ist. Das hat auch viel mit mir zu tun. Ich wollte als Kind immer Tierärztin werden. Ansonsten fand ich diese Frau spannend: sie ist eine Einzelgängerin und plötzlich kommt da ein Mann und sie ist bereit, ihr Herz zu öffnen. Diese emotionale Reise hat mich gereizt.

      Für mich ist dieser Film ein Beispiel dafür, dass es die Schauspieler häufig richten müssen. Haben Sie auch manchmal den Eindruck, die Fehler der Produktion ausgleichen zu müssen?
      Bei jedem Film, den man macht, besteht das Risiko, dass ein Rädchen im Produktionsprozess nicht funktioniert. Ein schlechtes Drehbuch kann nie ein guter Film werden. Aber man ist Schauspieler, um zu spielen und manchmal nimmt man auch Rollen an, weil man Geld verdienen muss. Aber im Falle von „Ausgerechnet Afrika“ hat nach meinem Empfinden alles ziemlich gut zusammengepasst. Sicher hätte ich ganz spontan mal eine Szene anders gemacht, aber als Schauspieler musst du dem Regisseur vertrauen und dich auf seine Vision einlassen.

      Was haben Sie von Südafrika mitbekommen und mitgenommen während der Dreharbeiten?
      Wahnsinnig viel Natur. Wir waren ja sechs Wochen nur im Busch. Ich war ganz viel draußen, habe die Stille genossen, diese rote Erde, ich war ganz berührt von diesen Natur-Ereignissen. Es war schwer für mich, wieder zurückzukommen ins schnelle, hektische Berlin.

      Wie sah denn so ein Drehtag aus?
      Es war für mich der schönste Drehort, den ich je hatte. Ich habe in einer kleinen Hütte gewohnt und die Dreharbeiten fanden meist unweit der Lodge statt. Weil es früh dunkel wurde, mussten wir morgens schon um 4 Uhr aufstehen, damit wir um 5 Uhr am Set stehen konnten. Und dann dieser Sonnenaufgang... Ich bin noch nie so leicht aus dem Bett gekommen!

      Die Krise soll 2010 so richtig durchschlagen in der Film- und Fernsehbranche. Machen Sie sich da auch so Ihre Gedanken?
      Ehrlich gesagt gar nicht. Ich habe das große Glück, dass ich gut arbeiten darf. Ich glaube außerdem, dass man, je mehr man über die Krise redet, ihr umso mehr Energie gibt – und ich möchte mich auf die guten, die positiven Dinge in meinem Leben konzentrieren.

      Bedauern Sie manchmal, dass Sie – im Gegensatz zu Ihren Musikfernsehkolleginnen Heike Makatsch oder Jessica Schwarz – den nicht ganz so „anspruchsvollen“ Weg versucht haben?
      Ich vergleiche mich nicht mit meinen Kollegen. Jeder ist auf seinem eigenen Weg. Mir war und ist es wichtig, zu arbeiten, in Übung zu bleiben. Ich habe dabei sehr viel gelernt. Mir ist in erster Linie die Figur, die ich spiele, wichtig. Ich denke nicht in Serien- und Fernsehfilm-Kategorien. Ich arbeite, ich lebe davon, ich bin glücklich und wer weiß, was noch kommt!

      Sie hatten „Nachtschicht“ gemacht, „Die Mandantin“, zwei Klasse-Rollen. Danach drehten Sie zwei Jahre „SOKO Köln“. Waren Sie ab da nicht „abgestempelt“ als Seriendarstellerin?
      Nein, gar nicht. Jedenfalls hat man es mir nicht gespiegelt. Aber ehrlich gesagt, nach „SOKO“ bin ich Mutter geworden – und dann war für mich die Karriere erst mal zweitrangig. Wenn man da so ein kleines Wesen vor sich hat, dann relativiert sich diese Filmwelt sehr schnell.

      Wollten Sie eigentlich immer im Rampenlicht stehen?
      Das war nie ein bewusster Gedanke von mir. Wenn ich allerdings meine Mutter so höre, dann hatte ich offenbar immer schon Energie für zwei und wollte in der ersten Reihe tanzen und habe immer alle Aufmerksamkeit auf mich gezogen.

      Ab wann haben Sie sich 100%ig als Schauspielerin gefühlt?
      Ich mache den Beruf des Schauspielers jetzt 12 Jahre und habe trotzdem das Gefühl, dass ich jeden Tag etwas Neues entdecke und lerne. Aber so richtig als Schauspielerin gefühlt, habe ich mich nach „Nachtschicht“. Da spürte ich, was ich kann und was möglich ist in diesem Beruf. Lars Becker hat da Dinge aus mir herausgelockt, von denen ich vorher nichts wusste.

      Hatten Sie davor manchmal das Gefühl, eine Hochstaplerin zu sein?
      Ich habe die Schauspielerei nicht wirklich ernst genommen. Ich spürte noch keine Verantwortung dem Beruf gegenüber. Aber es ist eine große Verantwortung, wenn man andere Menschen darstellt.

      Sie haben früh auch Theater gespielt. Das war ja ganz schön mutig. Wie kam es dazu?
      Sönke Wortmann hatte ein Interview mit mir gelesen. Und dann sollte ich plötzlich vorsprechen kommen. Neben mir gestandene Theaterfrauen. Ich musste mir die Rolle schwer erarbeiten und habe dann zwei Jahre am Düsseldorfer Schauspielhaus gespielt. Ich habe es geliebt.

      Hatte das Live auf der Bühne für Sie irgendetwas mit dem Live im Fernsehstudio zu tun?
      Auf der Bühne zu stehen, wo 900 Leute auf einen schauen, ist etwas völlig anderes, als in eine Kamera zu gucken, wo man all diese Zuschauer nicht sieht, nicht spürt. Dieses Live-Gefühl, das ich auch bei einigen TV-Moderationen hatte, mochte ich schon sehr. Aber meistens erschöpfte sich das Moderieren doch im In-die-Kamera-Schauen. Deshalb war ich auch so dankbar, dass ich die Schauspielerei für mich gefunden habe. Ich hätte nicht länger noch in eine Kamera reingucken können. Mir war es zu viel, immer nur mich zu präsentieren.

      Bereuen Sie nicht, dass Sie keine normale Jugend hatten und etwas verpasst haben?
      Ich habe überhaupt nichts verpasst. Im Gegenteil, ich habe sehr viel mehr erlebt. Das musste ich erst mal alles verarbeiten. Ich habe früh gelernt, über mich und das Leben nachzudenken.

      Und etwas verpasst von dem, was unbeschwerte Jugend heißt?
      Klar, für diese unschuldige Zeit hatte ich keinen Platz. Ich musste erwachsen ein. Ich war viel unterwegs, musste Termine einhalten, ich hatte eine Riesenverantwortung und ich hatte bei "Bravo TV" auch eine Vorbildfunktion. Da konnte ich nicht ohne Unterhose auf der Bar tanzen. Mich so zu disziplinieren, war nicht immer ganz einfach, da ich ein ziemlich wildes Wesen habe. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass jeder Lebensweg perfekt vom Universum eingefädelt ist – und deswegen gibt es nichts zu bereuen.

      Zur Person:
      Jasmin Gerat, 1978 in Berlin geboren, wurde mit 15 Jahren Bravo-Girl, sie modelte und übernahm 1996 von Heike Makatsch die Sendung „Bravo TV“. Sie moderierte bei MTV, bevor sie eine Karriere als Schauspielerin startete. Sie drehte Serien und Teenie-Komödien („Mädchen, Mädchen 2“), überzeugte aber auch in Charakterrollen („Nachtschicht“) und auf der Bühne. Zuletzt drehte sie mit Tobias Moretti. 2007 wurde Jasmin Gerat Mutter.

      Das Interview führte Rainer Tittelbach


      Jasmin Gerat: "Ausgerechnet Afrika"
      RTL / Interview / Abenteuerfilm
      EA: 7.6.2010, 20.15 Uhr (RTL)
      Mit Jasmin Gerat, Alexander Sternberg, Rike Schmid, Miguel Herz-Kestranek und Oona Devi Liebich
      Drehbuch: Jens-Frederik Otto
      Regie: Axel Barth
      Produktionsfirma: Novafilm



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