Zunächst war sie nicht begeistert davon, nun auch noch unter die Polizisten gehen zu müssen. Die als Charakterdarstellerin bekannte Silke Bodenbender ("Papa und Mama") über Beauty-Bonus, Frauenbilder, ihren ersten Stunt und den ZDF-Film „Auftrag Schutzengel“.
Foto: ZDF / Marion von der MehdenSilke Bodenbender mit vollem Körper-Einsatz im ZDF-Krimi "Auftrag Schutzengel"
In „Auftrag Schutzengel“ spielen Sie bereits zum dritten Mal eine Polizistin.
Deswegen wollte ich die Rolle zunächst auch gar nicht spielen. Nach längeren Gesprächen mit dem Produzenten habe ich mich aber doch überzeugen lassen. Schließlich ist sie keine klassische Kriminalkommissarin, sondern eine einfache, sehr bodenständige Polizistin, die ihr Privatleben als allein erziehende Mutter einer Teenager-Tochter auf die Reihe kriegen muss. Dass sie als Personenschützerin eingesetzt wird – das fand ich besonders spannend.
Es geht physisch ganz schön zur Sache.
Das war ein weiterer Aspekt des Films, der mich überzeugt hat. Ich komme vom Theater, spiele gerne körperbetont. Zu Nadja Mohn gehört eine gewisse Körperlichkeit. Deshalb habe ich darauf bestanden, die Stunts selbst zu machen. Ich hatte Glück. Ich hätte mir beinahe eine geschwollene Nase geholt.
Sie bekamen aber schon eine kleine Stunt-Einführung?
Natürlich. Über zwei Stunden haben wir die Stunt-Szene, in der meine Polizistin unter Einsatz ihres Lebens einen möglichen Mörder überwältigen muss, choreographisch auf mein Können abgestimmt. Wir haben festgelegt, wann ich unter dem Messer durchtauche oder wie ich meinen Ellenbogen in sein Gesicht stoße, damit es echt aussieht und nicht wehtut.
„Auftrag Schutzengel“ schreit nach einer Fortsetzung. Wären Sie dabei?
Ich könnte mir durchaus einen zweiten Teil vorstellen, einen dritten sehe ich allerdings nicht.“
Foto: ZDF / Marion von der MehdenMehr als ein hübscher Blickfang: Silke Bodenbender, fast schon ein ZDF-Gesicht?!
Würden Sie beim „Tatort“ eher ja sagen?
Nein. „Tatort“ ist ein tolles Format mit großartigen Schauspielern. Aber zwei Mal jährlich in einer Reihe zu spielen, ist vorläufig nichts für mich. Ich möchte zwischen den Rollen springen, möchte mich ausprobieren. Eine Episodenrolle im „Tatort“ würde ich dagegen liebend gerne mal spielen. Es ist im Übrigen auch ein Zeitproblem. Ich möchte ja weiterhin auch Theater spielen. Also haue ich lieber mal mit einem Einzelstück daneben und habe eine neue Erfahrung gemacht, als mich auf ein Format festzulegen. Einige konnten nicht verstehen, warum ich „Das Inferno“ gemacht habe. Ich fand es interessant, zu sehen, wie es ist, wenn man sich mehr auf die Technik und das Watergel am Körper konzentriert als auf den Text.
Sie haben das Glück, talentiert und schön zu sein. Kann das Aussehen zur Bürde werden?
Ich weiß nicht, ob ich den Beauty-Bonus wirklich habe. Vor drei, vier Jahren sahen das einige Produzenten und Redakteure anders. Da hieß es immer, ich sei nicht Mainstream genug und ich hätte ein Pfannekuchengesicht. Ich habe mich auch immer gewehrt gegen diesen Stempel hübsch, schlank, blond und niedlich, der jungen Schauspielerinnen gerne aufgedrückt wird. Das Aussehen interessiert mich nicht. Ich bin Schauspieler. Mich interessiert die Wahrhaftigkeit meiner Figuren. Tatsache ist aber auch: Man muss schon kämpfen als Frau, wenn man einer Rolle zuliebe nicht zu schön aussehen will.
Und wie halten Sie es mit der Maske?
Ich achte stets darauf, dass ich nicht zu dick geschminkt werde und dass mein Gesicht seine Durchlässigkeit behalten kann. Die Schminke macht ja mein Instrument kaputt. Zugeschminkt sieht man ja nicht, was ich spiele. Wenn ich allerdings eine „Tussi“ verkörpere oder eine Lady aus der Upper Class wie bei Wedel, dann bediene ich das liebend gerne und trage die Schminke mit Würde. Überhaupt hätte ich Lust, mich optisch mehr zu verändern – verschiedene Frisuren, Haarfarben, extremes Kostüm. Das wird aber nicht gern gesehen.
Gibt es Frauenbilder, die Sie im Fernsehfilm vermissen?
Die meisten weiblichen Hauptfiguren sind starke Persönlichkeiten. Mich würde es schon mal interessieren, ob eine schwache, weiche Frau funktionieren würde.
Sie lieben öffentliche Auftritte nicht allzu sehr. Insbesondere meiden Sie rote Teppiche.
Das stimmt. Anfangs bin ich immer über den roten Teppich gerannt. Zuletzt war ich bei der Premiere von „1 ½ Ritter“. Da hatte ich Glück und wurde am roten Teppich vorbei gewunken. Das lag wohl an meinem Parka. Früher passierte es mir öfters, dass ich mein Ticket ein zweites Mal zeigen musste.
Foto: ZDF / Romano RuhnauBodenbender überzeugt auch in Martin Enlens Ostsee-Krimi "Der Tote am Strand".