Zieglerfilm präsentiert die Ausnahme-Serie vorab auf DVD
Das hatten wir doch schon einmal vor 15 Jahren. „Bella Block“ gibt ihre Dienstmarke ab. Damals kam sie zurück - 26 Mal. Wie es diesmal ausgehen könnte, verrät Hannelore Hoger im Interview. Außerdem äußert sie sich über den Abgang von Rudolf Kowalski.
Foto: ZDF / Stefan PerschDas Ermitteln fällt Bella Block zunehmend schwerer. Hannelore Hoger & Striesow
Wie stehen Sie zu den Blessuren, die Ihre Figur in ihrem neuen Fall erleiden muss?
Mit den dramatischen Einschnitten im Leben Bella Blocks – bis hin zum Anschlag auf sie – war ich einverstanden. Dass Simon Abendroth den Absprung macht, zeichnete sich ja schon in den letzten Filmen ab. Ich finde es natürlich schade, dass Rudolf Kowalski ausscheidet. Aber wer weiß, vielleicht gibt es ja eine überraschende Wende.
Was war bei diesem Zweiteiler anders als sonst?
Anders war eigentlich gar nichts. Sehr entgegen kam mir, dass ich nicht ununterbrochen sprechen musste. Ich klage ja öfters darüber, dass ich zu viel Text lernen muss. Von daher fand ich die Idee, dass Bella Block zwischenzeitlich nicht sprechen kann, richtig gut.
Dabei sind die Dialoge ja mit das Beste?
Es bleiben noch genügend Texte übrig. Bella Block ist nicht Kleist oder Schiller. Es ist Umgangssprache - und die muss dem Schauspieler gut von der Zunge gehen.
Wo treffen sich Hannelore Hoger und Bella Block?
In der Rolle steckt schon viel von mir. Ich kann ja nur aus mir heraus, mit meiner Person, meinem Äußeren, meinen Erfahrungen, meiner Biografie eine Figur gestalten. Außerdem ist sie sehr direkt, sie sagt was sie denkt. Und das sagt man mir auch nach.
Foto: ZDF / Stefan PerschBella Block wird angeschossen und verliert die Sprache. Hannelore Hoger, Kowalski
Gibt es Parallelen in den Haltungen?
Sie hat einen Gerechtigkeitssinn. Sie lässt sich nichts gefallen. Sie findet Ihren neuen, schnö-seligen Vorgesetzten etwas seltsam. Diesen neuen Ton, den möchte sie nicht mitmachen. Deshalb geht sie. Ich würde das auch nicht mit mir machen lassen. In diesen Dingen ist sie mir sehr nahe. Auch ich habe mich ja nach 25 Jahren Theater, als eine neue Generation kam und die Chemie nicht mehr so richtig stimmte, aus der festen Anstellung verabschiedet. Ich hatte keine Angst – und so sehe ich Bella Block auch. Sie hat nichts zu verlieren. Sie liebt ihren Beruf, sie ist eine Frau, die noch etwas vom Leben will. Damit kann ich mich durchaus identifizieren.
Gibt es Eigenheiten, bei denen sie Ihnen zu extrem ist?
Das würde ich nicht sagen. Ihr wird manchmal vorgeworfen, sie sei hart und ruppig. Das finde ich nicht. Sicher ist sie über die Maßen misstrauisch und skeptisch – was mir etwas fremd ist. Ich bin eher vertrauensselig. Man muss aber auch sehen, dass sie Polizistin ist. Sie hat es nicht immer leicht. Ich würde nicht gern mit ihr tauschen.
Sie sagen immer wieder, Sie wollen weniger arbeiten. Was heißt das für „Bella Block“?
Ich bin schon dabei, weniger zu arbeiten. „Bella Block“ würde ich aber gerne weiter machen. Es ist eine gute Figur. Wir müssen jetzt einen neuen Weg finden und wir sind auch schon dabei.
Wie könnte der Weg aussehen?
Das ist noch nicht ganz klar. Bella Block wird das Kommissariat auf jeden Fall verlassen. Das finde ich auch gut so. Bella Block wird vermutlich Privatdetektivin werden. Dadurch ist sie offener, was die Fälle angeht. Es muss auch nicht immer Mord sein.
Foto: ZDF / Stefan PerschDann verliert Bella auch noch ihren Lebensabschnittsgefährten (Rudolf Kowalski).
Wenn es nach Ihnen ginge, wohin würde sie sich entwickeln?
Ich finde diese neue Situation gut. Ich würde mir eine Besinnungsphase wünschen. Sie ist ja nicht mehr ganz jung. Sie ist aber eine Stehauffrau, sie verfällt jetzt nicht in Depressionen, sie schaut nach vorne. Das neue Konzept gefällt mir, weil mit ihm Geschichten erzählt werden können, die unvorhersehbarer sind. Ich wünsche mir Situationen, in denen sie auf eigene Faust handelt, wo sie mehr das machen kann, was sie für richtig hält.
„Bella Block“ machte in den letzten Fällen einen immer müderen Eindruck…
Ich schreibe die Bücher nicht. Ich bin zwischendurch auch immer ein bisschen müde. Wenn man älter wird, ist das normal. Und wenn man zehn Stunden drehen muss, wird man eben müde. Und dann sieht man vielleicht auch so aus... Ihres Berufs müde ist sie im aktuellen Fall. Aus gutem Grunde. Aber das kann sich auch wieder ändern.
Doris Gerckes Bella Block ist ja Privatdetektivin. Im ersten Fall hat die Kommissarin auch den Dienst quittiert. Geht jetzt alles wieder stärker auf Anfang?
Wie gesagt: Ich schreibe die Bücher nicht… Doris Gerckes Figur ist sicher härter angelegt – auch Männern gegenüber. Ihre Bella Block nimmt das starke Geschlecht nicht ganz so ernst. Und doch denke ich, dass sich die Roman-Bella und die Film-Bella ähnlich sind. Die Unter-schiede resultieren aus den unterschiedlichen Rahmenbedingungen. Insofern könnte sich tatsächlich die Privatdetektivin Block wieder stärker in Richtung Gerckes Figur entwickeln.
Sie waren eine der ersten TV-Kommissarinnen, eine Frau, die nachdenklicher, sensibler, „ganzheitlicher“ an ihre Fälle geht…
Das war und ist mir auch wichtig. Eine Kommissarin mit Knarre statt Privatleben kann ich mir nur schwer vorstellen. Frauen sind anders als Männer – das sollte sich auch bei der Ermittlungsarbeit zeigen. Kommissarinnen betrachten die Welt anders und sie funktionieren nicht nach den Mustern „einsamer Wolf“ oder „Ich muss den starken Max spielen“. Ich denke, in vielen Krimis kommt – wie im Leben – dieses Patriarchalische immer wieder durch.
Inwieweit hängt das Geheimnis des Erfolgs von „Bella Block“ mit der Verschmelzung von Darsteller und Rolle zusammen?
Ich habe bestimmt zusammen mit meinen Theaterrollen ca. 100 verschiedene Rollen gespielt. Dass die Zuschauer die Figur mit meiner Person gleichsetzen, empfinde ich als Kompliment. Sie wirkt glaubwürdig. So eine Kongruenz ist reizvoll - solange die Identifikation nicht zu weit geht. Mit Frau Block spricht man mich inzwischen nur noch selten an.
Foto: ZDF / Stefan PerschNach dem Schock braucht Bella erst mal einen Rotwein. Hoger & Regisseur Imboden
Zur Person:
Hannelore Hoger, am 20. August 1942 in Hamburg geboren, begann ihre Karriere am Theater. Sie spielte an renommierten Stätten in Bremen, Stuttgart, Bochum, Hamburg und Wien. Herausragend war die Zusammenarbeit mit Peter Zadek. Im Film galt Alexander Kluge als ihr Mentor. Populär wurde Hoger durch ihre TV-Kommissarin „Bella Block“, die sie seit 1993 spielt. Für die Krimi-Reihe erhielt sie zahlreiche Preise, darunter den Adolf-Grimme-Preis.