"Dem musste man wahrscheinlich einen Knochen um den Hals binden, damit wenigstens der Hund mit ihm spielt", sagt Armin Rohde über seinen törichten Dorfsheriff Röhricht. Es ist die spannendste und sozial brisanteste Figur in Uwe Jansons Event-Zweiteiler "Vulkan".
Ihr Walter ist ein merkwürdiger Zeitgenosse. Wie würden Sie ihn charakterisieren?
Als giftiges Reptil. Er scheint jemand zu sein, der schon in der Schule nicht allzu viele Freunde hatte. Dem musste man wahrscheinlich einen Knochen um den Hals binden, damit wenigstens der Hund mit ihm spielt.
Sympathisch ist was anderes.
Wenn man so jemandem eine Uniform anzieht und der dann auch noch gewisse Machtbefugnisse hat, dann werden solche Menschen – das wissen wir aus der deutschen Geschichte – sehr schnell sehr unangenehm. Wenn so jemand in eine Situation gerät, in der scheinbar alle geltenden zivilisatorischen Verabredungen vorübergehend außer Kraft gesetzt sind, dann werden solche Menschen sehr schnell sehr gefährlich.
Welche Funktion erfüllt er im Film?
Er ist ein Vulkan auf zwei Beinen. Also eigentlich die Titelrolle (lacht). Aber die anderen Figuren sind auch kleine Vulkane. Bei jedem liegen unter der scheinbar friedlichen Oberfläche Ausbruchswünsche, die mehr oder weniger realisiert werden können.
Wie gefällt Ihnen der RTL-Zweiteiler?
Der Film ist hervorragend erzählt, in überwältigenden Bildern, ist toll geschnitten und alle Rollen werden so gezeigt, dass der Zuschauer mit ihnen fühlen kann und sich für ihr Leben interessiert ,also weit mehr als nur Staffage für den Ausbruch eines Vulkans und für den Ablauf eines Genrefilms.
Walter geht gestärkt aus der Katastrophe hervor?
Eindeutig. Der Typ ist Katastrophengewinnler. Das ist jemand, der quasi durch die Lava zu sich selbst findet. Zu dem spricht quasi durch den Vulkanausbruch wie die Stimme Gottes aus dem brennenden Dornenbusch zu Moses. Der erkennt auf einmal sich selber und seine Bestimmung im Leben. Und so kann aus dem kleinen, drangsalierten, engen Menschen dieses giftige Reptil schlüpfen wie aus einem Schlangenei.
Optimistisch ist die Weltsicht nicht gerade.
Der Film hinterlässt bei mir das Gefühl: was sind wir Menschen doch für fragile und anfällige, kleine Säugetiere!
Gab es schon etwas am Drehbuch, das über die bewährte Event-Movie-Dramaturgie hinausgeht?
Ja, man hat es dem Drehbuch schon angemerkt, dass es nicht das typische Bediendrehbuch ist für ein typisches Katastrophen-Event-Fernseh-Dingsbums.
Wo und wie sind diese Untertage-Szenen entstanden?
In einem echten Vulkankeller in der Eifel. Da drinnen haben wir mehrere Tage gedreht. Das war für mich der größte Horror. Ich bin in Aufzügen schon nicht gerne - und dann unter der Erde bei 7° C, obwohl Sohn eines Bergmanns, das liegt mir nicht.
Es war aber schon alles "easier", als es im Film aussieht?
Grundsätzlich ja, wobei wir bei den Szenen im Wald Pech hatten, weil es regnete. Wir mussten also durch einen vermatschten Wald stapfen und dabei den Explosionen ausweichen. Unter Laub waren kleine Spengsätze versteckt, die gezündet wurden. Da musste man schon aufpassen.
Noch kurz zur "Nachtschicht": Geht es zu dritt weiter?
Es gibt Gerüchte über einen vierten Mann, aber Genaues weiß ich noch nicht.
Die Dreierkonstellation nimmt Ihrer Figur etwas an Präsenz: keine Männergespräche mehr!
Genau, das ist ein springender Punkt. Die Figur, die Ken Duken gespielt hat, wusste ja auch über das Erichsen-Geheimnis des verschwundenen Geldes, des Mordes und der Geliebten Bescheid. Mir selber fehlen diese Männergespräche auch. Ich habe es auch schon angemeldet. Ich brauche das. Mit Frauen rede ich zwar auch sehr gerne aber eben anders.
Die KDDler hatten überhaupt im letzten Fall im Januar ziemlich wenig zu tun.
Das ist keine Tendenz. Das ist mal so, mal so. Es gab schon Fälle, wo ich dachte, ich hätte gern etwas mehr zu tun gehabt. Bin dann aber auch wieder froh, dass es Tage gibt, an denen ich ausschlafen kann. Ich finde das gut, dass die Figuren nicht jedes Mal gleich prominent im Vordergrund stehen. Ich bin sowieso eher ein Team-Player.
Das Thema der Korrumpierbarkeit bleibt auf jeden Fall im Köcher?
Das wird nicht so bald aufgelöst. Das soll uns noch lange erhalten bleiben. Das ist ein bisschen wie im wirklichen Leben. Wir sind deshalb auch auf einen treuen Zuschauerkreis angewiesen. Jede "Nachtschicht" lässt sich einerseits als Film für sich genießen als in sich abgeschlossener Krimi. Unsere treuen Zuschauer haben aber noch ein zusatzlliches Vergnügen, nämlich wie im echten Leben zu wissen: da ist noch was anderes! Im echten Leben Probleme und Geheimnisse auch nicht ständig besprochen, kommen dann aber irgendwann aufs Tablett - irgendwann an einer Stelle, wo es einem gerade überhaupt nicht passt und wo es dann ganz besonders wehtut.
Wann sieht man Sie mal wieder so richtig komisch?
Demnächst. "Betreutes Wohnen" hieß der Arbeitstitel, daraus wurde jetzt "Ein Schnitzel für drei". Eine wunderbare Komödie in der Regie von Manfred Stelzer. Ludger Pistor ist mein Partner. Ein begnadeter Charakter-Komiker. Pistor und ich haben eine merkwürdige WG mit einem Menschen, der anscheinend an Alzheimer erkrankt ist und auffallend viel Geld versteckt hat, ohne es zu wissen. Das Ganze ist eine skurrile, sehr lebendige Geschichte darüber, wie sich die drei durchs Leben schlagen.
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