• Interview Jungtalent Henriette Confurius überzeugt in "Jenseits der Mauer"

      Über 30 Fiktion-Premieren. Februar-Highlights auf einen Blick TV60 – Alexandra Neldel in "Rache der Wanderhure" (Sat 1, 28.2.) Foto anklicken, bei amazon kaufen & tittelbach.tv unterstützen Auf einen Blick: Kinokultfilme & Filmgeschichte im Februar
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      Über 30 Fiktion-Premieren. Februar-Highlights auf einen Blick

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      TV60 – Alexandra Neldel in "Rache der Wanderhure" (Sat 1, 28.2.)

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      Auf einen Blick: Kinokultfilme & Filmgeschichte im Februar

      Eins Festival, 06.10.2011, 13:15 Uhr - Wiederholung
      Bewertung: 5,0 von 6

      "Bei leichteren, fröhlicheren Momenten tue ich mich schwerer als bei emotionalen, traurigeren Momenten". Henriette Confurius (18) ist ein großes Talent.

      Mit 11 Jahren stand Henriette Confurius das erste Mal vor der Kamera, mit 13 bekam sie den Deutschen Fernsehpreis, unter anderem für den Kinofilm "Mein erstes Wunder". Im Januar überzeugte sie in "Die Wölfe" und auch die schwierige Hauptrolle in "Jenseits der Mauer" bewältigt sie ebenso bewundernswert wie die Filmheldin ihr Schicksal. "Henriette ist eines der größten Talente, die wir haben in diesem Alter", sagt Friedemann Fromm.

      Henriette Confurius
      Foto: SWR

      Erste Hauptrolle mit 11: Henriette Confurius in "Mein erstes Wunder"

      Henriette Confurius
      Foto: WDR

      Mit 18: Confurius in "Jenseits der Mauer" mit Hanno Koffler

      Text-Stand: 30.9.2009

      Wie sah Ihre Arbeit mit Friedemann Fromm aus?
      Er hat mir nicht vorgeschrieben, wie ich spielen sollte. Er hat sich angeguckt, was da ist, und gesagt, was er davon hält. So geriet ich nicht unter Druck, es vielleicht nicht hinzukriegen. Ich habe es erst mal so gespielt, wie ich es konnte, und wir haben danach versucht, wenn nötig, auszubessern. Diese Methode fand ich sehr angenehm.

      Rebecca ist ein waches, kluges Mädchen.
      Das muss sie auch sein. Denn ihr Alltag ist geprägt von einem politischen System, das stets eine gewisse Vorsicht verlangt. Es wird deutlich, dass man immer aufpassen muss, was man sagt und was man tut. Rebecca hatte für mich in diesem grauen Kuddelmuddel etwas Ehrliches. Die Situationen, mit denen sie konfrontiert wird, meistert sie nüchtern, sie wirkt erwach-sen in ihren Entscheidungen. Letztendlich kriegt sie alles gut hin. Sie trifft immer die richtige Entscheidung und bleibt trotz allem positiv, sie ist einerseits vorsichtig, aber sie traut sich auch etwas. Ich fand ihr Verhalten manchmal schon fast erschreckend klug und abgeklärt.

      Ist es, um in die richtige emotionale Stimmung zu kommen, wichtiger, sich an die eigenen, ähnlich gelagerten Gefühle zu erinnern und sich in die psychologische Situation hineinzudenken? Oder ist die konkrete historische Situation für Sie wichtiger?
      Ich finde, dass die historische Situation gar nicht so sehr im Vordergrund steht. Es ist ja nicht nur die Geschichte zwischen Ost und West, es ist auch die Geschichte eines 18-jährigen Mädchens, das mit etwas konfrontiert wird, mit dem man auch heute noch konfrontiert werden kann.
      Wenn ich emotionale Momente spielen muss, Trauer oder Freude, dann kommt das bei mir nicht aus einer realen Situation, sondern es kommt ganz aus der Situation des Buches. Ich spiele eine Situation und die Emotion kommt, weil ich mitfühle. Das funktioniert ähnlich wie beim Sehen von Filmen. Ich hole die Emotion auch nicht aus einem anderen Moment, sondern versuche, so weit wie möglich in die Rolle hinein zu gehen und mitzufühlen. Von daher ist es schon wichtig, dass man die Zeit versteht und dass man darüber spricht, wie es zu dieser historischen Situation gekommen ist.

      Fallen Ihnen die alltäglichen oder die dramatischen Szenen schwerer?
      Ich tue mich bei leichteren, fröhlicheren Momenten schwerer als bei emotionalen, traurigeren Momenten.

      Sie haben bisher vor allem Filme mit gehobener Qualität gedreht. Wie wählen Sie Ihre Stoffe aus? Wer berät Sie?
      Ich bekomme natürlich Beratung von meiner Agentur. Ich persönlich probiere gerne etwas aus, unbekannte Genres, erlebe gerne neue Dinge. An historischen Filmen gefällt mir, dass man so eine Art Zeitreise macht und auch etwas lernt über die Welt, die Geschichte, die Menschen. Ich habe Filme gemacht, die mir weniger Spaß gemacht haben, obwohl ich mir dem Drehbuch zufolge viel versprochen habe. Und ich habe umgekehrt Filme gemacht, bei denen ich dachte, das Drehbuch ist in Ordnung und dann war die Arbeit überwältigend.

      Kann man sagen, dass der Förder-Fernsehpreis eine Art Verpflichtung für Sie ist, sich nicht in die niederen TV-Gewässer zu begeben?
      Ich fand es ein schönes Kompliment. Eine Verpflichtung habe ich nicht daraus abgeleitet. Die Schauspielerei ist aber für mich nicht unbedingt das, was ich auf jeden Fall für alle Ewigkeit machen werde. Ich war bis vor kurzem noch Schülerin. Jetzt habe ich mich zwar gerade entschieden, dass ich ein Schauspielstudium machen werde, weil ich gerne noch etwas mehr lerne von dem, was mir so großen Spaß macht. Aber ich will mir die Zeit nehmen, auch andere Dinge kennen zu lernen.

      Was würde Sie denn reizen?
      Andere Bereiche vom Film: Regie, Kameraführung, ich interessiere mich auch für Fotografie. Ich habe auch mal über Architektur nachgedacht oder Innenarchitektur, Design. Ich möchte mich für die Schauspielerei erst endgültig entscheiden, wenn ich auch andere Alternativen kennen gelernt habe.

      Henriette Confurius
      Foto: ZDF

      Henriette Confurius

      mit 17: "Die Wölfe"

      Henriette Confurius
      Foto: NDR

      Confurius mit 19: "Eichmanns Ende" mit Johannes Klaußner

      Sie haben mit 11 Jahren schon angefangen zu drehen. Welche Erfahrungen haben Sie die letzten Jahre mit der Schauspielerei gemacht?
      Viel Konkretes aus den frühen Jahren weiß ich gar nicht mehr. Ich weiß nur, es hat Spaß gemacht. Erst mit der Zeit wurde das Spielen – nebenher zur Schule – so ein bisschen auch Arbeit. Ich habe gemerkt, dass es auch anstrengend sein kann. Als Kind ist man sehr behütet bei Dreharbeiten. Und dann ist es plötzlich nicht mehr so behütet. Und auch das Switchen zwischen Schule und Film war in den letzten Jahren nicht mehr so leicht. Ich bekam zwischenzeitlich auch Zweifel, ob der Beruf das Richtige für mich ist. Aber letztendlich habe ich gemerkt, dass mir die Schauspielerei sehr viel gibt. Ich habe auch viel über mich selbst gelernt.

      Was zum Beispiel?
      Man hat so viele Persönlichkeiten in sich. Man macht manchmal im Leben die Erfahrung, dass man selbstbewusst sein will, aber stattdessen Unsicherheit ausstrahlt. Durch das Spielen anderer Charaktere lernt man seine Gefühle besser kennen. Man kann von sich selber abweichen und bleibt doch man selber. Ich finde es auch faszinierend, dass manchmal beim Spielen Gefühle bei mir hochkommen, von denen ich gar nicht weiß, wo sie herkommen.

      Sie haben vorhin beschrieben, wie Sie sich in Figuren hineinbegeben. Wie ist es auf der optischen Ebene: Wo gucken Sie sich Dinge ab? In Filmen? Im Leben?
      Ich schaue mir schon – meist intuitiv – viel ab bei erfahrenen Schauspielern. Ich gucke gerne, wie sie mit schwierigen Situationen umgehen. Menschen bewusst beobachten – das mache ich nicht. Soweit bin ich noch nicht gegangen. Ich glaube, dass in jeder Rolle, die ich bisher gespielt habe, immer irgendeine Seite von mir drinsteckte. Ich habe noch nie eine Rolle gespielt, in der ich mich nicht mehr erkannt habe.

      Glauben Sie, dass die Schauspielerei Ihren Blick auf den Alltag verändert hat?
      Ich nehme die Welt um mich herum immer noch so wahr, wie ich sie immer schon wahrge-nommen habe. Ich glaube nicht, dass ich auf die Welt anders schaue, weil ich Schauspiel mache. Das hat mehr mit mir persönlich zu tun. Jeder Mensch guckt anders. Ich war schon als Baby ein ganz ruhiges Kind, das immer sehr auffallend viel geguckt hat. Ich guck mir die Welt um mich herum auch heute noch gerne an. Ich finde es auch spannend, mich durch die Filme selbst zu beobachten.

      Das Interview führte Rainer Tittelbach


      Jungtalent Henriette Confurius überzeugt in "Jenseits der Mauer"
      MDR / Interview / Zeitgeschichtliches Drama
      EA: 30.9.2009, 20.15 Uhr (ARD)
      Mit Henriette Confurius, Edgar Selge, Katja Flint, Ulrike Krumbiegel, Herbert Knaupt, Renate Krößner, Veit Dtübner, Hanno Koffler und Franz Dinda
      Drehbuch: Holger Karsten Schmidt
      Regie: Friedemann Fromm
      Kamera: Hanno Lentz
      Produktionsfirma: Ziegler Film
      Quote: 5,83 Mio. Zuschauer (18,8% MA)



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