„Doctor’s Diary“ geht in die nächste Runde. Die acht neuen Folgen sind ebenso gelungen wie die ersten Staffeln der Comedy um eine liebeskranke Ärztin zwischen zwei Männern. Einen von ihnen spielt Kai Schumann. Er, der einige Jahre nur Theater spielte, ist Neuling im komischen Fach. "Ich lese aus Drehbüchern grundsätzlich erst einmal das Ernsthafte heraus", sagt Schumann. Da kann es dann schon mal passieren, dass ihm ein Witz entgeht.
Text-Stand: 3.8.2009
Dr. Kaan hat eher den (melo)dramatischen Part von den Männerrollen?
Er wird auf jeden Fall mit den fetteren Problemen beladen. Insbesondere in den ersten Folgen, die Situation mit Kaans Frau ist schon ziemlich heavy.
Ihre Rolle enthält weniger Übertreibungen, ihre Figur zeigt viel Gefühl und wird weniger zwischen Komik und Tragik hin und her gescheucht.
Das trifft auf den Pilotfilm zu. Aber es kommt noch einiges. Da gibt es schon extrem witzige Situationen auch für Dr. Kaan. Sie sind allerdings schon meist eingebettet in einen dramatischen Hintergrund. Wenn Humor, dann besteht er in der Überforderung mit der Situation. Kaan ist einer, der zu seinen Gefühlen steht, der verantwortungsvoll ist und sich verantwortlich fühlt – das macht ihn verletzlich. Er ist der gute Mensch im Haifischbecken Krankenhaus.
Es gibt den Macho, jetzt gibt es noch den Millionär. Sie dagegen spielen den ehrlichen, nicht neurotischen Romantiker. Ist das nicht im Vergleich etwas langweilig?
Empfinde ich nicht so. Ich kann im Emotionalen auf die Tube drücken. Kaan ist quasi der Antipode zu den beiden durchgeknallten Typen. Ich sehe für mich auch viele lustige Momente, besonders in den Ensembleszenen. In so einer schnellen Dramedy ist man ja nicht nur ein Charakter, die Interaktion mit den anderen bindet jede Figur in die Tonlagen der anderen ein.
Wie würden Sie Ihre Rolle im Rahmen der Serien-Dramaturgie beschreiben?
Das Konzept von Bora Dagtekin besteht in permanenter Brechung. Man hat auf der einen Seite durchgeknallte Figuren und einen sehr extremen Witz, auf der anderen Seite findet man aber auch romantische und dramatische Momente mit großer Emotion. Meine Rolle ist sicher für Letzteres zuständig.
War Dramedy zu spielen für Sie eine Umstellung zu Langfilm und Theater?
Sicher ist es anders. Ich glaube, man sagt nicht zu Unrecht, dass es sich bei der Komödie um die „Königsdisziplin“ handelt. Ich bin ja noch nicht so lange im Fernsehgeschäft und diese Dramedy ist ein Genre, wo ich sicher noch vieles lernen kann.
Können Sie ein Beispiel geben?
Die Regisseurin sagte mir, dass ich einen sehr ausdrucksstarken Blick habe. Ich dürfe deshalb mein Gegenüber nicht zu lange anschauen, sonst wirke das dramatisch und bekomme zu viel Bedeutung. Ich bin ein Mensch, der das im Leben tut, und im Theater spielen die Augen allenfalls für die erste Reihe eine Rolle.
Worin liegt der Reiz an diesem Genre?
Mir gefällt besonders dieses Wechselspiel der Tonlagen. Bei Kaan beginnen solche Szenen oft hochdramatisch, werden dann aber komisch aufgelöst. Grundsätzlich bin ich ein Mensch, der aus Drehbüchern vornehmlich das Ernsthafte herausliest und der sich zwischenmenschlichen Themen auch im Leben mit einem gewissen Ernst nähert. Es gab Szenen, da musste mich Bora Dagtekin darüber aufklären, dass sie komisch gemeint waren. Es ist reizvoll, das zu entdecken und das ernst Empfundene plötzlich humorvoll zu spielen. Umgekehrt kann es besonders effektiv sein, wenn meine Figur im Gegensatz zu meinem Gegenüber diese vermeintliche Witzsituation ernst nimmt: das ist mitunter für die Gesamtsituation wirkungsvoller, als wenn ich es witzig spiele.
Wie kam es, dass Sie auf dem Weg vom Theater zum Fernsehen im Unterhaltungsfach gelandet sind?
Das hat man nur bedingt in der Hand. Ich würde mir schon wünschen, mal ein richtiges Drama oder in einem politischen Film zu spielen. Das kann man aber als Schauspieler nicht erzwingen. Man kann nur die Auswahl seiner Filme bewusst treffen.
Seit letztem Jahr sind Sie Gerichtsmediziner im Leipziger „Tatort“.
Und ich werde es längerfristig bleiben. Es war ein Geschenk. Da gab es nichts zu überlegen. Das war auch nicht geplant. Es ist eine Riesenehre in so einem Projekt dabei zu sein.
Vielleicht spielen Sie ja bald bei den „Tatort“-Regisseuren Johannes Fabrick oder Thorsten C. Fischer in einem schönen Drama mit? Dann hätte sich die Minirolle doppelt gelohnt.
Das wäre toll. So strategisch denke ich aber nicht. Außerdem ist die Rolle ja sehr klein, ich hatte zuletzt nur einen Drehtag.
Hatten Sie als Sie mit kleineren Rollen anfingen, manchmal nicht das Gefühl, ich werde nur besetzt, weil ich gut aussehe – so quasi als attraktives Accessoire?
Ich finde das jetzt für die großen Rollen spürbarer. Es geht dabei aber weniger um Aussehen, als vielmehr Ausstrahlung. Ich habe offenbar eine gewisse Wirkung, die besonders im – ich nenne es mal – Love-Story-Genre gesucht wird. Gutes Aussehen ist in der Künstlerszene bekanntlich oft auch ein Fluch. Mir wurde schon auf der Schauspielschule Eitelkeit unterstellt. Meine Freunde könnten bestätigen, dass ich kein bisschen eitel bin. Ich habe heute manchmal noch das Gefühl, ich müsste immer erst mal beweisen, dass ich nicht nur gut aussehe.
Apropos Liebe – wie sieht es mit Pilcher und Lindström aus?
Habe ich noch nicht gemacht. Ich werde jetzt aber einen Utta-Danella-Film drehen. Man sollte diese Filme nicht grundsätzlich verdammen. Hollywood macht sie – und macht sie oft ganz toll. Man muss den konkreten Film sehen. In diesem Fall ist meine Partnerin Mira Bartuschek, immerhin schon einmal eine gute Schauspielerin. Im Übrigen sollte man nicht vergessen, dass man als freier Schauspieler mit Familie, auch immer im Zwiespalt zwischen Anspruch und Geldverdienen müssen steckt.
Ein Wort zu Ihrer neuen Serie „Klimawechsel“.
Ich spiele einen sächsisch sprechenden Yoga-Lehrer, einen Jäger unter den Männern. Es ist eine Nebenrolle – aber ich bin mehr als das „attraktive Accessoire“. Ich bin vielmehr das männliche Übel. Meine direkte Partnerin war Andrea Sawatzki.
Finden Sie es nicht manchmal ganz schön ungerecht, dass es in den Fernsehgeschichten fast immer nur um die Frauen geht?
Was heißt ungerecht. Liebe ist nun mal das ganz große Thema – auch im Fernsehen. Es ist DAS Unterhaltungsthema. Auch im Theater. Auch „Doctor’s Diary“ hat als Hauptthema Liebe.
Aber man könnte doch Liebe auch stärker aus der Perspektive des Mannes erzählen?
Stimmt, das könnte man wohl... Dafür ist das am Theater meist ganz anders. Da steht tendenziell immer der Mann im Zentrum.
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