Katja Flint gab vor zwei Jahren ihr Debüt als Franziska Luginsland. Weil Qualität, Kritiken und Quote stimmten, drehte das ZDF zwei weitere jener „poetischen Krimis“. Über diese seltsame Figur, ihre Beziehung zum Zeitgeist und über Flints Funktion als Ideengeber für ihre Rollen und über ihren Imagewechsel äußert sich die Schauspielerin im Interview.
Foto: ZDF / Erika HauriEin neuer "Auftrag" für Franziska (Katja Flint): Sie soll den Tod einer einsamen Frau auf Männersuche für deren Mutter (Heidy Forster) aufklären. August Schmölzer
Text-Stand: 13.11.2006
Was ist das Spannende an dieser Franziska?
Ich finde es schön, dass es keine Profidetektivin ist und sie eher zufällig in die Kriminalgeschichten hineingerät. „Franziskas Gespür für Männer“ beginnt damit, dass sie mal wieder auf der Suche nach einer neuen Beziehung ist. Sie geht einem Mann nach, träumt von der Liebe, ein Leichenwagen kreuzt ihren Weg und schon ist die Liebe vergessen.
Was für ein Genre darf der Zuschauer erwarten?
Es sind ernsthafte, spannende Krimigeschichten. Das Ganze hat aber auch eine gehörige Portion Humor und Herz und steckt voller Poesie. Über „21 Liebesbriefe“ schrieb ein Kritiker, Franziska sei „eine junge Miss Marple in der fabelhaften Welt der Amélie“.
„21 Liebesbriefe“ war aber noch märchenhafter.
Im zweiten Film ist die Kriminalgeschichte noch etwas stimmiger erzählt. Die Achterbahnfahrt zwischen Humor und den berührenden Momenten ist Nina Grosse noch besser gelungen. Die Übergänge zwischen den Tonlagen sind fließender. Jetzt hat man auch das Schwester/Bruder-Verhältnis und die Gemeinschaft in der Kneipe, in der sie arbeitet, klarer vor Augen. Das Ganze bekommt etwas Vertrautes.
Foto: ZDF / Erika HauriNoch geht alles ziemlich zivilisiert zu beim exklusiven Speed-Dating. Flint und Waltz
Inwieweit ist Franziska ein Sprachrohr der Gefühle und Ängste der modernen Single-Frau?
Sicher, sie ist Single und sehnsüchtig auf der Suche nach der großen Liebe, allerdings ist sie in der Lage, mit sich selbst ganz zufrieden zu leben. Insofern unterscheidet sie sich von den anderen sehr verzweifelt Suchenden. Sie sagt sogar: „das Warten gefällt mir eigentlich ganz gut, ich warte immer auf irgendwas.“ Sie ist nicht so verzweifelt, dass sie den Leichenwagen stehen lassen würde für den Mann.
Ist Franziska dem Helfersyndrom verfallen oder zeigt sich in ihrer Anteilnahme nicht vielmehr die Lust, sich das Leben der anderen einzuverleiben?!
Ihr Bruder sagt das ja auch: „Du hast kein eigenes Leben, ständig mischst du dich in das Leben der anderen ein.“ Vielleicht lenkt sie das tatsächlich ab und tröstet sie darüber hinweg, dass sie in ihrem Alter noch kein eigenes Leben zustande gebracht hat.
Was unterscheidet Franziska von den Frauenfiguren à la Bridget Jones oder denen, die Ildiko von Kürthy in ihren Bestsellern beschreibt?
Sie hat eine gesunde Naivität. Es ist fast liebenswert, dass sie keine Selbstzweifel hat. In der Situation, in der sie sich befindet, würde man denken, dass sie öfters in Depressionen verfallen müsste. Es ist schon sympathisch, wie sie so frohen Mutes durch die Landschaft läuft. Das hat etwas Kindliches.
Foto: ZDF / Erika HauriHat Franziska Luginsland ihr Gespür für Männer verlassen? Katja Flint und Waltz
In den Medien werden Sie noch immer gerne als „deutsche Sharon Stone“ oder „eine der erotischsten deutschen Schauspielerinnen“ gefeiert. Wie kam es eigentlich zu diesem Image?
Einige Journalisten vergleichen nun mal gern mit amerikanischen Stars. Ich finde das eher etwas einfältig und phantasielos. Aber das hat sich einigermaßen gelegt in den letzten Jahren. Das Image heftete man mir nach „Die Sieger“ an. Der Film kam zwei Jahre nach „Basic Instinct“, deshalb wohl der Vergleich mit Sharon Stone. Und die Bezeichnung „eine der erotischsten deutschen Schauspielerinnen“ ist ja nicht das Schlechteste. So ein Image setzt sich fest und wird dann immer wieder abgeschrieben.
Obwohl Sie ja zuletzt ganz andere Rollen gespielt haben.
Sie sagen es. In den letzten Jahren habe ich sehr darauf geachtet, dass ich nach „Marlene“ ein bisschen wegkomme von dem Glamour-Image.
Sind die Rollen ab 40 interessanter?
Ich weiß nicht, ob man das verallgemeinern kann. Die Frauen, die ich zuletzt gespielt habe, das waren zumindest alles Frauen, die ein gewisses Alter erreicht und so ihre Erfahrungen gemacht haben. In den Rollen steckte Substanz und es gab eine Menge zu spielen.
Ich habe gelesen, dass Sie bei Drehbüchern gelegentlich eigene Ideen einbringen.
Das stimmt. Für „Wie krieg ich meine Mutter groß?“ und „Väter, Mütter, Kinder“ habe ich die Figur der Ginger erfunden, eine Mutter, die nur nach Lust und Laune lebt. Ich habe dazu eine Art Exposé geschrieben. Bei der Franziska Luginsland war das ganz anders. Geschrieben habe ich da gar nichts, aber ich habe mir die Eckdaten meiner Figur überlegt: eine etwas andere Detektivfigur, die aus dem etwas anderen München kommt.
Foto: NDREin großer Wurf im leichten (?) Fach: Flint in "Wie krieg ich meine Mutter groß?"
Zur Person:
Katja Flint, am 11. November 1960 geboren in Stadthagen, wuchs in den USA auf. Ihr in der Branche viel beachtetes Filmdebüt gab sie 1983 in „Kolp“, der Durchbruch gelang ihr aber erst in den 90er Jahren mit TV-Thrillern wie „Der Venusmörder“ oder „Annas Fluch“. Auffallend viele ihrer Filme wie „Die Sieger“, „Straight Shooter“ oder „Marlene“ floppten, sie aber blieb in Erinnerung und vollzog in den letzten Jahren einen Wechsel ins Charakterfach. Mindestens so viel Aufsehen wie ihre Filme machten auch ihre Beziehungen mit Heiner Lauterbach, Bernd Eichinger und Peter Handke.
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