Die Überraschungsserie geht mit Drama und Wahnwitz in die nächste Runde. Die neuen Folgen sind ebenso gelungen wie die ersten beiden Staffeln der Dramedy um eine liebeskranke Ärztin mit Bridget-Jones-Syndrom. Diana Amft hatte noch vor den Dreharbeiten der 2. Staffel bei amerikanischen Sandup-Comedians ihr komisches Handwerk perfektioniert.
Text-Stand: 3.8.2009
Was ist für Sie das Tolle an „Doctor’s Diary“?
Ganz klar, die tollen Drehbücher und die tollen Kollegen, mit denen ich zusammenarbeiten darf. Ich bin ein großer Fan dieser sehr speziellen Komik von Bora Dagtekin. Es ist auch in der zweiten Staffel wieder alles drin: krasse dramatische Situationen, aber auch absurde, wahnwitzige Momente.
Sie haben lange Zeit Komödienrollen ohne doppelten Boden gespielt. Haben Sie die Serie schon vor dem Erfolg als Chance für Sie gesehen?
Mir sind die Drehbücher zur ersten Staffel schon extrem positiv aufgefallen: diese Art des Humors, diese Doppelbödigkeit der Situationen, diese Anschaulichkeit der Charaktere. Beim Drehen kam dann die Spielfreude im Team hinzu. Da habe ich natürlich schon auch gehofft, dass die Zuschauer an der Serie so viel Spaß haben wie wir.
Sie haben nicht vielleicht Gretchen-Haase-like gezweifelt, ob Sie es packen?
Ich konnte die Figur schnell begreifen und die Motive für ihr Handeln verstehen. Ich fand sie rundum sympathisch und es hat Spaß gemacht, sie zum Leben zu erwecken.
Ist dieses Switchen zwischen den Tonlagen wie in "Doctor's Diary" schwieriger oder das sich doof stellen müssen in deutschen Teenie-Komödien?
Es ist bei Komödien schon spannender, mit Brüchen zu arbeiten, aber ich denke, man kann auch einen naiven Charakter interessant verkörpern. Im Übrigen fällt es mir schwer, eine Rolle wie die in „Mädchen, Mädchen“, die fast zehn Jahre zurück liegt, mit „Doctor’s Diary“ zu vergleichen. Jetzt spiele ich eine erwachsene Frau, die sich nicht ständig fragt: „Soll ich den Typ jetzt küssen oder trau ich mich nicht?!“.
Ich habe gelesen, Sie hätten in einer amerikanischen Impro-Talentschmiede ihr Comedy-Handwerk verfeinert…
Richtig, das war zwischen der ersten und der zweiten Staffel. Da habe ich einiges zum Thema Timing dazugelernt. Wir hatten großartige Gastdozenten, z.B. Will Farrell. Bei dieser Truppe in L.A. haben auch viele Standup-Comedians ihr Handwerk gelernt.
Haben Sie Vorbilder oder Schauspieler, an denen Sie sich orientieren?
Nein. Ich finde es wichtig, dass man den zu verkörpernden Charakter so gut wie möglich mit seiner eigenen Persönlichkeit belegt und ihm damit etwas Unverkennbares gibt. Kopieren wäre da kontraproduktiv. Ich denke, jeder Schauspieler spielt eine Rolle anders.
Foto: RTLDiana Amft.
Ich will keine Schokolade...
Foto: RTL... ich will lieber einen Mann! Kai Schumann, Amft, Florian David Fitz
Haben Sie auch eigene Erfahrungen in die Rolle gelegt?
Man lässt ja immer ein bisschen aus der eigenen Erfahrung einfließen. Aber im eigenen Leben wendet man die Dinge oft anders an. Und umgekehrt: wenn Gretchen aus einem mir unverständlichen Grund verzweifelt, suche ich mir eben aus meinem Leben einen anderen Grund zur Verzweiflung, um mich in diese Emotion hineinzuversetzen.
„Glaubwürdigkeit“ und „Ehrlichkeit“ sind sicher zwei Bestandteile des Erfolgs der Serie. Sind das Begriffe, die auch für Sie als Schauspieler von Belang sind?
Natürlich, gerade bei Dramedy ist Authentizität ganz wichtig. Man muss sich vorsichtig rantasten. Um etwas glaubwürdig und lustig zu spielen, muss es grundehrlich sein, sonst kann man nicht drüber lachen – oder aus dem Mitlachen wird ein Auslachen.
Wo treffen sich eigentlich Gretchen Haase und Diana Amft?
Ich kann sie verstehen und doch ist sie anders. Wir haben beide eine relativ positive Lebens-einstellung. Wir lassen uns nicht so leicht unterkriegen, sind nicht voreingenommen und wir lassen uns nicht geißeln vom zwanghaften Streben nach Perfektion. Was ich nicht habe, ist dieses Chaotische, dafür bin ich manchmal etwas zu vertrauensselig und spontan, was mich dann auch in Fettnäpfchensituationen bringen kann.
Wo gibt es keine Berührungspunkte?
Ich mag keine Schokolade.
Ihre Figur versteht es, das Leben mit viel Selbstironie zu meistern. Können Sie auch über sich selbst lachen?
Ja, schon. Ich finde es wichtig, dass man sich nicht immer so tierisch ernst nimmt und dass man sein Tun mal scherzhaft hinterfragt. Das erleichtert das Leben ungemein. Ich bin gern mit Menschen zusammen, die sich auf derselben Humorebene treffen.
Erinnern Sie sich an eine Szene aus der zweiten Staffel, die besonders schwierig war?
Es gibt eine Szene, in der Florian David Fitz und ich durch einen Schneesturm gehen. Dafür sind wir von Windmaschinen mit Seifenschaum beballert worden. Das sah alles furchtbar realistisch aus, war aber ziemlich eklig. Am Ende mussten wir uns küssen. Es war der reinste Seifenkuss. Die Szene mussten wir einige Male wiederholen. Da hieß es: keinen Lachkrampf kriegen und trotz Schaum vor dem Mund lustvoll küssen.
Sie sind nicht der gertenschlanke Modell-Typ. Haben Sie das im Laufe Ihrer Karriere schon zu spüren bekommen?
Nein, es gibt ja viele Rollen, die ich schlanker gespielt habe. Für Gretchen Haase habe ich einige Kilo zugenommen. Für mich ist es wichtig, dass ich mich bei jeder Rolle in meiner Haut wohl fühle. Als Gretchen brauchte ich einfach ein paar Pfunde mehr – das gibt ihr Wärme und Ausstrahlung.
Was halten Sie von „Germany’s Next Top Model“ und der „Ideologie“ dahinter?
Die Faszination kann ich schon verstehen, aber ich finde es ziemlich gefährlich, wenn dem Einzelnen von außen ein Schönheitsideal aufgezwungen wird – sprich: wenn sich jemand schlank und wohl fühlt, ihm aber weisgemacht wird, er sei zu dick. Ich finde, man sollte sich den eigenen Geschmack, das eigene ästhetische Empfinden nicht von außen aufoktroyieren lassen, man sollte sich frei machen von Zwängen und Normen. Das Idealgewicht ist individuell und hat viel mit der eigenen Persönlichkeit zu tun.
Was ist das für ein Gefühl in einer Serie zu spielen, bei der man jeden Tag vor der Kamera steht, in der man die Fäden in der Hand hält, in der man vorgibt, ob geweint oder gelacht werden darf? Ist das mehr Rausch oder mehr harte Arbeit?
Das ist mit Sicherheit mehr harte Arbeit. Mit Spaß allein lassen sich keine viermonatige Dreharbeiten bewältigen. Das Ziehen an einem Strang, Teamarbeit, wie sie unsere Serie benötigt, setzt aber auch immer wieder unglaubliche Energien frei. Um nur Rauschmomente zu erleben, ist die Arbeit zu anstrengend. Außerdem herrscht bei uns immer ein Gefühl von Ensemble vor. Die Szenen sind auch schon so geschrieben.