Katrin Saß (52) war ein Defa-Star und nach der Wende ein Niemand. In den 90er Jahren war sie „Polizeiruf“-Kommissarin – wegen Alkoholproblemen musste sie die Dienstmarke abgeben. Sie überstand ihre Krise und legte mit „Good Bye, Lenin“ ein großes Comeback hin. In „Liebe verlernt man nicht“ versucht sich die Schauspielerin nun im leichteren Fach.
Frau Saß, ich hätte nicht erwartet, Sie einmal in einem Degeto-Film zu sehen.
Ich auch nicht. Ich hatte vorher noch nie ein Angebot in diese Richtung. Bei diesem Projekt dachte ich zunächst, dass ich da gar nicht reinpassen würde. Ich bin nicht die, die immer nur fesch lächelt. Aber ich fand die Rolle und auch das Drehbuch insgesamt sehr reizvoll.
Was hat Ihnen an Ihrer Figur besonders gefallen?
Diese Aufopferungsarie zu Beginn ist mir persönlich zwar fremd, aber das zu spielen und in der Rolle die Liebe wieder zu entdecken und dann auch noch zu so einem attraktiven jungen Mann, das machte schon Spaß – vor allem, weil es glaubwürdig war.
Wo geht der Film über einen herkömmlichen Wohlfühlfilm hinaus?
Man kann „Liebe verlernt man nicht“ als ein unterhaltendes Plädoyer für mehr Toleranz verstehen. Es ist ein Film, der dezent Normen hinterfragt. Besonders gefallen hat mir das offene Ende. Es wird nicht gezeigt, dass diese Liebe von vornherein ausweglos ist. Ob die Beziehung funktioniert ist eine andere Frage. Das kann jeder Zuschauer für sich selbst entscheiden.
Ist die Beziehung zwischen einem jungen Mann und einer älteren Frau heute überhaupt noch ein Reizthema?
Die Gesellschaft gibt sich heute zwar sehr liberal, aber was hinter den Gardinen gedacht wird, das weiß keiner. Ich glaube, außerhalb der Großstädte ist es mit der Toleranz nicht immer so weit her.
Sie sind nicht der Typ für die Unterhaltungsschiene. Waren Sie nicht überrascht, dass man Sie gefragt hat?
Nein, da kommen ganz andere Sachen, Projekte, die man nur ablehnen kann. Ich muss dazu sagen: Ich kann es mir nicht so locker leisten, mal eben eine Hauptrolle abzulehnen. Ich bin Schauspielerin – und damit verdiene ich meine Brötchen. Es gibt Filme, bei denen du dir sagt: das ist spielbar, das machst du fürs Portemonnaie. Bei „Liebe verlernt man nicht“ war das aber anders. Da stimmte einfach das ganze Drumherum. Bettina Woernle ist eine so tolle Frau, völlig uneitel und nie beleidigt, selbst wenn ich mal an ihren Texten rumgemäkelt habe.
Stimmt es eigentlich, dass Sie sich nicht vorbereiten auf Ihre Rollen?
Ich mache das auf meine Art. Ich recherchiere nicht, ich lese bei einem historischen Stoff keine Bücher. Natürlich lerne ich meinen Text, freunde mich mit meiner Rolle an, aber so richtig in die Figur komme ich erst, wenn mir mein Partner gegenübersteht. Beim Schauspielen geht es um Gefühle. Diese Gefühle aber kann man nicht üben. Sie entstehen beim Spielen und so richtig erst dann, wenn die Kamera läuft.
Vor zehn Jahren hatten Sie eine schwere Krise. Haben Sie eine (Über-)Lebensmaxime entwickelt?
Wenn man unten ist, kann man nur sehr schwer sagen: „Da musst du jetzt durch – und irgendwann wirst du wissen, wofür das gut war.“ Das konnte ich erst sagen, als ich alles überstanden hatte. Die Erkenntnis, die ich aus meiner Krise gezogen habe: Ich glaube, dass es keine Zufälle gibt und dass das Meis-te im Leben vorherbestimmt ist.
Wie haben Sie es eigentlich geschafft, vom Alkohol loszukommen?
Ich habe einen Tag keinen Alkohol getrunken, weil ich eine Rolle hatte. Und da bin ich einfach umgefallen und im Krankenhaus wieder wach geworden, vor mir ein Mann im weißen Kittel mit der Frage: „Wollen Sie leben oder weiter trinken?“ Das war die Schlüsselszene. Da habe ich dann zum ersten Mal zugeben können, dass ich alkoholkrank bin. Und danach ging es durchs Tal der Tränen...