Sommer 1969. Die Amerikaner landen auf dem Mond, Ingenieur Anton Brunner auf einer Hallig. Dort verliebt er sich in eine verheiratete Frau mit zwei Kindern (Aglaia Szyszkowitz). Klaus J. Behrendt kommt nach 12 Jahren "Tatort" mal ganz auf die gefühlvolle Art.
Foto: Degeto / Marion v. d. MehdenBringt der Ingenieur wirklich nur Unheil für die Hallig? Behrendt und Szyszkowitz
„Fünf Tage Vollmond“ bekennt sich offen zum Melodram…
Wir haben aber mit aller Kraft versucht, die Geigen – sprich: den Kitsch – rauszukriegen. Und ich denke mal, es hat funktioniert.
Was hat Sie gereizt an dieser Liebesgeschichte?
Dass sie 1969 spielt, in einem Jahr, das beziehungstechnisch nicht mit der heutigen Zeit vergleichbar ist. Es wurden damals nicht zwei Drittel aller Ehen geschieden. Ich erinnere mich noch, wie mir meine Mutter sagte, „die Frau da drüben ist geschieden“, so als ob sie mit einem Kainsmal auf der Stirne rumlaufen würde.
Ist das Verhalten Ihrer Figur da nicht unrealistisch für diese Zeit?
Natürlich ist es ein Unding, wie dieser Mann versucht, eine ‚gutbürgerliche’ Ehefrau aus ihrem Kosmos herauszureißen. Auch wenn er vorgibt, ein tolles Leben zu führen - im Endeffekt ist er eine ganz arme Wurst. Er ist der sprichwörtliche einsame Wolf, überall allein, zuvor in Afrika und jetzt auf der Hallig.
Apropos Hallig – ein ungewöhnlicher Schausplatz!
Aber ein sehr effektiver. Ich halte „Fünf Tage Vollmond“ für einen gelungenen Versuch, einen modernen Heimatfilm zu machen. Wir haben ein schönes Land. Warum es nicht auch zeigen?! Da „Heimat“ im deutschen Fernsehen meist Süddeutschland bedeutet, hat mir der Ausflug in den Norden besonders gut gefallen. Hinzu kommt das Motiv Hallig. So ein Eiland, das hat schon was Faszinierendes.
Wie hat sich das auf die Dreharbeiten ausgewirkt?
Man kommt vom Drehen und ist fix und fertig. Es kommt einem vor, als habe man den ganzen Tag Steine geschleppt. Der Wind macht einen völlig kaputt. Man fällt abends ins Bett und schläft wie ein Stein.
Sonst Ihr Eindruck von Langeneß?
Es ist schön ruhig. Langeneß hat 26 Einwohner. Ideal zum Urlaubmachen. Dort zu leben, das kann ich mir allerdings nicht vorstellen.
Foto: Degeto / Marion v. d. MehdenDem Ingenieur ist nicht zu schwör – allerdings diese Dörfler nerven schon gehörig!
Hat es Sie nicht abgeschreckt, dass der Film am Freitag in der ARD läuft, also ein so genannter Degeto-Film ist?
Natürlich wird auf diesem Sendeplatz vor allem das Herzeleid bedient. Dennoch sollte man die Degeto-Filme nicht von vornherein als Schmonzetten abtun. Man kann um den Schnulzen-Faktor herumkommen, wie unser Film beweist.
Was unterscheidet den Film von Pilcher, Lindström & Co?
Ich glaube, er ist ein bisschen realistischer. Da haben sich zwei Menschen ineinander verguckt, doch die Realität sagt: „es geht nicht!“ Wir zeigen, wie einer Frau, in deren Welt ein Mann einbricht, bewusst wird, was sie an ihrem Leben hat. Sie hat ihr kleines Glück bereits gefunden. Wie es dagegen meiner Figur in den kommenden 40 Jahren ergangen sein mag – darüber möchte ich lieber nicht nachdenken.
Der Film lebt von den Bildern der norddeutschen Landschaft, arbeitet sehr schön mit den Stimmungen der Natur. Merkt man so etwas bereits beim Drehen?
Ich wusste natürlich, indem ich mich vorher mit dem Regisseur und dem Kameramann über das Projekt verständigt habe, wohin die Reise geht. Ich wusste, dass das Jahr 1969 auch in die Bildqualität eingehen sollte und dass das kein Film für die MTV-Generation werden würde. Es dauert 60 Minuten, bis sich die beiden haben…
…der Westfale und die Österreicherin!
Die Herkunft der beiden Protagonisten wurde bewusst an unsere Biografien angeglichen. Aglaia (Szyszkowitz) hat ihren Dialekt, ich meinen. Zu behaupten, meine Figur sei in Hamburg geboren, das wäre eine Farce gewesen.
Ein Wort zum „Tatort“: Wird die Marke nicht entwertet durch die vielen Kommissare und die Inflation der Wiederholungen?
Das glaube ich nicht. Die vielen Millionen Zuschauer beweisen, dass sie nach wie vor Lust auf „Tatort“ haben. Außerdem haben alle „Tatorte“ ein eigenes Gesicht, eine eigene Erzählweise. Wir Kölner nehmen es sportlich. Für uns ist es wie eine kleine Krimi-Bundesliga. Natürlich fragen wir uns immer, wo wir stehen. Bisher landen wir „jede Saison“ im oberen Viertel. Also gibt es wenig zu meckern.
Ist das Verhältnis zwischen den Kölnern und Münsteranern so ähnlich wie zwischen Dortmund und Schalke?
Um Gottes Willen, nein! Liefers und Prahl bedienen ja eher die humorige Ebene und bei uns sind es oft sozialkritische Fälle, die die Tonlage bestimmen. Beides hat seine Berechtigung, beides wird gern gesehen. Und wir gönnen uns gegenseitig den Erfolg.
Sehen Sie nicht die Gefahr, dass die Überpräsenz der Krimi-Reihen wie „Tatort“ es den anspruchsvollen Einzelstücken schwerer macht?
Ich glaube nicht, dass der Fernsehfilm verdrängt wird. Selbst im Zuge der Finanzkrise hoffe ich, dass ARD und ZDF so weitsichtig sind und nach wie vor Fernsehfilme produzieren, und nicht auf Kochshows oder preiswertes Reality TV umschwenken. Darin liegt einfach die Kompetenz hierzulande. Wir haben tolle Regisseure und Kameraleute, wir haben gute Schauspieler, gute Techniker und auch verdammt gute Autoren.
Foto: Degeto / Marion v. d. MehdenHallig-Idyll: so schön kann Melodram sein. Klaus J. Behrendt & Aglaia Szyszkowitz
Der „Tatort“ nimmt sich oft Reizthemen an. Auch in vielen Ihrer Filme, „Einfache Leute“, „Mein Vater“, geht es um etwas. Wie wichtig sind Ihnen soziale Themen?
Wenn man als Schauspieler die Möglichkeit hat, Geschichten zu erzählen, die polarisieren und zu Diskussionen anregen, das ist schon etwas Wunderbares und für mich ein wesentlicher Bestandteil von gutem Fernsehen.
Glauben Sie, dass man als populärer Schauspieler andere Möglichkeiten hat, um die Menschen anzusprechen?
Das weiß ich nicht. Mein Anliegen ist es eigentlich, dass die Leute bei einem Fernsehfilm mit mir maximal fünf Minuten meine „Tatort“-Figur Max Ballauf im Kopf haben.
Zur Person:
Klaus J. Behrendt, 1960 in Hamm geboren, absolvierte eine Lehre als Bergmechaniker, bevor er zur Schauspielerei wechselte. Für den WDR-„Tatort“ ermittelte sein Max Ballauf zunächst an der Seite von Martin Lüttge. 1997 wurde die Figur erfolgreich reanimiert. Behrendt war außerdem zu sehen in ambitionierten TV-Dramen wie „Das Wunder von Lengede“ oder „Guter Junge“ und in der Serie „Das Kanzleramt“.