collina Filmproduktion präsentiert einen Film von Max Färberböck & Ulrich Limmer
Zieglerfilm präsentiert die Ausnahme-Serie vorab auf DVD
Lügt ihre Figur? Sagt sie die Wahrheit? "Der Verdacht" ist ein doppelbödiger Afrika-Thriller, der auch ein Beziehungsfilm ist. "Ich hatte beim Gucken das Gefühl, dass alle verdächtig sind, alle schleppen etwas mit sich herum, das merkwürdig ist", sagt Christiane Paul. "Dadurch, dass alle Charaktere etwas Gebrochenes haben, bekommt die Geschichte dieses Flirrende, Uneindeutige. Da spielt sicherlich der Schauplatz Afrika auch eine Rolle, die Atmosphäre, die Landschaft und Matti Geschonnecks Absicht, Weite mit Enge zu kombinieren."
Foto: ZDF / Sandra HoeverGleich kommt die Polizei und wird Maja (Christiane Paul) zur Vernehmung holen.
Wenn man Ihre Figur so sieht, in Afrika, wirkt sie verloren. Sie hat aber auch eine andere Seite?
Sicher, es ist eigentlich eine Frau, die im Leben steht und weiß, was sie will. Sie ist sehr kraftvoll, was ihrem Mann zu schaffen macht. Sie ist durchaus liebevoll, aber eben sehr stringent. Sie hat sicher auch Sehnsüchte, aber sie hat den Punkt in ihrer Beziehung verpasst hat, an dem sie diese Sehnsüchte mit ihrem Mann leben kann.
Von dieser anderen Seite sehen wir zunächst nicht so viel.
Das finde ich gerade das Spannende. Der Zuschauer bekommt nur einen Teil von Maja mit. Er springt direkt in die Geschichte hinein, sieht eine Frau unter Druck, in einem Land, in dem sie sich fremd fühlt. Auch die Abgründe dieser Figur sind tiefer, als man anfangs annehmen mag und sie weiß offenbar auch mehr, als sie preisgibt.
„Der Verdacht“ ist also neben dem Thriller auch eine Beziehungsgeschichte?
Auf jeden Fall. Es ist ja auch die Spezialität von Matti Geschonneck, eingebunden in eine Krimi- oder Thrillerhandlung, Schicksale oder Beziehungsmomente zu erzählen. Auch wenn meine Figur sehr situativ und ausschnitthaft zum Leben erweckt wird, so ergibt sich am Ende doch ein stimmiges Psychogramm dieser Figur.
Welche Anforderungen stellte die Rückblenden-Erzählung?
Bei der Rückblenden-Technik stellte sich für mich die Frage, wie viel gebe ich in den Verhörsituationen in der Jetztzeit preis. Spiele ich dem Zuschauer den Ball zu und verrate, dass Maja mehr weiß, und spiele der Botschaftsangestellten etwas vor? Oder mache ich das nicht. Wir haben uns entschieden, die Doppelbödigkeit nicht zu zeigen.
Solche Lügen werden vom Zuschauer oft bestraft. Haben Sie keine Bedenken?
Maja erzählt ja im Grunde genommen keine Lügen. Sie lässt nur einige Tatsachen und Bewertungen weg. Deshalb wird das mit der Rückblende hoffentlich aufgehen.
Foto: ZDF / Sandra HoeverGerade hat Maja den ausgebrannten Wagen ihres Mannes gesehen. Christiane Paul
Viele Auflösungsvarianten gibt es nicht. Man ist aber auch nicht die ganze Zeit damit beschäftigt, die möglichen Varianten durchzuspielen und den Film zu enträtseln. Es stellt sich vielmehr so ein flirrender Schwebezustand beim Schauen ein.
Das finde ich auch. Ich hatte beim Gucken das Gefühl, dass alle verdächtig sind. Alle schleppen etwas mit sich herum, das merkwürdig ist. Der Kommissar, die Botschaftsangestellte, der Ex-Freund, der Kompagnon des Ehemanns… Dadurch, dass alle Charaktere etwas Gebrochenes haben, bekommt die Geschichte dieses Flirrende, Uneindeutige. Da spielt sicherlich der Schauplatz Afrika auch eine Rolle, die Atmosphäre, die Landschaft und Matti Geschonnecks Absicht, Weite mit Enge zu kombinieren.
Beim Pressegespräch wurden Stimmen laut, die meinten, diese Uneindeutigkeit und das zu geringe Sympathiepotenzial der Figuren könne dem Erfolg des Films abträglich sein. Was sagen Sie dazu?
Wenn jemand sagt, die Figur ist uninteressant, dann kann ich damit mehr anfangen. Der Vorwurf, eine Figur sei „unsympathisch“ oder „schwer zugänglich“, sagt mir wenig in Hinblick auf die Bewertung eines Films. Dramaturgisch gesehen finde ich solche Eigenschaften erst einmal spannend. Wir wollen ja Geschichten erzählen und keine Gefühlszustände verkaufen. Und in unserem konkreten Fall geht es nun mal um die Notlage einer Figur. Bei romantischen Komödien ist es etwas anderes, da muss es zünden zwischen den Figuren und den Zuschauern, da ist „Sympathie“ ganz wichtig.
Wie hat sich Afrika als Drehort auf Ihr Spiel, die Rollenfindung, ausgewirkt?
Ich habe die Landschaft auf mich wirken lassen, ich habe sie genutzt für das Gefühl des Verlorenseins und das Fremdheitsgefühl, das meine Figur im Film erleben muss… Aber das mit dem Eintauchen in den Kosmos Afrika hat seine Grenzen. Wenn du Glück hast, hilft dir die Atmosphäre der Umgebung. Am Ende entstehen die Situationen dann aber doch im Kopf und du musst sie dir als Schauspieler bauen.
Gab es Erschwernisse bei den Dreharbeiten?
Die Drehbedingungen waren zum Teil schon relativ hart. Wir sind morgens noch vor vier Uhr aufgestanden, dann die extremen Temperaturschwankungen, das geht auf die Knochen. Auch der Dreh auf dem Markt in Katatura, das ist das Armenviertel von Windhoek, ein Slum-Gebiet, war nicht ganz ohne. Wir hatten zwar auch einige Komparsen – aber wir waren mittendrin. Da lag eine enorme Spannung in der Luft.
Welche persönlichen Erinnerungen haben Sie heute an Afrika?
Viel Zeit, das Land kennen zu lernen, hatte ich nicht. Aber ich habe eine Safari mitgemacht. Und ich habe wilde Tiere gesehen, nah, live – das fand ich enorm beeindruckend. So eine Safari ist zunächst ein touristisches Ding, aber es waren schon ganz bewegende Momente. So wie ich es bisher nur beim Tauchen verspürt habe: wenn du die Natur plötzlich als Lebensraum wilder Tiere begreifst. Auch die Landschaft hat mich sehr beeindruckt, die Wüste, das Gebirge und natürlich das Licht.
Apropos Licht: inwieweit haben Sie als Schauspieler gespürt, dass da ein visuell hochattraktiver Film entsteht?
Matti Geschonneck hat mir ein bisschen was zur Auflösung erzählt, aber welche Kraft am Ende die Bilder entfalten, das kann ich beim Drehen nicht einschätzen. Was ich merke: ob ein Kameramann dabei ist, ob er ein Gespür für eine Inszenierung, für ein Spiel hat. Und Martin Langer ist einer der Top-Kameraleute. Bei einem wie ihm fühlst du dich aufgehoben vor der Kamera. Und du weißt, wenn der abnickt, dann ist es gut. Insofern spürte ich, dass ich mit jemandem arbeite, der sehr empfindsam und sensibel ist. Und diese Kameraleute haben ja meistens auch eine tolle Bildsprache.
Foto: ZDF / Sandra HoeverAfrika ist anders. Christiane Paul: "Der Dreh auf dem Markt in Katatura, dem Armenviertel von Windhoek, war nicht ganz ohne. Wir hatten zwar auch einige Komparsen – aber wir waren mittendrin. Da lag eine enorme Spannung in der Luft."
Zum Schluss: Ich habe gehört, mit „Der Doc und die Hexe“ soll es weitergehen.
Ja, noch zwei Folgen. Ich finde den Versuch, Screwball Comedy zu machen und sich diesen Spencer-Tracy-Katherine Hepburn-Komödien anzunähern, sehr reizvoll. Ich sehe die Filme selber gerne und das Genre macht wahnsinnig Spaß. Es ist aber schwer, weil du als Schauspieler von vielen Dingen abhängig bist – vom Schnitt, der Inszenierung, von der Qualität der Dialoge. Aber du kannst dich ausprobieren.
Mit Matti Geschonnecks Stil hat das wenig zu tun?
Das ist genau das Gegenteil. Matti Geschonneck ist ja einer, der das Spiel total reduziert und überhaupt nichts kommentiert. „Weniger ist mehr“, dieser Leitsatz von Michael Caine, gilt auch für ihn. Aber du musst dir dieses Weniger ja auch erspielen. Bei der Romantic Comedy ist das ganz anders: da kommentieren die Schauspieler jeden Schritt, alles wird interpretiert, oft ironisiert. Für mich ist es ein großer Reiz, mich in zwei so unterschiedlichen Formen des Spiels auszuprobieren.