"Dieses ständige 'Wo waren Sie gestern Abend' – das ist einfach nicht meine Schiene. Mich hat schon immer mehr die Geschichte, das Drama, die Zerrüttung, das Zerbrochene interessiert", sagt Wotan Wolke Möhring. In "12 Winter" spielt er zwar jetzt einen Polizisten, aber "Wo waren Sie gestern Abend" muss dieser kein einziges Mal fragen.
Was hat Sie bewogen, einen der Bankräuberjäger zu spielen, obwohl es keine Hauptrolle ist?
Die Geschichte hat viel von den Abenteuern, vom Räuber- und Gendarm-Spielen, von Cowboy und Indianer. Bei so einem „Jungsfilm“ mit Knarre, Funkgerät und wilden Autofahrten wollte ich dabei sein, egal wie groß die Rolle ist.
Was haben Sie versucht, aus der Rolle zu machen?
Das Interessante war für mich, komprimiert und konzentriert einen Polizisten zu spielen, der kein bloßer Erfüllungsgehilfe ist, sondern die Probleme auf seine Art löst.
Wie würden Sie Prothmann charakterisieren?
Prothmann ist ein dynamischer Typ, der voller Hingabe seiner Intuition folgt. Er ist ein guter Polizist und ein guter Kamerad. Manchmal vielleicht ein wenig aufbrausend.
Sie hatten Kontakt zu dem Polizisten, dem Ihre Figur nachempfunden wurde. Was hat das gebracht?
Für meine Darstellung selbst war das nicht so wichtig. Als Schauspieler will man ja nicht kopieren. Aber für die kriminaltechnischen Abläufe, wie zum Beispiel Verhör, Sitzung, Observation, Legendenbildung, also alles, was für die Echtheit der polizeilichen Alltagsarbeit von Belang war, ist dieser Kontakt Gold wert gewesen.
Sie hätten sicher auch gern einen der Bankräuber gespielt…
Ja, selbstverständlich. Das Böse fasziniert immer.
Bedauern Sie es, dass Sie weniger der Typ für die Ganoven, die Bösen sind?
Eigentlich nicht. Spielen tue ich das natürlich auch. Aber die Produzenten besetzen manchmal gern so, dass der Zuschauer die Grundhaltung der Figur bereits vom Gesicht ablesen kann. Dabei sieht man in der Realität den Menschen „das Böse“ meist nicht an. Besonders gerne spiele ich Rollen wie in „Antikörper“, wo ein Guter das Böse für sich entdeckt.
Wie kam es, dass Sie meist Figuren spielen, die auf der richtigen Seite stehen und denen man nicht böse sein kann?
Diese Entwicklung kam sicher auch daher, dass ich auf solche Rollen ein besonderes Auge geworfen habe: auf Menschen, die plötzlich von der Realität überfordert werden und in ein aussichtsloses existenzielles Dilemma geraten. Menschen, die etwas Gutes wollen und denen das Leben schwer gemacht wird. Zwei wichtige Filme in dieser Richtung waren „Das Experiment“, „Hat er Arbeit?“ und aktuell „Kuckuckszeit“.
Es sind vermeintlich kleine Geschichten…
Gerade in denen spiegelt sich oft der ganze Kosmos des menschlichen Dilemmas. Ich liebe realistische Geschichten. Ich erzähle auch gerne von einfacheren Charakteren, weil sie echt und wahrhaftig sind und eine Berechtigung haben, gezeigt zu werden.
Sie haben weniger Krimis gemacht, mehr das Drama gesucht…
Ich habe schon viele Krimi-Angebote bekommen und auch schon welche gemacht. Aber dieses ständige „Wo waren Sie gestern Abend“ – das ist einfach nicht meine Schiene. Mich hat schon immer mehr die Geschichte, das Drama, die Zerrüttung, das Zerbrochene interessiert. Viele Formate sind für mich nichts anderes als Programmfüller. Die Rollen, die sie anbieten, können andere spielen. Ich spiele lieber Rollen in Filmen, die man mir anbietet, weil ich sie besonders gut machen kann, auf meine Art spiele.
Wie viel Wotan Wilke Möhring steckt in Ihren Rollen?
Oft eine ganze Menge. Man „verleiht“ sein Gesicht ja aufgrund bestimmter Merkmale. Ich glaube nicht daran, dass ein guter Schauspieler alles spielen kann. Man bringt eine bestimmte Physis, eine Aura und mit der Zeit auch eine Art „Image“ mit, da kann man 90 Minuten lang versuchen dagegen anzuspielen – am Ende wird es nicht glaubhaft.
Machen Sie die Vorbereitung sehr akribisch oder sind Sie eher der situative Typ?
Das hängt von der Figur ab. Davon, wie nah sie mir ist oder welche Fähigkeiten man braucht, um sie zu spielen. Wenn zum Beispiel eine Figur seit Jahren Arzt ist, müssen gewisse handwerkliche Dinge einfach sitzen. Oder meine Rolle des Prothmann in „12 Winter“ muss wie selbstverständlich mit der Polizeiarbeit umgehen können.
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