Er ist der jüngste "Tatort"-Kommissar: Maximilian Brückner. In Saarbrücken, wo zuletzt Palü auf wenig Gegenliebe stieß, tritt der Bayer seinen Dienst an. Der 27-Jährige über seine Rolle: "Sie sprang gleich so völlig aus dem Klischee. Franz Kappl hat was von einem Besserwisser. Der hat in den USA studiert will jetzt allen zeigen, wie man amerikanisch ermittelt. Der setzt sich aber auch abends hin und bläst Tuba. Und gelegentlich verfällt er ins Bayerische."
Foto: SR / NDRDer Neue aus Bayern:
Maximilian Brückner
Foto: SR / NDRDie Schöne aus der
Pathologie: Lale Yavas
Wie fühlt man sich als Bayer im Saarland? Gibt es Ähnlichkeiten in der Mentalität?
Klar. Die Saarländer sind sehr ähnlich wie die Bayern. Ein bisschen offener vielleicht, sie gehen mehr auf die Leute zu. Auch ist das rein saarländische Essen ist wie unser bayerisches Essen sehr deftig. Und die Landschaft ist auch so ein bisschen Voralpengebirge.
Soll sich Kappl schnell einleben? Und soll der Bayern-Saarland-Gegensatz weiter im Spiel bleiben?
Es ist noch nicht alles gegessen. So richtig eingelebt hat sich Franz Kappl noch nicht. Der wohnt ja immer noch im Polizei-Wohnheim in so einem kleinen Kabuff. Und der Kontakt zur Heimat bleibt. Da ist ja einiges passiert. Die Mutter ist gestorben. Ansonsten wurde bisher aber nur vieles angedeutet, um künftig viele dramaturgische Optionen zu haben.
Werden Kappl und Deininger so etwas wie ein Buddy-Team?
Das glaube ich nicht. Sie haben sich arrangiert, aber so richtig warm miteinander sind sie noch nicht. Sie haben sich damit abgefunden, Partner zu sein. Ob sie aber Freunde werden?! Dafür sind sie wohl einfach zu unterschiedlich, auch in ihrer Art zu ermitteln.
Wie sind Sie „Tatort“-Kommissar geworden?
Ich bekam einen Anruf vom Telesaar-Produzent Peter Lohner, ob ich Interesse hätte, „Tatort“-Kommissar zu werden. Ich dachte zuerst, der hätte sich verwählt. Ich bin doch nicht der Typ für einen „Tatort“-Kommissar. Meine Familie hat sich tot gelacht. Als nächstes dachte ich: so eine Anti-Besetzung, das wäre schon spannend. Dann habe ich das Drehbuch gelesen. Und das hatte durchaus was.
Was hatte es denn?
Meine Rolle sprang gleich so völlig aus dem Klischee. Franz Kappl hat was von einem Besserwisser. Der hat in den USA studiert will jetzt allen zeigen, wie man amerikanisch ermittelt. Der setzt sich aber auch abends hin und bläst Tuba. Und gelegentlich verfällt er ins Bayerische.
Was hat Ihnen an Ihrem Einstand gefallen?
Es gibt ja nicht so viele Varianten, eine Figur einzuführen. Insofern ist auch unser Konkurrenz-Muster, ein Jungspund von auswärts wird einem ewigen Zweiten vor die Nase gesetzt, nicht neu. Aber die Typen gab es so natürlich noch nicht. Wir sind sehr verschieden, funktionieren aber gemeinsam gut, selbst oder gerade, wenn wir streiten. Auch der Saarland-Touch ist stimmig. Wir machen keinen in dunklen Farben gehaltenen Großstadtkrimi. Bei uns hat alles einen eigenen Charme. Auch das Team arbeitet ziemlich schräg. Wo gibt es schon eine Gerichtsmedizinerin, die sich mit den Toten unterhält?
Erfahrene Kollegen wie Atzorn, Furtwängler oder Schüttauf sprechen vom „Ritterschlag“ durch den „Tatort“. Hatten Sie kein Muffensausen?
Prinzipiell nicht. Natürlich hat man vor jedem einzelnen Film Angst. Ohne diese Aufregung geht es nicht. Es wäre schlimm, wenn ich in meinem Alter sagen würde, ich weiß, wie alles geht. Wenn ich dann aber ein paar Tage drehe, dann passt es schon.
Ihr Vorgänger Palü war beliebter Prügelknabe bei der Kritik. Keine Angst vor Verrissen?
Meine Familie fand den Film gut – und meine Brüder sind schon sehr kritische Beobachter. Die kennen mich ja auch am besten. Die Geschichte ist rund. Wir sind – wie gesagt – anders, kleiner, aber ich denke, wir müssen uns nicht verstecken!
Das neue Team mit der wunderbaren Alice Hoffmann, der Hilde aus „Familie Heinz Becker“, und der schönen Lale Yavas bedient jung und alt gleichermaßen…
Ich finde es gut, dass jung und alt gemischt ist. Das entspricht ja auch der Realität. Wenn man bei mir zuhause in Rosenheim zur Polizei geht, da sehe ich unser Konzept bestätigt. Ich glaube, das ist das ganz normale Leben. Und wenn man das mischt, dann ist automatisch für jeden was dabei. Mir gefällt so ein buntes Team, weil es sehr viel verschiedene Geschichten und Konstellationen möglich macht.
Welche Möglichkeiten bietet ein junger Kommissar wie Kappl auf die Dauer?
Viele, weil er so komplex ist. Auch seine Jugend eröffnet viele Möglichkeiten. Der ist nicht perfekt, der muss noch viel lernen und der wird auch mal Fehler machen. Ein Mann mit 27 tritt anders auf als ein Mann mit 40. Man kann ihm beim Wachsen zusehen.
Foto: SR / NDRKleines Ding mit großer Wirkung. Maximilian Brückner und Hartmut Volle
Er könnte auch mit der schönen Gerichtsmedizinerin mehr tun, als nur Leichen beschauen.
Sicher, diese Tür wurde aufgemacht. Es wird sich da sicher etwas mehr entwickeln, als das, was im ersten Film leise angedeutet wird.
Sie wirken in vielen Rollen wie der nette Junge von nebenan. Werden Sie bald als Schwiegermutterschwarm die Lizenz zum Kuscheln bekommen?
Nee, wie kommen Sie darauf?! Ich habe so viele gute Filmangebote und möchte auch weiterhin Theater spielen. Ich wüsste nicht, wieso ich dann den lieben Schwiegersohn spielen sollte. Meine bisherigen Rollen waren auch eher gemischt. Es fing mit den ruhigen, lieben und verständnisvollen Typen an. Aber jetzt geht es auch langsam los mit den Filmen, in denen ich Arschgeigen spiele. Und am Theater bin ich bekannt für abgefahrene, schräge Rollen, ganz das Gegenteil vom jungen Liebhaber.
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