• Fernsehfilm „Die Schwester“

      Auf einen Blick: Kinokultfilme & Filmgeschichte im Februar TV60 – Alexandra Neldel in "Rache der Wanderhure" (Sat 1, 28.2.) Über 30 Fiktion-Premieren. Februar-Highlights auf einen Blick Foto anklicken, bei amazon kaufen & tittelbach.tv unterstützen

      Auf einen Blick: Kinokultfilme & Filmgeschichte im Februar

      Foto: Jiri Hanzl

      TV60 – Alexandra Neldel in "Rache der Wanderhure" (Sat 1, 28.2.)

      Foto: ZDF / Volker Roloff

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      ARD, 08.07.2011, 23:30 Uhr - Wiederholung
      Bewertung: 4,0 von 6

      Fendel, Froboess, Habich, Reben, von Trotta: die Sanftmütige und die Verbiesterte

      Zwei Schwestern leben seit 50 Jahren zusammen. Ein Unfall fesselte die jüngere an den Rollstuhl. Zwischenzeitlich müssen sie bessere gemeinsame Jahre gehabt haben. Im Herbst des Lebens überkommen die gutmütige Wilma noch einmal Frühlingsgefühle. Sie will sich nicht länger von der dominanten Schwester tyrannisieren lassen. „Die Schwester“ ist ein Schauspielerfilm, ein klassisches Fernsehspiel. Autor Reben ist ein Mann des Wortes, der ausgespielten Szenen, der Metaphern. Großes Spiel, gewöhnungsbedürftige Form.

      „Warum sprichst du nicht?“, fragt Margot schnippisch. Ihre Schwester, die 80jährige Wilma, antwortet mit belegter Stimme: „Weil du dann antworten würdest – und ich kann deine Stimme nicht mehr hören.“ Die beiden ungleichen Frauen leben seit 50 Jahren zusammen. Ein Unfall fesselte die jüngere Margot an den Rollstuhl. Zwischenzeitlich müssen sie bessere gemeinsame Jahre gehabt haben. Sie hatten Spaß, sie hatten Affären, doch keine war je verheiratet. Jetzt, im Herbst des Lebens, überkommen die gutmütige Wilma noch einmal Frühlingsgefühle. Sie will leben, sie will endlich einen Hund und wenn sich ein Mann für sie interessiert – warum nicht! Vor allem will sie sich nicht länger von der dominanten Schwester tyrannisieren lassen. „Ich könnte dich umbringen“, verschafft sie ihren Gedanken Luft.

      Froboess (li.) & Fendel
      Foto: HR

      Zwei Schwester, ein Leben lang unzertrennlich. Cornelia Froboess und Rosemarie Fendel. Die roten Zöpfe deuten es an – doch durch "Die Schwester" weht nur ein Hauch vom Klassiker "Was geschah wirklich mit Baby Jane?"

      Die Sanftmütige und die Verbiesterte geben Rosemarie Fendel und Cornelia Froboess in „Die Schwester“ von Margarethe von Trotta. Zwischen beiden irrlichtert Matthias Habich als mittelloser Ex-Gigolo und als Wunschprojektion reifer Weiblichkeit durch die kammerspielartige Szenerie. Der Film beginnt als Duell zweier alter Frauen, einer Dame und einer Furie. Die eine, die ältere, hat nichts mehr zu verlieren; die andere dagegen braucht ihre bessere Hälfte als seelischen Mülleimer. Sie hat das Geld, außerdem ist sie verschlagen, intrigant und sie hält seit Jahren die Fäden der Beziehung in den Händen. Auch jetzt hat sie einen Plan, wie sie die Schwester vom Auszug aus der gemeinsamen Wohnung abhalten kann.

      „Die Schwester“ ist ein Schauspielerfilm in der Tradition des klassischen Fernsehspiels. Drehbuchautor Johannes Reben ("Bruder Esel") ist ein Mann des Wortes, der ausgespielten Szenen, der Metaphern. Obgleich man als Zuschauer mit der liebenswürdigeren Figur sympathisiert, wird man nicht emotional in den Machtkampf der Alten hineingezogen. Mit Neugier folgt man der Handlung (vorausgesetzt man nimmt die Hürde des anfangs sehr theatralen Spiels von Cornelia Froboess), man kombiniert, man rätselt, man interpretiert das überhöhte Treiben, fragt sich, ob Wilmas Schmetterlinge im Bauch aufgrund eines abgekarteten Spiels flattern und ob einem nicht vielleicht etwas entgangen ist im Rahmen einer Geschichte, die so altmodisch erzählt ist, dass sie schon wieder innovativ erscheint. „Die Schwester“ ist ein Fernsehfilm, der indirekt die Allmacht des "amerikanischen" Erzählens vor Augen führt und der dem Zuschauer mit seinen Sehgewohnheiten einiges abverlangt.

      Rainer Tittelbach


      „Die Schwester“
      HR, BR, Degeto / Fernsehfilm / Drama
      EA: 8.9.2010, 20.15 Uhr (ARD)
      Mit Rosemarie Fendel, Cornelia Froboess, Matthias Habich, Christina Geiße und Diego Wallraff
      Drehbuch: Johannes Reben
      Regie: Margarethe von Trotta
      Kamera: Axel Block
      Produktionsfirma: Hessischer Rundfunk
      Quote: 4,16 Mio. Zuschauer (14,1% MA)



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