• Fernsehfilm „Der verlorene Vater“

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      TV60 – Alexandra Neldel in "Rache der Wanderhure" (Sat 1, 28.2.)

      Foto: ZDF / Volker Roloff

      Über 30 Fiktion-Premieren. Februar-Highlights auf einen Blick

      Auf einen Blick: Kinokultfilme & Filmgeschichte im Februar

      Eins Festival, 14.02.2011, 12:30 Uhr - Wiederholung
      Bewertung: 5,0 von 6

      Krumbiegel & Selge: Eine Frau gerät in den Trennungskrieg ihres neuen Partners

      Doch nicht der Trennungskrieg steht im Zentrum, sondern die neue Beziehung des Vaters und der Versuch, die Kinder in dieses Leben zu integrieren und die neue Partnerin zur Komplizin zu machen. Nocke/Huntgeburth geht es um mehr als den verzweifelten Kampf um die Kinder & das emotionale Überleben. Wahrheit ist oft nur eine Frage der Perspektive. Der Zuschauer soll nicht den Schiedsrichter spielen, sondern die gestörte Kommunikation erkennen.

      „Es ist eine einzige riesige Katastrophe.“ Arndt, der in Scheidung lebende Familienvater, verzweifelt an der Situation: Seine Noch-Frau Bettina wolle ihm seine beiden Kinder, David und Melanie, entziehen. Am Ende eines romantischen Abends beim Italiener glaubt seine neue Freundin Elke ihren Ohren nicht zu trauen: „Ich möchte dir vorschlagen, dass wir uns eine Weile nicht sehen.“ Doch Tage später steht er wieder auf der Matte. Jetzt bekennt er sich zu ihr, will aber auch um die Kinder kämpfen. Elke stört es nicht, gerade noch ein Störfaktor im Verhältnis zwischen ihm und seinen Kindern gewesen zu sein, und nimmt Arndt zurück.

      Selge & Krumbiegel
      Foto: WDR

      Ein neuer Anfang mit neuem Partner? Edgar Selge und Ulrike Krumbiegel

      Es herrscht Krieg. Dabei will die vereinsamte Sachbearbeiterin, die in einer Behörde arbeitet, nur ihren Frieden. Doch Elke gerät zwischen die Fronten. Je mehr sie sich auf die Beziehung zu Arndt einlässt, umso mehr wird der Kampf um die Kinder auch ihre Angelegenheit. Sie muss sich zu dem verhalten, was Arndt sagt und tut – und sie zweifelt gelegentlich an dessen Richtigkeit. Muss man den Sohn heimlich von der Schule abholen? Muss man ständig die Ehefrau provozieren und sie in Anwesenheit der Kinder schlecht machen? Muss man die Frau vom Jugendamt vor den Kopf stoßen? Sagt Elke ihre Meinung, fliegen anschließend die Fetzen: „Du willst mich also nicht bedingungslos unterstützen?!“, schreit Arndt sie an. Stunden später folgt die Einsicht und als Entschuldigung gibt es Plüschtiere oder Blumen.

      „Der verlorene Vater“ erzählt eine alltägliche Geschichte auf eine ungewöhnliche Weise. Nicht der Trennungskrieg steht im Zentrum der Handlung, sondern die neue Beziehung des Vaters und der Versuch, die Kinder in dieses Leben zu integrieren und die neue Partnerin zur Komplizin zu machen. Dem dreifachen Grimme-Preisträger Daniel Nocke geht es um mehr als den verzweifelten Kampf um die Kinder, das eigene Selbstwertgefühl und das emotionale Überleben. Es geht nur bedingt darum, wer Recht hat. Natürlich führt sich der von Edgar Selge großartig gespielte Arndt gelegentlich auf wie ein Wahnsinniger. Natürlich ahnt der Zuschauer, dass seine Wahrheit nicht Bettinas Wahrheit ist. Natürlich ist ein Vater, der sich von allen hintergangen fühlt und der sich von seinen eigenen Kindern Bestätigung holen muss, kein guter Vater. Der Film zeigt, wie Kommunikation funktioniert, wenn bestimmte Voraussetzungen gegeben sind: wenn ein Mensch „ganz unten“ ist; wenn der verhasste Partner die Oberhand zu gewinnen droht; wenn ein Dritter ins Spiel kommt, der einseitig Partei ergreift; wenn sich zwei schwache Menschen blind gegenseitig stützen.

      "Arndt ist jemand, bei dem die Vernunft Abschied genommen hat. Ein krankhafter Einzelfall. Doch wenn man sich als Zuschauer dem Film gegenüber offen verhält, dann werden viele Männer vielleicht merken, dass sie die Anlage zu diesem Verhalten in sich selber tragen." (Edgar Selge)

      „Der verlorene Vater“ ist ein Film über gestörte Kommunikation. Die durch eine Beziehung verletzten Ex-Partner suchen Hilfe bei Dritten: Arndt bei Elke, Bettina bei ihrer Familie. Nocke zeigt einen Mechanismus, der häufig in gestörten Beziehungen abläuft. Die Wertung überlässt er dem Zuschauer, der sich wie die von Ulrike Krumbiegel stimmig in ihrer Verunsicherung verkörperte Elke in der Rolle des Dritten wiederfindet. Nach den Informationen, die ihm gegeben werden, wird er sich – anders als Elke – mehr und mehr von dem Vater emotional entfernen. Manchmal wünscht man sich, mehr über Bettina zu erfahren. Doch um „Rechtssprechung“ soll es in diesem Film nicht gehen, sonst hätte uns Nocke mehr erzählt über jene angebliche Alkoholikerin, die Jeanette Hain wunderbar mit vielen Fragezeichen spielt. Die Wahrheit ist oft einzig und allein eine Frage der Perspektive. Der Zuschauer soll nicht den Schiedsrichter spielen, sondern er soll das kranke Prinzip, das Muster, erkennen. Der Film schaut den Menschen beim (nicht immer logischen) Handeln zu. Hermine Huntgeburth, die klug dem Drehbuch und ihren Schauspielern vertraute, sorgt durch ihre sehr konzentrierte Regie dafür, dass dem Blick des Zuschauers dabei nichts Unnötiges im Weg steht.

      Rainer Tittelbach


      „Der verlorene Vater“
      WDR, Arte / Fernsehfilm / Drama
      EA: 30.04.2010, 20.15 Uhr (Arte)
      Mit Edgar Selge, Ulrike Krumbiegel, Jeanette Hain, Louis Hofmann, Paraschiva Dragus & Carlo Ljubek
      Drehbuch: Daniel Nocke
      Regie: Hermine Huntgeburth
      Produktionsfirma: Eikon Media
      Quote: ARD: 2,85 Mio. Zuschauer (9,6% MA)



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