• Fernsehfilm „Verhältnisse“

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      Foto: ZDF / Volker Roloff

      Über 30 Fiktion-Premieren. Februar-Highlights auf einen Blick

      Auf einen Blick: Kinokultfilme & Filmgeschichte im Februar

      Foto: Jiri Hanzl

      TV60 – Alexandra Neldel in "Rache der Wanderhure" (Sat 1, 28.2.)

      Eins Festival, 14.09.2010, 18:30 Uhr - Wiederholung
      Eins Festival, 15.09.2010, 12:30 Uhr
      Bewertung: 5,0 von 6

      Devid Striesow, Nicolette Krebitz, Lars Eidinger und der Niedergang einer Familie

      Im Mittelpunkt von "Verhältnisse" steht ein Mann, der von allen Seiten Druck bekommt, ein Mann am Rande des Nervenzusammenbruchs. Der gescheiterte Architekt Philipp ist ein Möchtegern-Macher, der die Realitäten durch Illusionen ersetzt. Devid Striesow spielt ihn in seiner unnachahmlichen Art. Auch Nicolette Krebitz beeindruckt. Ein TV-Drama, bei dem man nicht sofort weiß, wohin die Reise geht. Ungekünstelt, undramatisch, realistisch!

      Der Architekt Philipp Schneider hat sich hoch verschuldet. Er hat zwar einen großen Auftrag an Land gezogen, doch die Stadt hält ihn hin. Sein Büro ist nicht mehr liquide. Er muss verkaufen. Auch seine Familie bekommt den Stress hautnah zu spüren. „Warum schlafen wir nicht mehr zusammen“, fragt Ehefrau Kerstin und die beiden Söhne kennen ihren Vater kaum noch – doch Philipp will nur noch seine Ruhe. Der Ärger mit dem Büro frisst ihn auf. Als ihm dann noch die Hand ausrutscht, nimmt auch das private Unheil unaufhaltsam seinen Lauf.

      Striesow & Krebitz
      Foto: HR

      Erst rutscht ihm die Hand aus, dann ist der Architekt auch beruflich am Ende. Devid Striesow und Nicolette Krebitz in einem etwas anderen Beziehungsfilm

      Der Fernsehfilm „Verhältnisse“ zeichnet die Auflösung einer Familie nach. Im Mittelpunkt steht ein Mann, der von allen Seiten Druck bekommt, ein Mann am Rande des Nervenzusammenbruchs. Philipp ist ein Möchtegern-Macher, eigentlich ein Leisetreter, der die Realitäten durch Illusionen ersetzt und der seinen Druck gern an Andere weitergibt. Devid Striesow spielt ihn in seiner unnachahmlichen Art. Die Anspannung ist ihm in jeder Situation anzumerken, auch wenn anfangs noch gelegentlich ein beschwichtigendes Lächeln auf seinen breiten Wangen liegt. Als dann die Firma, die Frau, die Kinder und das Haus weg sind, bricht der Ex-Chef in sich zusammen. Vom Schöner-wohnen-Ambiente geht es direkt zur Flasche und wenig später betrunken vor ein Auto. Seine Frau, ihr Neuer und ein alter Kollege nehmen sich seiner an. Es geht wieder aufwärts mit Philipp. Doch wird er es ihnen danken?

      Einmal ein Fernsehfilm, bei dem man nicht schon nach zehn Minuten weiß, wohin die Reise geht, und bei dem sich nicht nach 30 Minuten bereits das Ende sicher vorhersagen lässt! Die inhaltliche Zusammenfassung kann diesem Film von Stefan Kornatz nicht annähernd gerecht werden. Denn das Besondere an ihm ist die unaufdringliche, undramatische Art des Erzählens. Wie im realen Leben nimmt der Film immer wieder Umschwünge. Es kommt, wie es kommt. Die Titel gebenden „Verhältnisse“ werden nicht dramaturgisch geregelt – sie sind einzig und allein Sache der Protagonisten. Neben der männlichen Hauptfigur kann auch Ehefrau Kerstin bestehen: Es ist keine dankbare Rolle und doch spielt Nicolette Krebitz sie überragend in Kinofilmmanier – realistisch klar und zugleich mit einer Spur Geheimnis. Ideal besetzt ist auch Lars Eidinger („Alle Anderen“): authentisch gibt er Kerstins neuen Partner, Marke moderner Mann, mit geringem Aggressionspotenzial und viel Empathie – sogar noch für den Ex seiner Lebensgefährtin. Wer diese Art des ausschnitthaften Erzählens mag, wer diesen filmischen Realismus schätzt, für den wird „Verhältnisse“ ein Lichtblick im TV-Grau sein!

      Rainer Tittelbach


      „Verhältnisse“
      HR / Fernsehfilm / Drama
      EA: 7.4.2010, 20.15 Uhr (ARD)
      Mit Devid Striesow, Nicolette Krebitz, Lars Eidinger, Harald Schrott und Anna Schudt
      Drehbuch: Stefan Kornatz
      Regie: Stefan Kornatz
      Produktionsfirma: Hessischer Rundfunk
      Quote: 3,5 Mio. Zuschauer (10,9% MA)



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