Zwei Egoisten, die sich dem Pensionsalter nähern und sich benehmen wie dumme Teenies, ist ein gefundenes Fressen für die Hauptdarsteller. Beiden zuzuschauen, dem als Po-mit-Ohren Gescheitelten George und der resolut gestylten Wied, ist auch ohne geschliffene Dialoge ein kleines Fest für Fans der gehobenen Boulevardkomödie und mehr als die halbe Miete.
Er kommt mit Luxuskarosse und Hamster, sie mit Cabrio und Hund. Im Türkischen Marsch nähern sie sich - doch es kommt nicht zum erwarteten Blechschaden auf den Straßen von Leipzig. Die beiden Helden in “Liebe ist die halbe Miete” haben es vielmehr auf dasselbe “Objekt” abgesehen: eine Sechszimmerwohnung, in der beide ihr Singledasein so richtig genießen wollen. Götz George spielt den Schwerenöter, den es offenbar nochmal "erwischt", und Thekla Carola Wied eine Psychologin, die auf alles eine Antwort hat, nur nicht darauf, weshalb sie allein in diese Riesenwohnung ziehen will. Doch allein ist sie bald nicht mehr.
“Auf gute Nachbarschaft”, tönt der gutgelaunte Spezialist für Chirurgie. Doch schon im nächsten Moment mischt sich Verunsicherung in seine Frage: “Was machen Sie in meiner Wohnung?” Irgendetwas scheint ziemlich schief gelaufen zu sein bei der Wohnungsvermittlung. Doch was kann schon herauskommen bei einem Maklerbüro, das von einem Ehepaar betrieben wird, dessen Flitterwochen offenbar lange Zeit zurückliegen. Außerdem heißt nicht nur die toughe Akademikerin mit dem losen Mundwerk, sondern auch der Chefarzt in spe mit Nachnamen “Naumann”. Zwar sind sie weder verwandt noch verschwägert, doch was nicht ist kann ja noch werden!
“Ein hübscher, kleiner Film, der vor allem beim Drehen sehr viel Spaß gemacht hat”, urteilt Thekla Carola Wied. “Keiner gibt die Wohnung auf, weil es unbewusst bei beiden doch schon längst klick gemacht hat. Sie wollen es sich nur nicht eingestehen. Also müssen sie kämpfen, um zueinander zu finden.” Und so entsteht ein munteres Katz-und-Maus-Spiel, das sich nur mitunter etwas zu sehr am Alter seiner Protagonisten orientiert. Da fehlt der letzte Biss. Vor allem den verbalen Schlagabtausch, wie ihn Katherine Hephurn und Spencer Tracy oder Doris Day und Rock Hudson einst filmgeschichtlich pflegten, vermisst man als Zuschauer. Da kann sogar der Hund der Psychologin des Doktors geliebten Hamster zu Tode liebkosen - der Krieg der Geschlechter will einfach in diesem harmlosen Film nicht ausbrechen.
Zwei alte Egoisten, die sich dem Pensionsalter nähern und sich benehmen wie zwei dumme Teenager: diese Situation lebt natürlich von den Hauptdarstellern. Beiden zuzuschauen, dem als Po-mit-Ohren Gescheiteltem George und der schön resolut gestylten Wied, ist auch ohne geschliffene Dialoge ein kleines Fest für Fans der gehobenen Boulevardkomödie und mehr als die halbe Miete. Eine Romantic Comedy für die reiferen Jahrgänge, auch das ist ja fast schon wieder eine Rarität in Zeiten, wo sich aus Marktanteils-Gründen Helden jenseits der 50 vorzugsweise in telegenes Frischfleisch zu verlieben haben.