Zieglerfilm präsentiert die Ausnahme-Serie vorab auf DVD
„Ein vorbildliches Ehepaar“ ist die Adaption einer französischen TV-Komödie im Boulevardstil. Zwei männliche Archetypen treffen aufeinander: der ehrlich ernsthafte Softie und der betrügende Verführer. Diese ZDF-Komödie ist ein Spiel mit Geschlechter-Klischees, trotz der französischen Vorlage nicht besonders raffiniert, der Stil etwas staubig, die Geschlechter-Bilder simpel, und die Botschaft fände auch im Ohnsorg-Theater ihr Publikum. Da reißt die Besetzung einiges raus & nach mauem Männer-Duett kommt die Komödie in die Gänge.
Foto: ZDF / Erika HauriZwei Komödienstile? Oder nur zwei männliche Archetypen? Ferch, Ochsenknecht
Thomas und Roman sind Leidensgenossen. Beim ihrem Scheidungstermin begegnen sie sich das erste Mal. Aufreißertyp Thomas kam mit einer roten Rose und der Überzeugung, mit einer Entschuldigung für seine Seitensprünge sei es getan. Weichei Roman hingegen hatte seine Pillen dabei und eine große Portion Untröstlichkeit. Jetzt will der Architekt nur in Ruhe seine Wunden lecken, doch Immobilienmakler Thomas lässt nicht locker. Nachdem ihn seine Vicky nicht mehr in die Wohnung lässt und er von ihr auch noch die Kündigung seines Jobs erhält, weiß er sich keinen anderen Rat, als sich bei seinem neuen Bekannten einzuquartieren – unter dem Vorwand, ihm bei der Rückeroberung seiner Ex zu helfen. Sie ist Ärztin – Kontaktaufnahme also kein Problem: und so baggert Thomas jene Isabella, die ihren Roman betrogen hat, wenig später in ihrer Praxis nach allen Regeln der Kunst an. Auch Roman ist nicht untätig. Weshalb sich nicht eine neue Wohnung suchen mit Hilfe der betrogenen Maklerin Vicky?! Sie sind sich sympathisch. Und dann sitzt Roman mit ihr im Ballet, sie küssen sich, er ist begeistert von ihr. Doch wie das alles dem Freund sagen? Oder nichts sagen? Es dauert nicht mehr lange, und es bricht das völlige Beziehungschaos aus.
Thomas Bergers Fünf-Punkte-Programm der Frauen:
„Im Großen und Ganzen funktionieren die Frauen alle gleich. Manche tun so, als wären sie anders – und wollen sich damit nur interessant machen. Am Ende läuft alles nach demselben Muster. Sie wollen, dass man sie auf den Händen trägt, dass man sie jeden Tag aufs Neue überrascht, dass man sie auf Millionen verschiedene Arten verführt, dass man sie zum Lachen bringt und natürlich, dass man ihnen ihren Orgasmus verschafft – gern auch mehrere.“
Foto: ZDF / Erika HauriGleich zu gleich gesellt sich gern? Die Betrogenen (Heino Ferch & Annika Kuhl)
„Ein vorbildliches Ehepaar“ ist die Adaption einer französischen TV-Komödie. Die Autoren Wiebke Jaspersen und Aglef Püschel haben die Plot-Struktur übernommen und auch den Boulevardkomödien-Stil der Vorlage beibehalten. Zwei Archetypen der Spezies Mann treffen aufeinander: der ehrliche, ernsthafte Softie und der lügende, betrügende Verführer. Der eine würde die Frauen gerne besser verstehen, der andere will einfach nur seinen Samen in die Welt tragen. Diese ZDF-Komödie ist ein Spiel mit Geschlechter-Klischees, trotz der französischen Vorlage nicht besonders raffiniert, der Stil ein bisschen staubig, die Geschlechterbilder simpel, und die Botschaft fände auch im Ohnsorg-Theater ihr Publikum. Handwerklich gesehen, kommt das Unterhaltungsstück im Verlauf der 90 Minuten immer besser in die Gänge. Zu Beginn irritiert etwas der unterschiedliche Stil, Komödie zu spielen. Ochsenknecht, glänzend in „Das große Comeback“ oder „Schief gewickelt“, agiert hier teilweise wie im Boulevardtheater, so, dass auch noch der Zuschauer in der letzten Reihe alles sieht und hört. Heino Ferch, Annika Kuhl und Sophie von Kessel bespielen dagegen stärker den Realismus einer TV-Komödie. So bekommt die Interaktion zwischen den Männern zu Beginn etwas Angestrengtes und das aufschneiderische Gebaren der Ochsenknecht-Figur etwas Nerviges: zwei männliche Prinzipien unter einem Dach – das funktioniert nicht richtig. Sagt die Story. Aber auch das Komödienmaschinchen stottert.
Foto: ZDF / Erika HauriSo ist das in Boulevardkomödien. Missverständnisse können nicht geklärt werden – sonst wäre die Handlung zuende. Der Zuschauer muss mit dieser Konvention leben. Es besteht aber die Gefahr, dass er sich für dumm verkauft fühlt. Ferch, von Kessel
Soundtrack: Sylvester („You make me feel“), Florence and the Machine („Never let me go“), Adele („Make you feel my love“)
Die Zeiten der „Männerwirtschaft“ sind vorbei. Erst als die Frauen wieder ins Spiel kommen, nimmt „Ein vorbildliches Ehepaar“ Fahrt auf. Bei der Liaison zwischen den beiden Betrogenen kommt das romantische Moment zum Tragen, beim mit Pointen garnierten Flirt der beiden Betrüger kommt der Sprachwitz zu seinem Recht. Da purzeln auf beiden Seiten die Metaphern, da tut sich was. Auch bei den Charakteren. „Am Ende bekommt zwar der eine, was er will, aber ganz anders, als er denkt. Und der andere hat viel dazu gewonnen – an Erfahrung“, so bringt es ZDF-Redakteur Daniel Blum auf den Punkt, ohne dabei vom Happy End dieser „moralischen“ Komödie mit großem Chaos-Finale zu viel zu verraten.
Foto: ZDF / Erika HauriAm Ende haben alle irgendetwas gelernt. Die Botschaft von „Ein vorbildliches Ehepaar“ fände auch im Ohnsorg-Theater ihr Publikum. Vorne: Beate Abraham
Rainer Tittelbach arbeitet seit über 25 Jahren als TV-Kritiker & Medienjournalist. Er ist Grimme-Juror & FSF-Prüfer. Seit 2009 betreibt er tittelbach.tv. Mehr
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