Rommel
    • Fernsehfilm „Rommel“

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      3sat, 17.11.2012, 20:15 Uhr - Wiederholung

      Tukur, Niki Stein & die letzten Monate im Leben des Generalfeldmarschalls Rommel

      Thomas Gehringer
      Erwin Rommel wagt den Widerstand – nicht: Ein kluges Biopic in überwiegend nüchtern-dokumentarischem Stil, das den von Hitler zum Selbstmord gezwungenen Generalfeldmarschall als Opfer seiner eigenen Verblendung schildert. Dennoch kommt Rommel gut weg, vielleicht etwas zu gut. Starke Nebendarsteller trotz Ulrich-Tukur-Show. Jede Menge Uniformen in einer dialoglastigen, stringenten Inszenierung von Niki Stein.

      Tukur
      Foto: SWR / TeamWorx / Stelter

      Ein nachdenlicher Rommel (Ulrich Tukur)... Die Invasion der Amerikaner steht bevor.

      Der Titel legt die Vermutung nahe, dass der Film „den ganzen Rommel“ erzählen will, doch Niki Stein beschränkt sich auf die letzten Monate im Leben des Generalfeldmarschalls: Auf Rommels militärische Aufgabe, die Landung der Alliierten zu verhindern, sowie auf seine Haltung gegenüber dem Widerstand gegen Hitler. Rommels Karriere davor, seine vermeintlichen Heldentaten als Feldherr und seine Annäherung an Hitler, werden nur angedeutet. Das ist legitim, der Film ist keine Dokumentation (die gibt es in der ARD anschließend), auch wenn er streckenweise eine nüchtern-dokumentarische Anmutung hat.

      Der Inszenierung ist anzumerken, dass sich der Autor und Regisseur auf möglichst abgesichertem historischen Terrain bewegen wollte. Wenig Mythos, wenig Pathos. Aber es wimmelt von „Schlüsselsätzen“ für die historische Einordnung der Figur, und über weite Strecken ist der Film ein Dialogstück, konzentriert und sorgfältig zwar, aber notwendigerweise auch etwas steif wie das Milieu, in dem es spielt. Sieht man von der dramaturgischen Klammer des Films ab, der mit dem Tag von Rommels erzwungenem Selbstmord beginnt und endet, gibt es nur geringe Zeitsprünge und fast keine Rückblenden. Der Fortgang der Ereignisse zwischen März und Oktober 1944 wird chronologisch erzählt. Zudem verwendet Niki Stein einige Wochenschau-Ausschnitte, mit denen vor allem Rommels Bedeutung für die Propaganda der Nazis illustriert wird. Dass Tukur da im „Übergang“ zur Fiktion in Schwarz-Weiß-Bildern a là Wochenschau auftritt, ist eigentlich nicht notwendig. Und was für eine Uniformschlacht! Schneidige Herren in Wehrmachts-Tracht jeglicher Couleur bevölkern diesen Film, für interessierte Experten wird es sicher spannend sein zu prüfen, ob da jeder Uniformknopf und Orden am rechten Fleck sitzt. Mit Ulrich Tukur wird Erwin Rommel witzig, charmant und auch in seiner Rolle als Befehlshaber „menschlich“, allzu menschlich, schon mal aufbrausend, aber dann gleich wieder versöhnlich, ein imposanter, freundlicher Herr, der mit dem Dackel spazieren geht. Man sollte der „Tukur-haften“ Ausstrahlung natürlich misstrauen, aber dieser raumfüllende Darsteller trägt souverän die Last der historischen Figur und bietet eine eigene Interpretation.

      Sadler
      Foto: SWR / TeamWorx / Stelter

      Rommel hält große Stücke auf seinen Stabschef Hans Speidel (Benjamin Sadler).

      Eine Art zweite Hauptrolle hat Benjamin Sadler als Rommels Stabschef Hans Speidel. Er bringt seinen Chef mit den Verschwörern in Verbindung und muss nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler um sein Leben fürchten. Akribisch werden auch die Positionen und Haltungen der anderen Militärs herausgearbeitet, die prominent besetzten Nebenrollen sind von großer Bedeutung in diesem Figurenschach, das seine Spannung über die knapp zwei Stunden hält. Hanns Zischler etwa als Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt, der den Wahnsinns-Befehlen des Führers nicht zu widersprechen wagt. Oder Thomas Thieme als Generalfeldmarschall Günther von Kluge, der während der Vorbereitungen zum Putsch erfolgreich laviert und hinterher von nichts gewusst haben will. Tim Bergmann und Hubertus Hartmann geben Oberst von Hofacker und General von Stülpnagel, die Antreiber der Verschwörung unter den deutschen Militärs in Frankreich. Und Hitler selbst? Johannes Silberschneider spielt ihn geduckt, mit flatterndem Blick – eine interessante Variante, aber wenn er die Stimme hebt, rutscht die Darstellung wieder ins Propaganda-Klischee.

      Silberschneider & Tukur
      Foto: SWR / TeamWorx / Stelter

      Adolf Hitler (Johannes Silberschneider) im französischen Führerhauptquartier. Tukur

      Die Grausamkeit des Krieges wird in kurzen Szenen inszeniert, angemessen für diese Uhrzeit. Auch die technokratische Perspektive der Generalität kommt zum Ausdruck. Übermäßig viele Freiheiten nimmt sich der Film nicht heraus. Männer mit Ferngläsern im Gebüsch, ein zerbrochener Stock und andere Verweise auf die Schicksalhaftigkeit der Ereignisse, naja. Aber keine Liebesaffäre in dem für Rommels Hauptquartier beschlagnahmten französischen Schloss, auch nicht mit der Comtesse, deren reale Existenz umstritten ist. Niki Stein ließ sich nach eigenen Angaben von der Familie des Grafen La Rochefoucauld bestätigen, dass es sie gegeben hat. Rommels Gattin, gespielt als Aglaia Szyszkowitz, ist die zweite Frau in diesem Männer-Film. In einem wichtigen Dialog mit ihr wird Rommels im Grunde heuchlerische Haltung gegenüber der Judenverfolgung deutlich. Noch so eine Schlüsselszene.

      Schon vor der Ausstrahlung gab es Kritik an dem Projekt, unter anderem von Lieselotte Rommel, der Ehefrau von Rommel-Sohn Manfred, dem langjährigen Stuttgarter Oberbürgermeister, und ihrer Tochter Catherine. Die Vorwürfe, Erwin Rommel würde hier insgesamt zu kritisch dargestellt, sind nicht nachvollziehbar. Das Problem besteht wohl eher umgekehrt: War Rommels Kriegführung wirklich so „sauber“, wie es der seit der Nazizeit gepflegte Mythos vom „Wüstenfuchs“ bis heute zu suggerieren scheint (zumal Kriege ohnehin niemals „sauber“ sind)? In diesem Film kommt der Generalfeldmarschall gerade als Feldherr überaus gut weg, er wird als der Einzige in der Generalität dargestellt, der die Lage frühzeitig erkennt und Hitler gegenüber Widerspruch wagt. Er ist beliebt bei seinen Soldaten und hält Distanz zu den Nazis, seinem Sohn Manfred verbietet er den Eintritt in die Waffen-SS. Aus der Politik, glaubt er, könne er sich heraushalten. Diese Naivität und Verblendung, die verhängnisvolle Kombination aus Soldaten-Ehre und pflichtbewusster Treue zum Führer, arbeitet der Film jedenfalls einwandfrei heraus. (Text-Stand: 7.10.2012)

      Szyszkowitz
      Foto: SWR / TeamWorx / Stelter

      Frauen spielen in "Rommel" eine eher untergeordnete Rolle. Aglaia Szyszkowitz

      Thomas Gehringer, freiberuflicher Journalist aus Köln, schreibt für epd medien, den "Tagesspiegel" und andere regionale Tageszeitungen, Mitglied in Jurys und Nominierungskommissionen des Grimme-Preises.


      „Rommel“
      SWR (federführend) / Fernsehfilm / Biographisches Kriegsdrama
      EA: 1.11.2012, 20.15 Uhr (ARD)
      Mit Ulrich Tukur, Benjamin Sadler, Aglaia Szyszkowitz, Thomas Thieme, Johannes Silberschneider, Hanns Zischler, Tim Bergmann, Hubertus Hartmann, Vicky Krieps, Max von Pufendorf und Oliver Nägele
      Drehbuch: Niki Stein
      Regie: Niki Stein
      Kamera: Arthur W. Ahrweiler
      Szenenbild: Benedikt Herforth; Kostümbild: Anette Schröder
      Historische Beratung: Peter Steinbach, Sönke Neitzel, Winfried Heinemann, Rolf-Dieter Müller
      Produktionsfirma: TeamWorx
      Quote: 6,38 Mio. Zuschauer (18,8% MA)


      Bewertung: 5,0 von 6



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