Komm, schöner Tod
    • Fernsehfilm „Komm, schöner Tod“

      Foto anklicken, bei amazon kaufen & tittelbach.tv unterstützen WEISSENSEE - Staffel 2 noch mal zur Primetime auf 1Festival: "Mobbing" (18.5., 20.15 Uhr) Auf einen Blick: die Top-Fernsehfilm-Premieren im Mai 2013 "Mein Vater, seine Freunde & das ganz schnelle Geld" (Mediathek)

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      Foto: Zieglerfilm

      WEISSENSEE - Staffel 2

      Zieglerfilm präsentiert die Ausnahme-Serie vorab auf DVD

      Foto: BR / Fischkoesen

      noch mal zur Primetime auf 1Festival: "Mobbing" (18.5., 20.15 Uhr)

      Foto: SWR / ORF / Domenigg

      Auf einen Blick: die Top-Fernsehfilm-Premieren im Mai 2013

      Foto: ZDF / Hartmann

      "Mein Vater, seine Freunde & das ganz schnelle Geld" (Mediathek)

      collina Filmproduktion präsentiert einen Film von Max Färberböck & Ulrich Limmer

      ZDF, 05.04.2012, 22:15 Uhr

      Hollinderbäumer, Knaup, Loos, Fromm & die Wege, mit dem Sterben umzugehen

      Rainer Tittelbach
      „Komm, schöner Tod“ führt in die nahe Zukunft. Die kommerzielle aktive Sterbehilfe ist gesetzlich freigegeben. Das Sterben kann nun als letztes großes Event des Lebens vermarktet werden. Greisen-Gettos für Demente, der Suizid als Happening, das Geschäft mit der Angst vor dem Tod. Friedemann Fromm entwirft ein nicht unrealistisches Zukunftsszenario. Die enge Verbindung von Hochrechnung eines gesellschaftlichen Ist-Zustands und traditioneller, fiktiver Erzählformen (Märchen, SF, Phantasie) ist die Stärke des Films. Weitere Pluspunkte: Menschen aus Fleisch & Blut, gute Darsteller, kein Thesen-Stück, eindringliche Bilder.

      Franke & Knaup
      Foto: ZDF / Julia Terjung

      "Ich schreibe das eine und tue das andere." Der Journalist pflegt seinen Vater aufopferungsvoll. In einem Artikel begrüßt er die aktive Sterbehilfe. Knaup, Franke

      Berlin in der nahen Zukunft. Die kommerzielle aktive Sterbehilfe ist gesetzlich freigegeben. Die Chance für Sebastian von Werding und seine Idee, das Sterben als letztes großes Event des Lebens zu verkaufen! „Sterben, wenn Sie es wollen, nicht, wenn es das Schicksal befiehlt – das ist die letzte große Freiheit des menschlichen Willens.“ So propagiert der plastische Chirurg sein bahnbrechendes Geschäftsmodell. Geschulte Kräfte und Schauspieler mimen Freunde, Eltern und Verwandte, die den Kunden bei seinem „Heimgang“ begleiten. Das Geschäft mit dem Sterben läuft wider Erwarten unrund an. Jetzt ist auch noch die 85-jährige Hannah verschwunden, die Vorzeigekundin von Werdings Firma Exsolvo. Der ehemaligen Schauspielerin erging es wie vielen anderen dementen Alten. Die orientierungslos in der Stadt herumirrende Frau wurde von Security-Kräften aufgegriffen und ins Greisen-Getto, das Institut Solaritas, eingeliefert. Dort kämpft von Werdings Tochter Simona für die Rechte der Alten und für ein würdevolles Sterben im Einklang mit ihrem Hippokratischen Eid. Bald taucht dort auch der abgehalfterte Journalist Jens Kurzhals auf, der das Image von Exsolvo aufpolieren soll. Er unterstützt von Werding, weil er das Geld braucht. Privat tickt er anders. Aufopferungsvoll kümmert er sich um seinen dementen Vater, und er verliebt sich in Simona. 

      Matz & Krückeberg
      Foto: ZDF / Julia Terjung

      Im Greisen-Getto blüht Hannah wieder auf. Sie wird geliebt. Matz und Krückeberg

      Friedemann Fromm entwirft in „Komm, schöner Tod“ ein nach dem Stand der Prognosen nicht unrealistisches Zukunftsszenario. Aus dem „Es war einmal“ macht der Autor-Regisseur ein „Es wird einmal…“. Als Erzählform wählt er das Märchen – ein böses, ein schreckliches Märchen. Diese enge Verbindung von Hochrechnung eines gesellschaftlichen Ist-Zustands und traditioneller, fiktiver Erzählform ist die Stärke des Films. Indem Fromm auf eigenwillige Figuren aus Fleisch und Blut setzt, die mehr als nur die jeweilige Position im realen Spiel der Kräfte markieren, entwickelt er eine eigene Vision der Dinge. Er entwirft nicht nur ein Schreckensszenario, er zimmert kein simples Thesen-Stück, sondern schafft eine filmische Phantasie – eine Phantasie über die Wege, mit der Angst vor dem Sterben umzugehen. „Komm, schöner Tod“ handelt auch in all seinen Nebengeschichten von diesem Thema. Da werden die Alten, die Demenzkranken, aus dem Stadtbild entfernt und weggesperrt, und die Jüngeren aktivieren Verdrängungsmechanismen, Überlebensstrategien, bauen sich aus Sex, plastischer Chirurgie & Konsum einen Kokon aus Illusionen. Von all dem erzählt der Film.

      Hollinderbäumer, Loos, Knaup
      Foto: ZDF / Julia Terjung

      Pakt mit dem Teufel? Der Ex-Journalist & PR-Mann J.K. (Herbert Knaup) muss sich entscheiden zwischen Vater (Dietrich Hollinderbäumer) und Tochter (Anna Loos).

      Friedemann Fromm über das Thema des Films:
      „Alle Wege, unsere Angst vor dem Tod zu beruhigen, sind keine Lösung, und deshalb greift auch die politische Diskussion um dieses Thema immer wieder zu kurz. Denn es geht nicht um die Frage: Was machen wir mit den Alten in unserer Gesellschaft, erlauben wir Sterbehilfe oder nicht? Sondern: Wie gehen wir mit uns und miteinander um? Wie verhalten wir uns zum eigenen Tod und dem der Anderen? Wie integrieren wir den Tod in unser Leben? Welchen Preis sind wir bereit zu zahlen für aufrichtiges Mitgefühl und das Annehmen eigener, persönlicher Verantwortung?“

      Soundtrack: Christina Aguilera („Carwash“), Mamas & Papas („California Dreaming“), The Monkees („I’m a believer“)

      Malton
      Foto: ZDF / Julia Terjung

      Den Tod zu verdrängen: sich die Jugend in den Körper schnippeln lassen. Malton

      „Komm, schöner Tod“ ist kein Film über die Alterspyramide, Fromm will keinen Diskurs zum Thema Sterbehilfe entfachen. „Es ist ein Film über den Umgang mit dem Tod und über die Liebe, ihre Poesie und ihren Schmerz im Angesicht des Verlustes – und es ist ein Film über die Würde, die jeder Mensch besitzt, auch ein dementer“, so der Filmemacher. Der Zuschauer wird nicht mit Informationen zugetextet. Vielmehr bleiben Bilder in Erinnerung –  schmerzliche, aber auch magische, nicht selten humoresk-ironische Momente. Der verstörte Vater des Journalisten (ideal besetzt: Peter Franke) auf dem Kriegspfad, geschminkt, nackt, schutzlos wie ein Kind, verzweifelt wimmernd, „warum darf ich nicht sterben?“. Oder das in Herbert Knaups alkoholkranken J.K. optisch eingeschriebene Dilemma eines Journalisten, der von seinen Rollen überfordert ist: als Sohn, als Pflegekraft, als Leitartikler, als PR-Manager, als Liebender. Oder Viktor (wunderbar skurril: Heinz W. Krückeberg), der Träumer, der Tänzer, der Romantiker, der seine Demenz nur spielt und der seine Angebetete für ihre letzte Reise aus den Fängen von Pflegedienst und Sterbe-Event-Management befreit. Das Sterben am Meer hat man oft gesehen in Filmen. Bei Friedemann Fromm ist es ein Bild voller Zärtlichkeit. Und mehr noch: Der weite Blick dürfte auch beim Zuschauer emotionale Schleusen öffnen, und er liefert einen Freiraum, um das Gesehene nachschwingen zu lassen. „Komm, schöner Tod“ steht in der Tradition der gesellschaftlich relevanten Science-Fiction eines Rainer Erler ("Das Blaue Palais") und ist doch ganz anders! (Text-Stand: 9.3.2012)

      Matz & Krückeberg
      Foto: ZDF / Julia Terjung

      Die Schleusen öffnen sich. "Der Film will keine großen Antworten geben, aber ich hoffe, dass ein Gefühl entsteht", so Autor-Regisseur Friedemann Fromm. "Am Anfang einer guten Idee steht immer ein Gefühl." Katharina Matz, H.W. Krückeberg

      Rainer Tittelbach arbeitet seit über 25 Jahren als TV-Kritiker & Medienjournalist. Er ist Grimme-Juror & FSF-Prüfer. Seit 2009 betreibt er tittelbach.tv. Mehr


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      „Komm, schöner Tod“
      ZDF / Fernsehfilm / Gesellschaftsdrama
      EA: 5.4.2012, 22.15 Uhr (ZDF)
      Mit Dietrich Hollinderbäumer, Herbert Knaup, Anna Loos, Leslie Malton, Peter Franke, Katharina Matz, Heinz W. Krückeberg, Simon Eckert und Marie Gruber
      Drehbuch: Friedemann Fromm
      Regie: Friedemann Fromm
      frei nach dem Roman „Die Erlöser AG“ von Björn Kern
      Kamera: Sonja Rom
      Schnitt: Inge Bohmann
      Produktionsfirma: Ziegler Film
      Quote: 1,39 Mio. Zuschauer


      Bewertung: 4,5 von 6


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