Wie ein Licht in der Nacht
    • Fernsehfilm „Wie ein Licht in der Nacht“

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      "Mein Vater, seine Freunde & das ganz schnelle Geld" (Mediathek)

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      Christiane Hörbiger, Klaus J. Behrendt, Thorsten Näter & Licht im Degeto-Dunkel

      Rainer Tittelbach
      „Wie ein Licht in der Nacht“ erzählt das Drama einer Alkoholikerin, die mehr und mehr die Leere in ihrem Leben zu spüren bekommt und die nichts von einer Sucht hören möchte. Der Film lässt sich Zeit mit dem Abstieg. Die Heldin wurde von Autor Thorsten Näter gut grundiert, wirkt plausibel, entsprechend stimmig ist Christiane Hörbigers Psychogramm. Die ästhetische Degeto-Oberflächlichkeit forciert – über die Geschichte hinaus – die Fallhöhe. Klare, moderne Bildsprache, stimmiger Erzählfluss, groß(artig)e Szenen.

      Christiane Hörbiger
      Foto: Degeto / Svenja von Schultzendorff

      Carlas ständiger Begleiter: zunächst Champagner, dann Cognac. Christiane Hörbiger

      „Irgendwann habe ich den Anschluss verpasst – als hätte ich beim Umsteigen den falschen Bahnhof erwischt und dann ist kein Zug mehr gekommen, der mich wieder dahin zurückgebracht hat, wo Anderen sind.“ Carla weiß, dass sie Vieles in ihrem Leben falsch gemacht hat. Sie war die perfekte Maklerin, aber eine lausige Mutter. Jeder Verkauf einer Luxusimmobilie gab ihr den Kick, der sie weiter funktionieren ließ. Und gab es Durststrecken, half ihr die Hausmarke. Ihr Ehemann verließ sie, weil er ihren Niedergang ahnte, sie sich aber nicht helfen lassen wollte. Jetzt ist Carla in Rente gegangen. Ein ideales Ereignis, um nach außen die glückliche und zufriedene Frau von Welt zu geben. Doch innen drinnen sieht es anders aus. Da klafft ein tiefes Loch. Carla ist einsam, sie hat die Sympathien ihrer Liebsten verspielt. König Alkohol wird ihr ständiger Begleiter. Von nun an geht’s bergab.

      Hörbiger & Simon
      Foto: Degeto / Svenja von Schultzendorff

      Hoch emotionale Szene. Angestauter Schmerz bricht sich Bahn. Hörbiger und Simon

      „Wie ein Licht in der Nacht“ erzählt das Drama einer Alkoholikerin, die mehr und mehr die Leere in ihrem Leben zu spüren bekommt und die nichts von einer Sucht hören möchte. Der Film lässt sich Zeit mit dem Abstieg. Anfangs lebt die Geschichte auch vom Kontrast zu den vielen anderen Hörbiger-Figuren, die die Kurve kriegen und strahlend ihren Weg gehen. Man mag es kaum glauben, dass diese nach außen so vor Selbstbewusstsein strotzende Frau in Richtung Abgrund taumelt. Der bestimmende Unterton bleibt solange, bis fast gar nichts mehr geht. Die Psychologie und Soziologie der Heldin ist gut grundiert, wirkt plausibel, auf den ersten wie den zweiten Blick, und entsprechend stimmig ist das Psychogramm, das Christiane Hörbiger am Ende abliefert. Auch die Fallhöhe trägt zur Effizienz der Geschichte bei. Das Drehbuch von Thorsten Näter überzeugt insgesamt. Die Nebengeschichten um den von Klaus J. Behrendt gespielten Hausmeister, der sich erst spät als trockener Alkoholiker zu erkennen gibt, werden – anfangs mit kleinen Fragezeichen – in die Haupthandlung integriert. Näter, der sich als Sozialkrimi-Experte einen Namen gemacht hat und der es in diesem Genre gerne krachen lässt, zeigt bei „Wie ein Licht in der Nacht“, wo seine eigentlichen Stärken liegen.

      Behrendt & Hörbiger
      Foto: Degeto / Svenja von Schultzendorff

      Der Einzige, von dem sich Carla helfen lässt: der Hausmeister (Klaus J. Behrendt)

      In diesem Film ist sogar die ästhetische Degeto-Oberflächlichkeit mal zu etwas nutze. Die schöne Aufgeräumtheit der ersten Szenen bietet einen besonders wirkungsvollen Kontrast zum nachfolgenden Niedergang. Inszenatorisch überzeugt der Film von Florian Baxmeyer durch die klare, moderne Bildsprache und einen stimmigen Erzählfluss mit dem nötigen Gefälle. Die zahlreichen Solo-Szenen mit Hörbiger sind eine Herausforderung, für die der Regisseur gute visuelle Lösungen findet. Glanzstück: die Abschiedsszene zwischen Mutter und Tochter am Flughafen, in der die von beiden angestauten Gefühle voll zum Ausbruch kommen. Zwei Frauen, zwischen ihnen eine Glasscheibe, Tränen, ein tiefer Schmerz über all das, was in dieser Beziehung falsch gelaufen ist, bricht sich Bahn. Die Glasscheibe als Spiegel der Seele. Und noch eine Metapher: Der Filmtitel lässt sich übertragen auf die Degeto-Produktionen. Verglichen mit dem, was die ARD-Tochter seit Jahren so massenhaft auswirft, nimmt sich dieses leise, behutsame Drama tatsächlich wie ein Licht in der Nacht aus.

      Rainer Tittelbach arbeitet seit über 25 Jahren als TV-Kritiker & Medienjournalist. Er ist Grimme-Juror & FSF-Prüfer. Seit 2009 betreibt er tittelbach.tv. Mehr


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      „Wie ein Licht in der Nacht“
      Degeto / Fernsehfilm / Drama
      EA: 26.4.2011, 20.15 Uhr (ARD)
      Mit Christiane Hörbiger, Klaus J. Behrendt, Friedrich von Thun, Susanna Simon, Jodie Leslie Ahlborn, Anja Antonowicz und Arnd Klawitter
      Drehbuch: Thorsten Näter
      Regie: Florian Baxmeyer
      Soundtrack: Sister Sledge („We are the family“)
      Produktionsfirma: Aspekt Telefilm
      Quote: 6,25 Mio. Zuschauer (18,7% MA)


      Bewertung: 4,5 von 6



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