12 heißt – Ich liebe dich
    • Fernsehfilm „12 heißt – Ich liebe dich“

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      MDR, 07.02.2013, 12:30 Uhr - Wiederholung

      Es ist keine bequeme Wahrheit: die DDR einmal nicht in Schwarzweiß

      Rainer Tittelbach
      Tatort Stasi-Knast - Liebe zwischen Täter und Opfer. Ein Stück Diskussionsfernsehen mit zwei tollen Schauspielern: Claudia Michelsen und Devid Striesow. Ein Kammerspiel nach einer wahren Begebenheit. Es gab Proteste der Opferverbände gegen die Ausstrahlung.

      Die Geschichte klingt, als ob mit einem Drehbuchautor die Phantasie durchgegangen wäre: Während einer achtmonatigen Untersuchungshaft im Stasi-Knast verlieben sich eine junge Frau, die wegen verbotener Westkontakte verhaftet wurde, und der ihr zugeteilte Stasi-Offizier ineinander. Liebe auf den ersten Blick zwischen Täter und Opfer? Das kann es geben. Der Film von Connie Walther entstand jedenfalls nach einer wahren Begebenheit. Die Staatsfeindin Regina Kaiser verliebt sich 1981 in Uwe Karlstedt, den Mann, der sie fast täglich verhört. 16 Jahre später spürt die Frau ihren „Vernehmer“ wieder auf. Sie heiraten und leben heute in der Nähe von Berlin. In ihrem Buch „12 heißt: Ich liebe dich“ protokollieren sie nicht nur ihre Liebe, sondern arbeiten auch mutig ihre Vergangenheit als Opfer und Täter auf.

      Striesow & Michelsen
      Foto: MDR / SWR

      Devid Striesow &

      Claudia Michelsen

      Striesow & Michelsen
      Foto: MDR / SWR

      Claudia Michelsen

      Der MDR, bekannt für Rührstücke, ist das Wagnis eingegangen und hat die Geschichte verfilmt. Nicht als Liebes-Schmonzette, sondern als ein aufregendes Stück Diskussions-TV – das darüber hinaus noch herausragend gemacht ist. Dass der Film von Seiten der Opfer-Verbände auf Kritik stieß, weil er die Tätigkeit der Stasi verharmlose, muss akzeptiert werden und ist menschlich nachvollziehbar. Der Protest basiert aber allein auf der Kenntnis der Handlung. „Alle reden über einen Film, den sie noch nicht gesehen haben“, wundert sich die Regisseurin. Bereits vor einem Jahr, als Connie Walther noch im Schnitt saß, kritisierte der Leiter der Berliner Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen den Film: es dürfe nicht der Eindruck entstehen, die Untersuchungshaft sei eine Art „Ehe-Anbahnungsinstitut“ gewesen.

      Die Bedenkenträger sollten sich den Film genau anschauen. Geschönt wird hier nichts. Der Aufenthalt im Stasi-Knast ist keine Romanze und wird auch nicht so dargestellt. „Gesicht zur Wand! Na, wird’s bald! Setzen! Hände auf die Decke!“ Das ist seelische Folter. Die lässt sich im Gesicht von Claudia Michelsen ablesen; die aufkommende Sympathie für den ungemein freundlichen, da verliebten Vernehmungs-Offizier bleibt nur eine Ahnung. Walther: „Die wachsende Zuneigung füreinander erlauben sie sich nur kodiert – mit kleinen Gesten, Zeichen, Zahlen.“ Erst ganz am Ende: ein Kuss, eine Umarmung.

      Geschickt verschachtelt das Drehbuch von Scarlett Kleint die Vernehmungen mit der Realität 12 Jahre später: die weibliche Heldin führt Besucher durch das Stasigefängnis, in dem sie drei Jahre einsaß. Aber sie will mehr wissen, will wissen, was die Täter gedacht haben. Das war auch der Antrieb von Regina Kaiser damals. „Rache war und ist für mich bei allem erlebten Unrecht kein Lebensprinzip“, sagt sie. „Ich empfinde meinem Mann gegenüber heute tiefen Respekt, weil er sich den schmerzlichen Fragen nach seiner Verantwortung und seiner Mitwirkung im Repressionssystem der DDR stellt wie kaum ein anderer seiner ‚Kollegen’.“ Für Kleint ist der Film „ein Gleichnis für menschliche Größe“.

      Striesow, Michelsen, May
      Foto: MDR / SWR / Junghans

      Vernehmung im Stasi-Knast. Devid Striesow, Claudia Michelsen, Roland May

      „12 heißt: Ich liebe dich“ macht in Sachen DDR-Aufarbeitung da weiter, wo das NVA-Drama „An die Grenze“ aufgehört hat. Die DDR einmal nicht als Schwarzweiß-Gemälde. Es ist keine bequeme Wahrheit, nach der dieser Film sucht. „Simple Täter- und Opferklassifizierungen reichen nicht aus; es gibt immer nur die spezifische Situation, die individuelle Geschichte“, betont Claudia Michelsen. Sie und ihr Partner Devid Striesow („der Mann wusste es nicht besser, der hat einfach nur funktioniert“) machen dieses politisch brisante Kammerspiel auch von Darstellerseite zu einem TV-Ereignis. (Text-Stand: 16.4.2008)

      Rainer Tittelbach arbeitet seit über 25 Jahren als TV-Kritiker & Medienjournalist. Er ist Grimme-Juror & FSF-Prüfer. Seit 2009 betreibt er tittelbach.tv. Mehr


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      „12 heißt – Ich liebe dich“
      MDR / Fernsehfilm / Politdrama
      EA: 16.04.2008, 20.15 Uhr (ARD)
      Mit Claudia Michelsen, Devid Striesow, Michael Krabbe, Winnie Böwe und Nina Franoszek
      Drehbuch: Scarlett Kleint
      Regie: Connie Walther
      Produktionsfirma: UFA Fernsehproduktion GmbH
      Quote: 4,83 Mio. Zuschauer (15,4% MA)


      Bewertung: 5,0 von 6



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