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Die Idee vom traurigen Gespenst, das auf ewig zum Spuken verdammt ist und von einem Kind vom Fluch erlöst wird, hätte Hollywood nicht besser erfinden können. Isabel Kleefeld hat sich die Geschichte im Übrigen nicht selber ausgedacht, sondern Oscar Wilde, und filmisch stand der Kinogeist „Casper“ Pate. Friede-Freude-Eierkuchen-Märchen und ein sehr gelungener Versuch, ein vergessenes Kinogenre für den Bildschirm zu reaktivieren. mehr
Franz Xaver Bogner recherchierte die Entstehungsgeschichte von "Stille Nacht, Heilige Nacht" – und er stieß dabei auf einen hochdramatischen gesellschaftlichen Konfliktstoff. Das Weihnachtslied als Hymne der armen Leute & als eine Art Bergler-Blues. Geschrieben von einem sozial engagierten Gottesmann. „Kein seliger Heimatfilm, eher ein Politkrimi“, so Bogner. Großartig besetzt, wuchtig gespielt, anarchisch, archaisch – ein Evergreen! mehr
Wie bei der Heldin in ihrem Wohnbunker so sucht man auch bei diesem Film vergeblich nach einer Seele. Es ist gefühlt der 999. Film nach „Jenseits von Afrika“, in dem ein Europäer auf dem schwarzen Kontinent seine kleine Erleuchtung findet. Drei gute Schauspieler, eine grandiose Landschaft, ein Licht, das jeden Fotografen entzückt, ein Drehbuch, dem einige Genre-Optionen offen stehen. Doch was macht die Autorin? Sie gibt von allem etwas: ein bisschen Melodram, etwas Abenteuerfilm, eine Spur Krimi und ein Hauch Komödie. mehr
„Der Eisenhans“, frei nach den Gebrüder Grimm, erzählt von der Mannwerdung eines Prinzen, der sich vom Mutterschoß löst, der die Vorzüge der Kultur zu schätzen weiß, ohne die Verbindung zu seiner männlichen "Natur" zu verlieren. Ein universaler, zeitloser Stoff. Nicht umsonst gehört Robert Blys „Eisenhans“, eine mythologisch fundierte Suche nach der ursprünglichen Männlichkeit zwischen Chauvi und Softie, zu den Kultbüchern der neuen Männerbewegung. Fazit: starke Männer, starkes Märchen, starker Film. mehr
Ein Mitschüler kommt an ein intimes Video von Filmfreak Jakob. Die Hormone laufen Amok. Er weiß, was sich mit dem "Material" alles machen lässt. Die Kamera, die dem 15-Jährigen die „böse Welt“ auf Distanz hielt, wird Jakobs größter Feind. "Homevideo" erzählt von medialem Mobbing und einer Form der Mediatisierung von Wirklichkeit, die "wertvolle" Sozialpraktiken schleichend verändert. Der Film erzählt aus der Opfer-Perspektive. Darüber, was den Jugendlichen im Film fehlt, Empathie, wird der Zuschauer in die Geschichte hineingezogen. Diese Tragödie konsequent subjektiv zu erzählen, nicht vornehmlich einen sozialkritischen Diskurs zu führen und ebenso auf eine genrehafte Zuspitzung zu verzichten – das macht „Homevideo“ eine Spur radikaler als "Wut" oder "Ihr könnt euch niemals sicher sein". mehr
Die Freundin einer unerwartet und unter mysteriös Umständen verstorbenen Frau kommt hinter deren Doppelleben, findet Indizien dafür, dass sie ermordet wurde, und gerät durch die dreiste Art zu ermitteln selbst in Lebensgefahr. Solider, etwas bieder geratener ZDF-Krimi nach einem viel gelobten Kriminalroman von Maarten ’t Hart. Jürgen Vogel bringt's! mehr
Weihnachten im Kreise der Familie. „Ich werd’ alles so machen, wie es früher bei uns war“, sagt die Oma. „Konsumterror“, schnaubt der Sohn. Das Töchterchen verträgt den Eierlikör nicht, und die entnervte Hausfrau greift zur Pulle. Da verliert selbst Papa seinen Hundeblick. Wo lässt sich die Psyche einer Familie besser studieren als am Fest der Feste? Die Autorin Ulli Schwarzenberger hat ebenso liebe- wie lustvoll reingepiekst in das Geschwülst der falschen Sentimentalität. Ein TV-Klassiker zur Weihnachtszeit! Typisch Schwarzenberger. mehr
„Ein Fall für Fingerhut“ ergeht sich in der klassischen Krimifrage „Wer war’s“? Die Einheit von Raum, Zeit, Handlung und Witz bietet eine nostalgische Grundstimmung, besonders für den, der mit Margarethe Rutherfords Miss Marple oder „Dem Täter auf der Spur“ groß geworden ist. Stratmann feiert in dieser Schnurre ein viel versprechendes Film-Debüt. mehr
Ein Polizist wurde 1970 von einem RAF-Mitglied erschossen. Die Kronzeugenregelung verhinderte eine Bestrafung. 41 Jahre später folgt die Witwe der Spur der Verantwortlichen von damals. Hartmut Schoen blendet die politische Dimension aus. So konsequent privat diese Reise in die Vergangenheit ist, so puristisch ist sie gleichsam umgesetzt. Eine am Szenischen, am Schauspieler orientierte Dramaturgie, eine strenge, reduzierte Form, eine karge Ausstattung bestimmen den Film, der sich nicht in die Obhut eines Genres begibt, und verleihen ihm eine trockene Poesie. Senta Berger auf dem Höhepunkt ihrer Kunst. mehr
"Ein guter Sommer" – eigentlich sind es nur ein paar Tage. Ein paar Tage, in denen sich drei Menschen begegnen, die sich nie begegnet wären, wenn nicht einer von ihnen mit geradezu infantiler Penetranz die Nähe gesucht hätte. Edward Bergers Fernsehfilm ist wie ein „kleiner“ Kinofilm erzählt – ausschnitthaft, elliptisch, sprunghaft. Es ist eine bittersüße Tragikomödie über Freundschaft, Liebe, Krankheit, Tod. Die Montage gibt den Ton an – nicht der so fernsehtypische früh ausgegebene Spannungsbogen. Transzendenz dominiert in „Ein guter Sommer“ über kleinmütigem TV-Abbildrealismus. Und Andreas Schmidt, Jördis Triebel und Devid Striesow könnte man stundenlang bei ihrem Beziehungsalltag zuschauen. mehr
Wolfgang Stumph schlüpft in die Rolle des braven Ausfahrers und Ehemanns, der seine Arbeit verliert und sich vom Pantoffelheld zum echten Helden mausert. Gern gesehene Slapstick-Nummern, flotter Rhythmus, abgestandene Dialoge - deutsche Komödie eben! mehr
Winzer unter sich. Josef Fink hegt zarte Gefühle für Franziska Habicht. Da ist es ihm fast peinlich, dass der Weinberg seiner Nachbarin laut eines Vertags von 1602 ihm gehört... Der Streit schaukelt sich nur kurzzeitig hoch. Regina Ziegler hat offensichtlich längerfristigere Pläne mit ihren Weinpanschern. Uschi Glas ist gewöhnungsbedürftig, August Schmölzer okay und der "Ösi"-Nachwuchs eine angenehme Abwechslung im Degeto-Gesichter-Einerlei. mehr
„Wenn wir uns begegnen“ ist ein wunderbarer, telegener Pulswärmer, einer der besten Weihnachtsfernsehfilme der letzten Jahre. Eine Vielzahl von Geschichten und Schicksalen treffen am Heiligabend in einer Hamburger Klinik aufeinander. Kameramann Dragan Rogulj taucht die „Großereignisse“ Entliebung, Suizidversuch, Gehirntumor in ein warmes Licht und verbindet sie mit den vermeintlich kleinen Momenten des Lebens: dem Gefühl der Einsamkeit und der fehlenden Erfüllung. Sentimentalität: natürlich! Wahrhaftigkeit: erst recht! mehr
„Es ist schwierig für eine Mutter, das Heft aus der Hand zu geben“, sagt Corinna Harfouch. In "Rose“ spielt sie eine allein erziehende Mutter mit drei erwachsenen Söhnen. Eine Frau, die mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht, ohne ihre wilde Vergangenheit zu leugnen. mehr
„Weihnachtengel küsst man nicht“ beginnt als Sat-1-Komödien-Klon voller überzogener Gegensätze und weiblicher Mäuschenhaftigkeit. Doch dann bringen die drei Strahlegesichter Silke Bodenbender, Alwara Höfels und Simon Schwarz einigen Glanz in die stereotype Romantic-Comedy, die allerdings zu viel ernsthafte Weihnachtsrührseligkeit und zu wenig komische Einlagen in die Story einbaut. Da wäre durchaus mehr drin gewesen! mehr
Man lasse einen verdrießlichen Zeitgenossen durch die vertrauensselige Anhänglichkeit eines Kindes zum liebenswerten Menschen werden, nehme dazu eine große Portion von der “Wunderbaren Welt der Amélie” und gieße das Ganze in die Form einer Liebeskomödie. Mit Christoph Waltz und Barbara Auer kann das gelingen. Ein echtes Romantik-Highlight! mehr
Der kleine Einstein Tim und böse Großwildjäger auf der Suche nach Nessie. Bei dieser filmischen Abenteuerreise werden die Trampelpfade des Genres so richtig ausgetreten: ein bisschen Kinderfilm, ein bisschen Beziehungskomödie, ein bisschen Abenteuerfilm mit Bösewichten im Karl-May-Format. Visuell einigermaßen passabel, schlampig das Drehbuch, unterirdisch die Figuren-Zeichnung. Das Ganze ist allenfalls als Kinderfilm erträglich! mehr
Ein braver, kleiner Weihnachtsfilm, der keinem wehtun will – schon gar nicht der Titel gebenden "Weihnachtsgans". Ein bisschen ausgedacht wirkt diese Sat-1-Komödie schon, die zwischen kindlich kindisch, weißblau urig und schön grotesk pendelt. "Rettet die Weihnachtsgans" ist ein komödiantisches Schaulaufen bayerischer Urgesteine. Und handwerklich ist das auch mehr als okay – Regie führte immerhin Jörg Grünler. mehr
Die Palette der Unerträglichkeiten ist lang: ausgedachte Story, steife Exposition, unspielbare Situationen, nicht sprechbare Satzungetüme, entsprechend unbefriedigend das Spiel der Darsteller… Und doch gelingt es dem Film (bei der richtigen Gestimmtheit des Betrachters), ans Herz zu gehen. Offenbar ist doch etwas dran an der Uraltregel für den Unterhaltungsfilm, Tiere und Kinder gehen immer, ergänzt von der Rademannschen TV-Regel, Exotik & schöne Menschen sind Grundkonstanten für Erfolg. Dazu noch Erol Sander als Bilderbuchpapa! mehr
Realität oder Wahn? Eine Frau bricht aus der Psychiatrie aus, um eine Reise zu machen in die Vergangenheit ihres Mannes, der sie nicht so lieben kann wie sie ihn, und in die Düsternis des mythisch umwobenen Erzgebirges. Matthias Glasner sorgt für eine Mystery-geschwängerte TV-Märchenstunde. Silke Bodenbender nimmt den Zuschauer mit in eine verwunschene Landschaft. Jürgen Vogel und Ronald Zehrfeld komplettieren das in Physiognomie und Körperlichkeit perfekt auf die Semantik der Geschichte abgestimmte, traumhafte Trio. mehr
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