Alle Filmkritiken auf tittelbach.tv alphabetisch sortiert
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Alle 45 Minuten nimmt sich in Deutschland ein Mensch das Leben. Ein tabuisiertes Thema, auch im Fernsehfilm. „Der letzte schöne Tag“ erzählt davon, was der Selbstmord für die Hinterbliebenen bedeutet. Ein wahrhaftiger Film, der das Erzählte vom Ballast dramaturgischer Wendungen befreit, der davon lebt, dass er den erzählten Zeitrahmen klein hält und sehr genau hinschaut. Er findet eine emotionale Gemengelage vor aus Trauer, Selbstvorwürfen, Ohnmacht, Einsamkeit und Wut. Paradebeispiel für situativen Realismus & kreative Empathie seitens des Zuschauers. Perfektes Buch, überragende Schauspieler, sensible Regie. mehr
„Es gibt für alles einen Markt“, spricht sich der schüchterne Erwin selbst Mut zu, als er sich zur Brautschau nach Rumänien aufmacht. Mit Hilfe einer Heiratsagentur wird er fündig: Krankenschwester Irina gefällt ihm. Sie kann auch ein wenig Deutsch. Also nimmt er sie mit. Doch Erwins Deutschland ist nicht das, was sich die Rumänin unter Deutschland vorgestellt hat... Großartiger Film, großartige Schauspieler, Fernsehen auf Kino-Niveau. mehr
Vier Freundinnen auf dem Jakobsweg. Beim Pilgern tritt Verschüttetes an die Oberfläche, die unterschiedlichen Temperamente werden sichtbar, die Spannungen nehmen zu... Die Degeto-Produktion „Die Dienstagsfrauen“ drückt etwas stark auf die Erkenntnisdrüse, dieser dialogstarke Film ist aber insgesamt eine angenehme Abwechslung in der stofflich ziemlich phantasielosen Unterhaltungsfilm-Gattung. Kriener, Friedrich & Co sind große Klasse! mehr
Eine Frau ist vergewaltigt worden. Nach einer Party bei ihrer besten Freundin. Jemand muss ihr „K.o.-Tropfen“ ins Glas geschüttet haben. Wie soll sie zufrieden weiterleben, wenn sie nicht einmal mehr ihren Freunden trauen kann? Psychologisch wie dramaturgisch steht die Geschichte, die aus der Perspektive der Hauptfigur erzählt ist, auf sicherem Fuß. Maria Simon verleiht ihr darüber hinaus die physische Glaubwürdigkeit, die solch eine Geschichte braucht. Moralisch, (wahrnehmungs)psychologisch und ästhetisch stimmiges Psychodrama. mehr
Kinder nervig, Partner zickig und dann auch noch ein Buchungsmissgeschick, das zunächst den Urlaub und dann zwei Ehen in Gefahr bringt. Wunderbare Erfahrungen für Protagonisten wie fürs Publikum. Leichter Stoff – witzig, spritzig, frisch und lebensnah erzählt. mehr
Renaissance des Heimatfilms in der ARD: Fast 50 Jahre nach Marianne Koch macht sich Christine Neubauer mit wuchtigem Trotz und vollendeter Weiblichkeit auf, den Macho-Platzhirschen den Marsch zu blasen. Dieses Heimat-Dramolett zwischen Bauern- und Boulevatdtheater bleibt im Degeto-Rahmen, ist aber weitaus besser als befürchtet. mehr
Maja & Helmut sind ein modernes Ehepaar, sie haben alles im Griff, nur ihre Gefühle nicht. Und so sind diese 90-minütigen Szenen einer Ehe ein emotionales Auf und Ab. “Mein Uterus ist überflüssig wie ein Blinddarm, aber sein Sack ist noch voll mit lebendigen Spermien!”, schimpft die Gattin. Ihr Helmut wird noch einmal Vater! Viel Wahrheit steckt in diesen Kammerspiel, in dem die Autorin nur ein bisschen zu sehr dem Redezwang huldigt. mehr
Zwei Mädels, Mitte 60, proben den Neuanfang. Es stimmt nicht viel in diesem nach Ikea-Manier zusammen geschraubten Filmchen. Drehbuchschreiben nach Anleitung – unter weitgehender Nichtbeachtung der Realität. Das einzig Handfeste sind das Mallorca-Ambiente & die Zeichnung einiger Charaktere als Klischee-Figuren mit einer Spur empirischer Wahrheit. Und die Botschaft lautet: „So ein Schmarren, dass man alte Bäume nicht verpflanzt!“ mehr
Er war Dichter und Feldherr, Schöngeist und Despot, Frauenhasser und Menschenfeind. Zum 300. Geburtstag haben sich Arte und einige ARD-Sender daran gemacht, den Mythos von Friedrich dem Großen zu entstauben und seine Biographie einer pointierten Revision zu unterziehen. Auch die Form diese Doku-Dramas ist innovativ. Mehr Poesie, weniger Fakten, mehr Spiel, weniger bebilderte Thesen. Ein Stück intelligentes, sinnliches Bildungsfernsehen. Glänzend und nicht unironisch die Thalbachs in einer doppelten Hosenrolle. mehr
Vergreift sich der Gönner eines Dorfs an pubertierenden Mädchen? Der MDR kündigt „Die Mutprobe“ als Melodram an – vielleicht in der Hoffnung, die Erwartungen des Zuschauers so herunterschrauben zu können. Denn verglichen mit den gängigen Ein-Dorf-hält-dicht-Krimidramen oder gar dem Kunzendorf-Meisterstück „In aller Stille“ ist diese deutsch-österreichische Koproduktion mit ihrer unreflektierten, naiven Art des Erzählens indiskutabel. Unentschlossen pendelt der Film zwischen Drama, Melodram, Krimi. Verrat am Thema! mehr
Bei den Lackners hängt der Haussegen schief. “Ich wette, wenn du den Haushalt hier führen müsstest, dann würden wir spätestens in einem Monat im absoluten Chaos leben”, wettert die Herrin des Hauses. Da hält der Ehemann dagegen: “Und ich wette mit dir, wenn du die Firma leiten müsstest, dann wären wir spätestens in einem Monat pleite.” Topp, die Wette gilt! mehr
Die verheiratete Chefin einer traditionsreichen Kreuzfahrtreederei wird von einem charmanten Fremden umgarnt, dessen Werben sie nachgibt. Wenig später wird sie erpresst. Inspiriert vom Skandal um die BMW-Erbin Susanne Klatten, gäbe der Stoff in Verbindung mit Vollweib Neubauer eine passable Vorlage ab für ein saftiges Melodram mit Medienschelte & viel Gefühl. Doch den Machern fehlte zu solch einem altmodischen Melo der Mut. So ist "Kennen Sie Ihren Liebhaber?" eine konzeptionslose Krimi-Familienkitsch-Melange geworden! mehr
Der „beste Lehrer der Welt“ hat Visionen, das Lehrerdasein aber gründlich satt, da alle ihm das Leben schwer machen. Bis eines Tages ein Raunen durch Deutschland geht – weil vier seiner Schüler in einem neuerlichen Durchgang der Pisa-Untersuchungen zu den besten der Welt gehören. Komödie mit Anspruch. Ein Drahtseilakt, der weitgehend gelingt. mehr
“Die Liebe macht uns zum Narren”, heißt es in dem TV-Movie von Zoltan Spirandelli. Die verbotene Liebe als Sujet hat auch die beiden Autoren etwas aus dem Konzept gebracht. Mit einer Dramaturgie, nach der man die Uhr stellen kann, haben sie alle erdenklichen Klischees zum Thema in das TV-Movie gepackt. Schade um Schweighöfer und Mitterhammer. mehr
Ein freakiger Musiklehrer, der auf Rockmusik steht und Sozialpädagogik verabscheut, ist zum Mediator in einem Sorgerechtsfall bestimmt worden. Weil er mit der Frau ins Bett will, gibt er sein Bestes. Aber reicht das? Es gibt Filme, an denen man einiges aussetzen kann, die sich aber gegen Kritik sperren. „Mein Schüler, meine Mutter und ich“ ist ein solcher Film. Vieles könnte man peinlich finden an der "Old School"-Haltung des Helden. Auch die Art, wie die 40 Songs in den nostalgieumflorten Film gemischt werden, zeugt von wenig Fingerspitzengefühl. Egal, dann macht man eben aus dem Filmgucken ein munteres Popmusikstückeraten! mehr
Jugendgang bedroht Alt-68er, der nicht länger weggucken mag. „Zivilcourage“ ist ein Beitrag zur gesellschaftspolitischen, kulturellen und moralischen Lage der Nation. Ein Film, der Fragen aufwirft und an den Fall Dominik Brunner erinnert. „Zivilcourage“ ist aber auch ein ästhetisch stimmungsvoller Film, der sein Thema und die Art und Weise seiner Darstellung gleichermaßen ernst nimmt. Zahavis Berlin Kreuzberg sieht aus wie Scorseses Bronx. mehr
Manuela gönnt ihrem Herzen eine Generalüberholung und ihrem Leben einen neuen Schritt-Macher. Sie lernt die Leichtigkeit des südländischen Seins und wirkt am Ende italienischer als ihr treuloser Tino. "Salto Vitale" findet erst im zweiten Teil seine Tonart, kommt dann aber umso besser in Schwung. Jutta Speidel im kleinen Schwarzen oder hinter weißer Larve ist so richtig in ihrem Element. Da muss man nicht jedes Klischee auf die Goldwaage legen. mehr
Eine Frau, Mitte 30, eine angesehene Gourmetkritikerin, attraktiv, blendendes Aussehen – und doch wirkt sie gehemmt, unsicher, unnahbar. „Der Duft von Holunder“, eine Therapiesitzung als Sommerfilm verkleidet, hat etwas von einem Zwiegespräch auf dem Weg zur inneren Erkenntnis. Es ist ein Film über das „verletzte Kind“, über Freundschaft, über Selbstfindung und das ewige Spiel zwischen persönlicher Freiheit und Kollektivzwang, zwischen dem Wunsch, dazu zu gehören, und dem tiefen Bedürfnis, sich seinen Eigensinn zu bewahren. Melika Foroutan ist die Idealbesetzung dieses sensiblen, lebensklugen (Degeto-)Films. mehr
1990, auf einem Luxus-Liner erkennt eine ehemalige "Nazisse" in einem höflichen Professor den vermeintlichen Mörder ihres Mannes. Oder war alles ganz anders im Sudetenland 1945? „Die lange Welle hinterm Kiel“ nach dem Roman von Pavel Kohout ist ein Lehrstück über die Relativität erlebter Geschichte. Ein Film über Schuld und Sühne, über Liebe und späte Vergebung. Ein Konversationsstück, ein Schauspielerstück, ein Kammerspiel auf See. mehr
Ein wunderbarer (Parabel-)Stoff nicht nur in Zeiten von Bankenskandalen und Eurokrise. „Die Verführerin Adele Spitzeder“ um das legendäre „Bankfräulein“ ringt dem aktuellen Thema im historischen Gewand etwas Allgemeingültiges ab, besitzt nichts Zeigefingerhaftes und bleibt immer ein großartiges, sinnliches Spiel, das von der Präzision erfahrener Theaterschauspieler (eine Wucht: Birgit Minichmayr) und den brillianten Texten getragen wird. Die Heldin begreift das Leben als ästhetisches Gesamtkunstwerk. Da ist Xaver Schwarzenberger gefordert! mehr
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