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„Mädchen über Bord“ gerät - trotz der Absicht, eine Romantic Comedy zu sein, trotz einer Heldin mit Meeresphobie und trotz Christoph Maria Herbst - viel zu selten in komödiantische Schräglage. "Traumschiff" für die Pro-Sieben-Zielgruppe von "Tatort"-Regisseur! mehr
Sommer 1913. Es war die Zeit, als Zucht und Ordnung herrschte und die Damen der besseren Gesellschaft stets um „Contenance“ bemüht waren. Bereits der elegant gebaute, mit feiner Ironie gespickte Roman, der in der Sommerfrische an der Ostsee eine Reihe unterschiedlichster Menschen zusammen führt, liest sich kurzweilig. Die ZDF-Verfilmung nimmt diese Leichtigkeit auf und transportiert sie meisterlich in das Medium Film. mehr
Ein Massaker in der schwedischen Provinz. Eine Richterin, die selbst Bekanntschaft mit dem Killer macht, will den Tod ihrer Eltern aufklären. Dabei verschlägt es sie nach China... „Der Chinese“ nach Mankell ist ein 175-minütiges Spiel mit dem Schrecken. Eine Art filmischer Sekundenstil dominiert die Filmerzählung. Die Phänomenologie des Augenscheins (inklusive schwedischer Düster-Look & asiatischer Hochglanz) setzt sich hier auch gegenüber der Psychologie des Alltags durch, wie sie in TV-Krimis üblich ist. Stark: Suzanne von Borsody. Ein packender TV-Thriller. Nur die Zivilisationskritik muss man bei Mankell nachlesen. mehr
Nach einigen erfreulicheren Degeto-Produktionen wie „So ein Schlamassel“ oder „Zimmer mit Tante“ macht die romantische Komödie „Männer lügen nicht“ dem Negativ-Image der ARD-Tochter alle Ehre. Bettina Woernle hat nach einem erschreckend läppischen Drehbuch ein Schlager-Urlaubsfilmchen gedreht – ganz im Stile der 60er Jahre. Billig, billig, billig! mehr
Im Mittelpunkt des RTL-Pilotfilms „Die Trixxer“ stehen vier charmante Gauner, die im Auftrag von Moral und Gerechtigkeit unterwegs sind. Robin-Hood-Philosophie in Gaunerkomödien-Verpackung. Viel Look, hohes Tempo, wenig substanzielle Handlung, sattsam erprobte Genre-Situationen – und kleine Jokes heben das Betriebsklima. Linearität und Überraschungseffekte als oberste Dramaturgen-Pflicht, Zwischentöne und Mitdenken des Zuschauers unerwünscht. Nicht gerade innovativ – als RTL-Serie aber gut denkbar... mehr
Genau 50 Jahre ist es her, dass die Produzenten-Legende Gyula Trebitsch „Die Zürcher Verlobung“ nach einem Roman von Barbara Noack fürs Nachkriegskino auflegte. Das Remake, produziert von Sohn Markus Trebitsch, hält sich sehr genau an das Original. mehr
Ein Freundschaftsdrama aus dem Bergsteiger- und Klettermilieu ist eine willkommene Abwechslung. Zwischenmenschliches dominiert, dennoch besticht „Die Route“ zunächst durch die beeindruckenden, aber nie dramatisch hochgejazzten Bilder aus dem Berg. Danach kränkeln die Helden und ein wenig auch die Dramaturgie. Doch am Ende zieht die Handlung noch mal an. Ein versöhnliches Finale – nicht nur wegen der perfekten Besetzung! mehr
Zwei Arbeitslose & ein Demenzkranker geben ihrem Leben einen neuen Sinn. „Ein Schnitzel für drei“ ist ein Film über Freundschaft, der vom großen Frust und vom kleinen Glück erzählt, der von Mutterwitz und einer tiefen Moral beseelt ist. Die Ruhrpott-Komödie verzichtet auf Pointen und verbale Gags. Die Figuren tragen nicht den Witz, sondern Realitätssinn auf der Zunge und die Schauspieler glänzen mit brillantem Timing. mehr
Gelungener Familienfilm um eine Frau, die zwar zwei pubertierende Kinder alleine erzieht, in Bezug auf Männer aber noch immer nicht erwachsen werden möchte. Immer wenn ihr einer zu nahe kommt, sucht sie das Weite... “Unsere Mama ist halt anders” lebt von Martina Gedeck. Kokett spielt sie die Kleinstadt-Schöne, die sich immer wieder blauäugig auf das Abenteuer Leben einlässt. Leicht und lebensklug. Ein Unterhaltungsfilm-Lichtblick! mehr
Wann ist ein Mann ein Mann? Hans Mittelstädt alias Jan Josef Liefers weiß das schon lange nicht mehr. Er weiß nur, er will nicht zulassen, dass seine Ex ihm seinen Sohn entzieht. Drehbuchautorin Silke Zertz hat viel Amüsantes zum Thema „Männer in der Krise“ aus dem Zettelkasten gezogen. Trotz wenig Fallhöhe ist mit dem männerbewegten "Knuddelbär" & Sympathieträger Liefers der Drops gelutscht. Da wird die härteste Feministin weich. Komödie darf alles – nur nicht langweilen. Das beherzigt der Film und legt ein prima Tempo vor. mehr
Bis die Schwestern und Wöller die Kurve ins Mittelmeer kriegen, wirbelt reichlich Kunstschnee durch die Lüfte. Auf dem Luxusdampfer in Richtung Casablanca ist dann einiges mehr los. Hanna Jakobi bekommt alle Hände voll zu tun. Und so gehen die Kabinentüren auf und zu, geht es von der First zur No Class, vom Roulettetisch an die Bar und zurück. Serien-Rituale auf Boulevardstück getrimmt – und alle Erwartungen werden befriedigt. mehr
Die vorweihnachtliche Tragikomödie „Das Weihnachtsekel“ zeigt, wie der Titel gebende Unmensch von sechs anderen Menschenkindern in einer schicksalhaften Schneegestöber-
Nacht bekehrt wird. Leichtgewichtiges Degeto-Krippenspiel mit Läuterungsgarantie mehr
Allein erziehender, vom Schicksal gebeutelter Ex-Sternekoch bemitleidet sich selbst – bis ihm eine ebenfalls allein erziehende Richterin den Marsch bläst und dann sein Herz entflammt. Diese rührselige Liebesmär lebt vom Mythos Weihnachten, setzt auf die Erinnerung an die Kindheit, an ungestillte Sehnsüchte, auf naive Gefühle, derer man sich zumindest vier Wochen im Jahr nicht zu schämen braucht. Das romantische Paar ist keineswegs uncharmant! mehr
Franz Xaver Bogner recherchierte die Entstehungsgeschichte von "Stille Nacht, Heilige Nacht" – und er stieß dabei auf einen hochdramatischen gesellschaftlichen Konfliktstoff. Das Weihnachtslied als Hymne der armen Leute & als eine Art Bergler-Blues. Geschrieben von einem sozial engagierten Gottesmann. „Kein seliger Heimatfilm, eher ein Politkrimi“, so Bogner. Großartig besetzt, wuchtig gespielt, anarchisch, archaisch – ein Evergreen! mehr
„Der Eisenhans“, frei nach den Gebrüder Grimm, erzählt von der Mannwerdung eines Prinzen, der sich vom Mutterschoß löst, der die Vorzüge der Kultur zu schätzen weiß, ohne die Verbindung zu seiner männlichen "Natur" zu verlieren. Ein universaler, zeitloser Stoff. Nicht umsonst gehört Robert Blys „Eisenhans“, eine mythologisch fundierte Suche nach der ursprünglichen Männlichkeit zwischen Chauvi und Softie, zu den Kultbüchern der neuen Männerbewegung. Fazit: starke Männer, starkes Märchen, starker Film. mehr
Ein Mitschüler kommt an ein intimes Video von Filmfreak Jakob. Die Hormone laufen Amok. Er weiß, was sich mit dem "Material" alles machen lässt. Die Kamera, die dem 15-Jährigen die „böse Welt“ auf Distanz hielt, wird Jakobs größter Feind. "Homevideo" erzählt von medialem Mobbing und einer Form der Mediatisierung von Wirklichkeit, die "wertvolle" Sozialpraktiken schleichend verändert. Der Film erzählt aus der Opfer-Perspektive. Darüber, was den Jugendlichen im Film fehlt, Empathie, wird der Zuschauer in die Geschichte hineingezogen. Diese Tragödie konsequent subjektiv zu erzählen, nicht vornehmlich einen sozialkritischen Diskurs zu führen und ebenso auf eine genrehafte Zuspitzung zu verzichten – das macht „Homevideo“ eine Spur radikaler als "Wut" oder "Ihr könnt euch niemals sicher sein". mehr
Die Freundin einer unerwartet und unter mysteriös Umständen verstorbenen Frau kommt hinter deren Doppelleben, findet Indizien dafür, dass sie ermordet wurde, und gerät durch die dreiste Art zu ermitteln selbst in Lebensgefahr. Solider, etwas bieder geratener ZDF-Krimi nach einem viel gelobten Kriminalroman von Maarten ’t Hart. Jürgen Vogel bringt's! mehr
Weihnachten im Kreise der Familie. „Ich werd’ alles so machen, wie es früher bei uns war“, sagt die Oma. „Konsumterror“, schnaubt der Sohn. Das Töchterchen verträgt den Eierlikör nicht, und die entnervte Hausfrau greift zur Pulle. Da verliert selbst Papa seinen Hundeblick. Wo lässt sich die Psyche einer Familie besser studieren als am Fest der Feste? Die Autorin Ulli Schwarzenberger hat ebenso liebe- wie lustvoll reingepiekst in das Geschwülst der falschen Sentimentalität. Ein TV-Klassiker zur Weihnachtszeit! Typisch Schwarzenberger. mehr
„Ein Fall für Fingerhut“ ergeht sich in der klassischen Krimifrage „Wer war’s“? Die Einheit von Raum, Zeit, Handlung und Witz bietet eine nostalgische Grundstimmung, besonders für den, der mit Margarethe Rutherfords Miss Marple oder „Dem Täter auf der Spur“ groß geworden ist. Stratmann feiert in dieser Schnurre ein viel versprechendes Film-Debüt. mehr
Ein Polizist wurde 1970 von einem RAF-Mitglied erschossen. Die Kronzeugenregelung verhinderte eine Bestrafung. 41 Jahre später folgt die Witwe der Spur der Verantwortlichen von damals. Hartmut Schoen blendet die politische Dimension aus. So konsequent privat diese Reise in die Vergangenheit ist, so puristisch ist sie gleichsam umgesetzt. Eine am Szenischen, am Schauspieler orientierte Dramaturgie, eine strenge, reduzierte Form, eine karge Ausstattung bestimmen den Film, der sich nicht in die Obhut eines Genres begibt, und verleihen ihm eine trockene Poesie. Senta Berger auf dem Höhepunkt ihrer Kunst. mehr
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