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Eine Münchner Glasereibesitzerin sieht einer Bauunternehmerin zum Verwechseln ähnlich. Die eine ist liebenswert, die andere ein Ekel. Das merkt auch bald der Ehemann des Miststücks. Der Film von Nikolai Müllerschön ist pures Vergnügen. Es ist eine Komödie, die mit den Jahrzehnte alten Ingredienzien des Genres arbeitet und zugleich eine ungemeine Frische und verhaltene Menschlichkeit an den Tag legt. Die Geschichte kreist um einen wunderbaren Charakter und der Film besitzt einen nicht weniger wunderbaren Flow, der im Detail „realistisch“ akzentuiert wird durch eine Bildsprache mit einer enorm beweglichen Kamera, die den Menschen in den Mittelpunkt rückt. Und Jutta Speidel ist zum Niederknien! mehr
"Mord am Meer" von Matti Geschonneck ist ein spannender Thriller über zwei Kapitel aus der jüngsten deutsch-deutschen Polit-Vergangenheit: Stasi meets RAF! Es beginnt wie ein Krimi. Nachhaltige Story, spannend, großartig gespielt. Und der Zuschauer muss mitdenken. mehr
Ein Findelkind vor der Wohnungstür lässt zwei benachbarte Stinkstiefel die Zankerei vergessen. Fritz Wepper in seiner Paraderolle. Dafür, wie überraschungsarm „Baby frei Haus“ ist, besitzt diese boulevardeske Komödie einen überraschend hohen Unterhaltungswert. mehr
„Wie ein Licht in der Nacht“ erzählt das Drama einer Alkoholikerin, die mehr und mehr die Leere in ihrem Leben zu spüren bekommt und die nichts von einer Sucht hören möchte. Der Film lässt sich Zeit mit dem Abstieg. Die Heldin wurde von Autor Thorsten Näter gut grundiert, wirkt plausibel, entsprechend stimmig ist Christiane Hörbigers Psychogramm. Die ästhetische Degeto-Oberflächlichkeit forciert – über die Geschichte hinaus – die Fallhöhe. Klare, moderne Bildsprache, stimmiger Erzählfluss, groß(artig)e Szenen. mehr
Der Film, der aussieht wie ein vom Finanzamt gesponserter Werbefilm für Köln und dessen Umland, entwickelt sich zu einer naiven Anleitung zum Glücklichsein. Ein krankes Pferd, eine 14-jährige Waise, ein windiger Steuerberater und das liebe Geld sind die Stolpersteine auf dem Weg zum Happy End. Suzanne von Borsody & Peter Sattmann machen es erträglich! mehr
Zwischen Agnes und dem 13 Jahre jüngeren Leo ist es wie am ersten Tag: eine große Liebe. Als die (selbst)bestimmte Frau an Krebs erkrankt, arrangiert sie die Zukunft ihres Mannes – mit einer reizenden jungen Frau an seiner Seite und mit einem Ersatzsohn noch dazu. „Eine alte, kranke Frau mit kahlem Kopf – das hat er nicht verdient.“ Eine realitätsferne Drehbuchidee. Akzeptiert man sie, gibt es wunderbare Momente zu entdecken in diesem Melodram mit einer dicken Träne in den Augenwinkeln und Wien als (Todes-)Spielplatz. mehr
Aus einem Golfwochenende von vier Freunden, die sich nach langer Zeit wiedergefunden haben, wird eine Nabelschau: vertane Chancen, Krankheit, Entfremdung. Die erwachsene Themenpalette ändert wenig daran, dass sich Autor Martin Rauhaus mit seinen Sottisen und Zitaten verzettelt und der Film dramaturgisch nie in Schwung kommt. Größtes Manko aber ist jene komödiantische, überbetonte Boulevard-Spielart der Schauspieler, deren Schweizer Klangfarbe der Sargnagel dieses betulichen Degeto-Dramoletts vor Alpenpanorama ist. mehr
Die Kastellanin Marie auf der Suche nach ihrem geliebten Michel, verfolgt vom schwarzen Ritter. Frauen geben den Ton an in "Die Rache der Wanderhure". Sie bestimmen die große Politik, sie ebnen den Frieden, sie glauben an einen Gott des freien Willens. Alexandra Neldel, mal mit Löwenmähne, mal als Nonne, mal als Knappe ist die Lichtgestalt des überzeugend inszenierten Films, auch Bert Tischendorf als Ritter ohne Gedächtnis macht eine gute Figur. Eine Idee weniger "Frauenfilm" als der Sat-1-Überraschungserfolg "Die Wanderhure". mehr
Frankfurt, drei tote Frauen, ein paar Verdächtige, kein Motiv. „Die Braut im Schnee“ ist mehr als ein Psychopathenthriller. Der Film von Lancelot von Naso besitzt wenig klassische Krimihandlung, setzt nicht auf Fakten, sondern auf Atmosphäre. In punkto Ästhetik, Optik und Erzähldichte ist dieser im besten Sinne amerikanisch anmutende Polizeifilm noch besser als die besten Episoden von Lars Beckers Kult-Reihe "Nachtschicht". Gruppen- und Interaktionsszenen sah man hierzulande noch nie so gut in einem TV-Genrefilm. „Die Braut im Schnee“ ist – gemessen am deutschen Standard – ein rhythmisches Wunderwerk. Der Film kommt schnell zur Sache, ist spannend, besitzt klassischen Thrill, nimmt sich aber auch immer wieder Zeit, genau hinzuschauen. Und der physische Ausnahmeschauspieler Matthias Koeberlin als sympathischer Konsensbulle in in seiner bislang überzeugendsten Rolle. mehr
Anna und Max spielen ein Jahrzehnt lang „Harry & Sally“. Sie bevorzugt die Rolle einer „Braut, die sich nicht traut“, derweil er es mit Woody Allen und Groucho Marx hält, die beide nicht zu einem Club gehören möchten, der Leute wie sie als Mitglied aufnimmt. "Die Liebe ein Traum" ist zwar (leider) keine Komödie, aber der Film nach dem Buch von Stefan Rogall unterhält vorzüglich, mit ebenso viel Realitätssinn wie Phantasie. Außerdem besticht diese intelligente Romanze mit Stil und Eleganz. Der Name Schwarzenberger verpflichtet! mehr
Zwei Männer, die dieselbe Frau liebten, verschlägt es nach Istanbul, wo sie nur noch deren Tod feststellen können. Die Aktionen der beiden werden genauestens von zwei BKA-Beamten verfolgt. Die Geschichte ist schwierig zu erzählen. Sie ist verzwickt, ohne allerdings verworren zu sein. Oft steht Aussage gegen Aussage. Es wird geredet und taktiert, jeder belügt jeden. Der Rhythmus der Erzählung dominiert über den Sinn der Geschichte. Bis zum Showdown gibt es viele Fragen, eine süffige Montage und eine feine Politik der Blicke. mehr
„12 Winter“ entstand nach einer realen Vorlage. Zwischen 1988 und 2001 waren tatsächlich zwei Bankräuber zwischen NRW und Süddeutschland erfolgreich unterwegs und erbeuteten über sechs Millionen Euro. Die beiden sind keine Robin Hoods, aber sie haben sich ein Stück weit das bewahrt, was man einst Ganovenehre nannte. Stark erzählte Gangsterballade. mehr
Arbeitswütiger Sohn und lockerer Weltenbummler-Vater raufen sich zusammen und retten eine Hamburger Werft. Wayne und Howard Carpendale sind zum ersten Mal gemeinsam in einem Film zu sehen. In „Lebe dein Leben“ ist alles drin’, was das Herz begehrt: Tod, Liebe, Geld, Geschäfte, Intrige, Arbeit und die Frage nach dem Sinn des Lebens. Autor Stefan Kuhlmann hat die Ingredienzien in eine wirkungsvolle Handlungsstruktur gegossen. Das Ergebnis: ein Gratifikationshochglanzmaschinchen, das die erwarteten Bedürfnisse effektiv befriedigt. Und Howard Carpendale ist ein Wink mit dem Zaunpfahl der Populärkultur. mehr
"Einmal Toskana und zurück" ist eine "Wiederverheiratungsromanze" zwischen Olivenhainen, weinseligen Stimmungen und reichlich Klischees. Warmherzig, ohne kitschig zu wirken, vor traumhafter Kulisse: der Film macht vieles besser als andere Freitagsschmonzetten. mehr
Ein Seitensprung des werten Gatten mit der besten Freundin – da heißt es erst mal Wunden lecken, bevor in „Neue Chance zum Glück“ jene neue Chance in Form einer wohligen Familienzusammenführung genutzt wird. Um Heimatgefühl(e) und Selbstfindung geht es in diesem berührend von Sonsee Neu und Jutta Speidel gespielten Drei-Generationen-Dramolett, das voller gegenseitiger Projektionen steckt. Wohlfühlfilm aus der Lebensberatungsecke. mehr
Ein verheirateter Koch muss sich entscheiden: zweiter Stern oder seine Ehe retten? Die Antwort ist am Freitagabend in der ARD reine Formsache. Das Entscheidende bei „Linda geht tanzen“ ist aber eine andere Form-Sache. Dieses Degeto-Dramolett erzählt eine ganz alltägliche Geschichte und Karola Hattop und Regine Bielefeldt erzählen sie ähnlich, wie das Leben solche Geschichten schreibt. Das ist angenehm undramatisch und dennoch ziemlich kurzweilig. Julia Jäger gefällt als zu vertrocknen drohende Ehefrau, die wieder erblüht. mehr
In den letzten Jahren sprengten Krebs- und Leukämie-Dramen immer häufiger den Rahmen des gut gemeinten Themenfilms. „Hauptsache Leben“, „Leben wäre schön“ und „Noch einmal lieben“ sind drei bemerkenswerte und zu Recht preisgekrönte TV-Movies. Also geht man mit einigen Erwartungen an „Die Drachen besiegen“ – und könnte enttäuscht sein. mehr
Ein kummervolles Dorf auf dem Weg in eine bessere Zukunft? Kommt der Aufschwung in das trostlose Oststädtchen am See? Ein Investor aus dem aus dem Westen wird jedenfalls erwartet... Der stark besetzte Fernsehfilm bleibt politisch unverbindlich und ist nicht mehr als eine warmherzig-melancholische Heimatkomödie. Nur ein kleiner Fernsehmutmacher. mehr
Glückssuche ist in Lars Beckers Komödien meist Geldsache. Zehn Jahre vor „Schade um das schöne Geld“ ließ der Autor-Regisseur in seinem modernen Heimatfilm „Das Gelbe vom Ei“ eine Riege hochkarätiger Schauspieler zu einer launigen Schnurre voller Lokalkolorit und fernsehuntypischer Beiläufigkeit auflaufen. Muntere Komödie um Tauschbeziehungen aller Art – ohne zwerchfellerschütternde Brüller, dafür mit Lakonie und trockenem Mutterwitz. mehr
Anwältin Maria will's wissen. Als sie nach einem Unfall im Rollstuhl sitzt, schiebt sie ihr Chef aufs Abstellgleis. Sie kündigt, klagt gegen eine Klinik und zieht gegen ihren alten Partner vor Gericht. "Im Alleingang – Die Stunde der Krähen" beginnt wie ein stereotypes TV-Movie, doch der Film fängt sich rasch, belebt das David-gegen-Goliath-Prinzip, setzt sympathisch auf Läuterung und ist mit Stappenbeck, Jaenicke & Zehrfeld gut besetzt. So macht der Gang vor Gericht Laune. Kein behindertengerechtes Behindertendrama. Denkbar als Serie! mehr
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