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Eine brandenburgische Kleinstadt in den späten Neunzigern. Bauunternehmer, Bürgermeister, Sekretärin, Vertreter, die herumlungernde Jugend - alle träumen vom Aufschwung Ost. Sie bekommen ihn aber nur beinahe zu fassen. “Befreite Zone” ist eine schräge Tragikomödie über große Träume und kleinbürgerlichen Alltag. Fußball fungiert als Metapher für die Illusionen von blühenden Landschaften. Episodisch, amüsant, gut besetzt, tolles Timing. mehr
Ein Kind tötet ein anderes Kind. War es Totschlag oder ein Unfall? Eine schwere Zeit für den "Täter", seine Mutter, die Psychologin, die Eltern des Opfers. Alexander Dierbach nimmt die psychologische Grundsituation ernst, nähert sich jeder seiner Figuren respektvoll. Mit etwas mehr narrativer Reduktion und dramaturgischer Konzentration hätte es ein überragender Debütfilm werden können. So ist „Uns trennt das Leben“, der inszenatorisch eine große Klarheit besitzt, ein überaus bemerkenswerter Erstling. Großartig die Besetzung: Koschitz (perfekt), Sarnau (gut wie immer), Kinderdarsteller Jannick Brengel (bestens geführt). mehr
Telefonieren ist ihr Geschäft, Reden ihre Währung. Im richtigen Leben haben die Lohnsklaven eines Callcenters in dem ZDF-Fernsehfilm „Selbstgespräche“ zumeist das Miteinandersprechen verlernt. „Wir waren doch mal ein gutes Team“, sagt der Chef der zu seiner Frau. „Ich brauche einen Mann, keinen Coach“, entgegnet die nur entnervt. mehr
„Ich habe acht Jahre Vorsprung“, sagt die junge Frau, die im Prozess gegen ihren brutalen Freund aussagt. Die acht Jahre sind vorbei. Sie hat sie keinen Vorsprung mehr – nur noch Angst! Dieser packende TV-Film ist mehr als ein Thriller. Autor Norbert Eberlein ("Blackout") ging es auch um die psychologischen Dimensionen: um das Drama einer Frau, die mit den Regeln des Zeugenschutz’ nicht klar kommt. Mächtig präsent: Katharina Wackernagel. mehr
Eine offenbar Jahrtausende alte Mumie und die "frische Leiche" eines Vollzugsbeamten halten Thiel & Co auf Trapp. Der neue "Tatort" aus Münster ist mal wieder mehr Komödie als Krimi. Entspannte Sonntagabendunterhaltung mit einer angenehm unkomplizierten Handlung, pfiffigen Dialog-Gags & dem ritualisierten Rumgeflapse zwischen den Protagonisten. mehr
„Lächeln ist die kürzeste Verbindung zwischen zwei Menschen.“ Weil der Held dieses Lächeln nicht hinbekommt und auch sonst fast immer das Falsche sagt und tut, wird das wohl nichts mit der Liebe. In diesem Film um Entmietungsterror und Selbst-Findung im wortwörtlichen Sinne, dessen geschwätzige Exposition Schlimmes erwarten lässt, findet man als Zuschauer langsam, aber umso sicherer, Zugang zur Geschichte und zu den beiden liebenswerten Hauptfiguren. Viel Geschrei um Nichts – und man unterhält sich prächtig dabei. mehr
Yella hat eine Beziehung und eine Firma in den Sand gesetzt. Jetzt will sie es jenseits der Elbe besser machen. Die Ost-Schöne lernt schnell – Umgangsformen, Täuschen und Betrügen. Doch die Schatten der Vergangenheit lassen sie nicht los. Der Film erzählt von Schuld und Verschuldung in einer ebenso geschichtslosen wie gesichtslosen Bundesrepublik. Indem der letzte große Autorenfilmer Sinn und Sinnlichkeit koppelt, Persönliches und Politisches gegenseitig spiegelt, ist „Yella“ Beziehungsfilm und Gesellschaftsanalyse zugleich. mehr
Egal ob Alt-68er, 78er oder „Generation Golf“ – Daniel Nocke lässt seine Figuren kreisen in festgefahrenen Familien- und Gruppensituationen und den eigenen Gehirnwindungen. „Sie haben Knut“ wirft einen nostalgiefreien Blick auf die selbst ernannten Öko- und Politaktivisten der 70er Jahre. Auf einer Skihütte bahnt sich im Winter 1983 der Abgesang einer alternativen Szene an. Mit dabei: Devid Striesow, Alexandra Neldel und Daniel Nocke selbst! mehr
Ein Politiker ist ermordet worden – erschossen aus nächster Nähe. Ein Kämpfer gegen die Globalisierung oder ein Heuchler, wie seine Kinder behaupten? Der versierte Krimi-Drama-Autor-Regisseur Thorsten Näter sich einen ansehnlichen, handlungsintensiven, figurenstarken, dafür etwas überkonstruierten Whodunit ausgedacht, der die Spannung hält und der mit vielen Themen wirkungsvoll jongliert: Sein und Schein, Lüge und Betrug, Familie und Politik. mehr
Er war der Wegbereiter für all die Kommissare der härteren Gangart. Er war der erste Krimiheld, der vor einem Millionenpublikum fluchen und prügeln durfte. Und er war der erste, der den einsamen Wolf mit dem sozialen Gewissen gab. 25 Jahre soll er laut WDR im Einsatz sein. Ob Rechenfehler oder nicht – ein Hauch Schimanski kann dem Programm gestern wie heute nur gut tun. So ist auch „Tod in der Siedlung“ mit Matthias Brandt & Julia Jäger ein sozialkritischer Krimi über die Verwahrlosung der Hartz-IV-Gesellschaft geworden. mehr
„Borowski und die Frau am Fenster“ zeigt den Tathergang und ermöglicht dem Zuschauer so von Beginn an, der Psychologie der Mörderin nachspüren. Dieser vorzügliche "Tatort" lebt von überraschenden Wendungen, kleinsten Irritationen, irrwitzigen Situationen. Der Film hat etwas Beunruhigendes, sorgt aber mit Witz und Faible für Absurdes für entlastende Kontrapunkte. Und er ist nebenbei ein viel versprechender Einstieg für Sibel Kekilli! mehr
Eine handvoll Menschen, zurückgeworfen auf sich selbst. In der Ruhe der Natur tritt unter den Teppich Gekehrtes zu Tage. Thomas Arslans "Ferien" ist kein klasisches Familiendrama, wie man es von Fernsehfilmen kennt. Konflikte werden nicht hochgepeitscht, sondern aus gebührender Distanz verfolgt. Ausschnitthaftes Erzählen, dramaturgisches Understatement, ein Spiel wie bei den großen Kino-Realisten dominieren. Erholung für überreizte Sinne. mehr
Häufig kommen die Filme mit der Postdamer Kommissarin Johanna Herz und dem dienstbeflissenen Dorfpolizist Krause etwas allzu bodenständig und betulich daher. In diesem „Polizeiruf 110“ ist alles anders – besser. Und die brandenburgische Pampa lebt. mehr
„Im Brautkleid meiner Schwester“ ist eine märchenhafte Romantic Comedy, die nichts weiter als gut unterhalten will. Zwei Tage vor der Hochzeit muss die Zwillingsschwester beim Bräutigam aushelfen. Im gut getimten Film von Florian Froschmayer schnurrt das Komödien-Maschinchen wie ein Kätzchen – und zwischendurch könnte bei romantisch gestimmten Zuschauern eine Träne auf Reisen gehen. Herzallerliebste Hingucker und Sympathieträger, ein dichtes Buch und ein swingender Soundtrack gipfeln in einem eleganten Happy End. mehr
Einen Geldtransporter zu überfallen, ist harte Arbeit. Und immer muss man aufpassen, dass einen keiner über den Tisch zieht oder abknallt. Das Verbrechen ist ein Geschäftsfeld wie jedes andere in Thomas Arslans Gangsterfilm „Im Schatten“. Die Handlung wird entkernt, die Psychologie entfernt, blutig lakonisch das Schlussdrittel – das ist Genrekino nach Arthaus-Regeln im Tempo der Berliner Schule. Die entschleunigte Handlung ergibt eine besondere Wahrnehmung. So entsteht eine Spannung gesteigerten Interesses, die den Kopf & die Augen beim Sehen nicht auszuschalten versucht. Nichts für Fans von Fernsehformat-Krimis! mehr
Wo sich ein Skihase verirrt hat, da sind die Jäger zur Stelle. In „Fünf-Sterne-Kerle inklusive“ ist der Hase eine Verkäuferin, die es über ein Preisausschreiben in ein Winterparadies verschlagen hat. Und die, die zur Hatz rufen, sind vier Männer in den so genannten besten Jahren, nicht aber mit besten Absichten. Läppische Story, gekonnte Inszenierung. mehr
„Für immer daheim“ fühlt sich die Ex-Bankerin Maren Bertram in ihrer alten Heimat. Wenn nur nicht ihr Vater, der Hausherr auf einem verschuldeten Gnadenhof, so ein riesiger Hornochse wäre! Heimatfilm-Zeit in der ARD – ein bisschen ins Moderne gewendet, aber dramaturgisch wohlbekannt: Mit dem Sturkopf-Motiv wird die Handlung zum Happy End geschaukelt. Nichts gegen einen echten Heimatfilm – aber dieser halbherzigen Degeto-Produktion fehlt es an Echtheit, an Bodenständigem, an Glaubwürdigkeit. mehr
„Alpha 0.7 – Der Feind in dir“ ist ein transmediales Serienprojekt, in das Internet und Hörfunk kreativ eingebunden werden. Potenzielle Fans werden seit Wochen „angefüttert“ mit Infos zur Serie, mit Blogs, mit Videos, mit den Vorgeschichten der Figuren und der wissenschaftlichen Fiktionen. Die sechsteilige Serie von Marc Tensing ("Parkour") kann aber auch für sich bestehen. Sie ist klar und präzise auf das 25-Minuten-Format hin strukturiert, besitzt eine kühle, sachliche Bildsprache und ist bestens besetzt. (erstmals am Stück ausgestrahlt!) mehr
Ein fahnenflüchtiger Rekrut nistet sich im Haus seiner Eltern ein. Dort schlägt er mit seinem älteren Bruder und dessen neuer Flamme die Zeit tot. Die Brüder gehen sich auf die Nerven – nicht zuletzt deshalb, weil Paul sich in die dänische Freundin seines Bruders verliebt... Wer genau hinschaut, der kann einer Blume beim Wachsen zusehen. Wenders, Antonioni und etwas Fassbinder sind Ulrich Köhlers Referenzspuren in diesem Beziehungsfilm, bei dem der Titel gebende Bungalow, eine Bausünde aus dem sozialliberalen hessischen Kleinstadt-Mief, neben Lennie Burmeister, Trine Dyrholm und Devid Striesow die Hauptrolle spielt. mehr
Der 17-jährige Guido leidet an Neurodermitis. Nach einem schweren Schub entschließt er sich zu einer Therapie – und langsam versteht er, was es mit seiner Krankheit auf sich hat. Sein Vater geht seit Jahren fremd; die Mutter hat sich scheinbar damit abgefunden, sie hält still, trinkt heimlich... „Neandertal“ geht im wahrsten Sinne unter die Haut. mehr
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