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Katja Riemann über Familie und Realismus, über Themenfilme und Fernsehabstinenz und den herausragenden Fernsehfilm „Die fremde Familie“ vom Grimme-Preis-gekrönten Duo Daniel Nocke und Stefan Krohmer. "Nockes Texte sind Arbeit. Die legen sich dir nicht in den Mund. Das denkt man. Im Buch sieht es nach Alltag aus, nach Tischgespräch. Dann spielst du die Szene und fragst dich: wieso kommt dieses Wort, dieser Satz nicht aus mir heraus?" mehr
Wie die Großmutter so die Enkelin: schwanger mit 16. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. "Annas Erbe" spielt im Apfelbauern-Milieu. Jutta Speidel gibt ihrer Anna einige Ecken und Kanten mit auf den Weg zum Happy-End. Susanne Schäfer und Anna Hausburg komplettieren das Dreimäderlhaus auf hohem Dramolett-Niveau. Leider sprengt die Story nicht den Degeto-Rahmen. Da ist es nicht allzu weit her mit dem anfänglichen Eigensinn der Figuren. mehr
„Am Ende kommen Touristen“ gelingt es, Auschwitz und das Undarstellbare ohne Betroffenheitsposen darzustellen. Indem Thalheim die Geschichte aus der Perspektive eines jungen Mannes erzählt, kann der Autor-Regisseur sich den Phänomenen unvoreingenommen nähern. Thalheim erzählt in einem nüchternen, fast dokumentarischen Stil vom Dilemma des Gedenk-Tourismus, ohne selbst dem Dilemma eines Gedenk-Films zu erliegen. mehr
So gut die Idee vom "Tatort"-Krimi unter Tage auch ist, die Ausführung lässt zu wünschen übrig. Dass „Das schwarze Grab“ von Gregor Schnitzler („Soloalbum“) und Autor Thomas Kirchner dramaturgisch wie filmästhetisch ein bisschen grob daherkommt, erklärt sich nur zum Teil durch den angestrebten Realismus des Films – sprich das Bergarbeitermilieu. mehr
2002 erschütterte die Kollision zweier Flugzeuge im Luftraum in der Nähe des Bodensees die Öffentlichkeit. 71 Menschen starben. Eineinhalb Jahre später tötete ein Hinterbliebener den Dienst habenden Fluglotsen. „Flug in die Nacht“ erzählt von dieser doppelten Katastrophe. "Die größte Herausforderung war es, eine Figur zu spielen, die an ihrem Selbstmitleid beinahe zerbricht und mit dieser Schuld-und-Sühne-Situation nicht klar kommt, die aber zugleich für den Zuschauer erträglich bleiben sollte", so Duken über die Rolle des Fluglotsen. mehr
Eine zu „unerhörte“ Geschichte, um aus ihr einen guten Film zu machen, möchte man meinen. Till Endemann und Don Bohlinger ist es dennoch gelungen. Es ist gelungen, weil sie Position beziehen und doch keine billige Abrechnung liefern. Es wird viel geweint, Ken Duken und Jevgenij Sitochin sind brillant, dieses Doku-Drama geht einem nahe und nach. mehr
Der achte Fall des Einarmigen erklärt sein Handikap und wirft ein anderes Licht auf den zynischen Kopfmensch Tauber. Die Liebe seines Lebens kostete ihm den Arm. Jetzt steht sie wieder vor ihm. Ein brutaler Mord, ein Hilfeschrei und ein Mann, der in der Lage scheint, alles für diese Frau zu tun. Dem Italo-Amerikaner Buddy Giovinazzo gelingt es, die amourösen Ruhemomente mit dynamischen Szenen höchst wirkungsvoll zu kombinieren. mehr
„Wir wollten zeigen, was ein Auslandseinsatz im Leben eines Soldaten anrichten kann“, so Regisseur Andreas Senn. Für „menschliche Politik“, die stärker die Perspektive der Betroffenen einnimmt, plädiert Hauptdarsteller Ken Duken, der in seiner Rolle als traumatisierter Kriegsheimkehrer beeindruckt. „Willkommen zuhause“ ist ein diskussionsträchtiger, thematisch längst überfälliger Film. mehr
Aus der Psychiatrie zurück in den Polizeialltag. Die "Irre" ist ein Wahrnehmungs- und Kombinationsgenie. Und Anja Kling ist als Leuchtrakete des Reihen-Pilots „Hannah Mangold & Lucy Palm“ die beste Wahl. Das Konzept ist überzeugend, die Heldinnen sind stark (weil sie auch schwache Momente haben) und der erste Fall, hoffentlich nicht letzte Fall, gerät zu einem hoch spannenden Krimi mit Thrillermomenten. Die Macher: Florian Schwarz und Michael Proehl, einst verantwortlich für den Ausnahme-"Tatort: Weil sie böse sind". mehr
Zwei Schwestern und ein Teenager mit zwei Müttern leben ihre Gefühle vor der Schönheit der norwegischen Fjorde aus. Ein Melodram mit Dialog-Problemen, die das bemerkenswerte Schauspieler-Quartett bald vergessen macht. Mit der Verlagerung des stereotypen Schwestern-Konflikts auf die 16jährige Tochter entfaltet der Film seine emotionale Stärke. Henriette Confurius spielt Ida beeindruckend: sie trägt den Film in der zweiten Hälfte und macht ihn zu einer Ode an die Jugend. Klare Physiognomie und klassische Schönheit vor Landschaft – das ist Jörg Grünlers Prinzip in diesem visuell bemerkenswerten Film. mehr
Der zweite Fall der zwei ungleichen Brüder. Und wieder muss der Ex-Bulle den unter Mordverdacht stehenden Damen-Beglücker aus der Klemme helfen. Das gute Trio hilft über die etwas bemühte Anfangshalbestunde hinweg. Mit dem zweiten Mord und Steffi Kühnerts Kommissarin kommt mehr Zug in die Geschichte. Mit Genre-Ironie und Nachhilfestunden in Sachen Anmache kriegt "2 für alle Fälle – Manche mögen Mord" doch noch die Kurve. mehr
Ein junger Türke wird zum Alptraum einer deutschen Familie. Am Anfang sind es nur die Schuhe, die sich jener Can vom Sprössling der wohlhabenden Laubs „ausleiht“. Doch als der deutsche Vater in der türkischen Familie interveniert, wächst die Wut. Der Film, der 2007 heftige Diskussionen nach sich zog, erzeugt Beklemmung, lässt den Zuschauer zurück mit mehr Fragen als Antworten. Diskreditiert er den wütenden Türken? Züli Aladag betont: Der Stoff habe auch nicht den Anspruch hat, den Türken an sich zu beschreiben. „Der Film begibt sich in ein ganz spezifisches Milieu und zu einer ganz spezifischen Figur.“ mehr
Kommissar Eisner graut es. Im hintersten Winkel der Alpenrepublik muss er ermitteln – und hier lebt ein eigenwilliges Völkchen, das sich den Mörder bereits ausgeguckt hat. Jeder beobachtet jeden. Wuchtige, wortkarge Dörfler und emotional überdrehte „Fremde“ machen diesen Alpenkrimi zu einem Genuss fürs Auge. Nicht nur die Sprache ist nicht leicht zu verstehen. Dafür hat der Krassnitzer-"Tatort"- Atmosphäre & eine superbe Besetzung. mehr
Eine Schule im Schock-Zustand. Eine beliebte Lehrerin wurde von einem Schüler angeschossen. Sie fällt ins Koma. Ausgerechnet eine Lehrerin, die kurz vorm Burn-Out steht, sorgt dafür, dass die Kinder wieder an den Schulalltag herangeführt werden. Für ihr eigenes Seelenheil verdrängt sie die Tat... „Die Lehrerin“ nimmt sich der Traumatisierten an. Die Perspektive des Täters bleibt ausgeblendet, Autorin Laila Stieler verzichtet auf polizeiliche Ermittlungen. Intensiv gespieltes Seelen-Drama mit einer versöhnlichen Note. mehr
Familie kann was Wunderbares sein. Doch da muss erst ein bunter Vogel unbekümmert ins vermeintlich gemachte Nest flattern und die materiell Verwöhnten fröhlich anpieksen und sie von ihrer Wohlstandsschwere erlösen. "Frischer Wind" – das Versprechen wird gehalten. In dem Film von Imogen Kimmel und Gabriele Kreis ist alles besser als in vergleichbaren ARD-Produktionen am Freitag: die Figuren, die Schauspieler, der Lebensstil, die Musik. mehr
Inspiriert von Kampusch, Fritzl & Co, kommt "Verschleppt" schnell zur Sache. Es geht um bestialisch gefangen gehaltene junge Mädchen. Dieser SR-"Tatort" von Hannu Salonen ist filmästhetisch präzise und höchst suggestiv inszeniert. Doch die Abnormität des Verbrechens erfährt keinerlei thematische Durchdringung. Der Film spiegelt allenfalls ein gesellschaftliches Phänomen psychologischer Pervertierung. Vor allem aber benutzt er ein als real empfundenes Schreckensszenario allein zum Zweck der Unterhaltung. Sollte das, was Kinofilme machen, auch ein "Tatort" dürfen? Eine öffentlich-rechtliche Krimi-Diskussion ist überfällig! mehr
Familie kann was Wunderbares sein. Kann! Man muss sich mit dem typisch deutschen Komödien-Gebot, „Das Missverständnis steht über allem“, und mit dem dazu gehörigen klamaukigen Overacting anfreunden und sollte Komödie als „viel Geschrei um nichts“ begreifen – um „Kein Wort zu Papa“ nach Dora Heldts Roman etwas abgewinnen zu können. Das Tempo stimmt in dieser Boulevardkomödie unter freiem (Nordsee-)Himmel, die zwischen vorgestrig altbacken und leicht schräg pendelt. Wie ein Schlager im Filmgewand. mehr
Frau wird betrogen, Mann wird unsichtbar. Während der Beginn ein Versprechen auf ein gewitztes Vergnügen gibt, werden bald die ausgetretenen Pfade der Romantic Comedy beschritten. Das ist zu viel läuterungswilliger Peter Pan & zu viel naive Prinzessin! mehr
Auf den ersten Blick ist Emma der Traum aller Männer. Wäre da nicht ihre kriminelle Neigung und ihr Talent, Unglück anzuziehen. Auch Franz Berger, dem das Bewährungshelfer-Syndrom auf der Stirn steht, erliegt ihr – und es folgt ein Heiden-Chaos. Da haben sich zwei gefunden: Armin Rohde und Anja Kling, denkt man. Doch diese Komödie geht nach hinten los! mehr
Silke Zertz und Martin Gies wählten für ihren Film über ein Scheidungskind bewusst die tragikomische Gangart: „Getrennte Eltern, die behaupten, zwischen sich alles geklärt zu haben, gehen zum Therapeuten, weil sie den Sohn, wie sie selbst sagen, ‚gerecht teilen’ wollen – das ist ein aberwitziges Unterfangen und schreit nach Komödie“, so Gies. mehr
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