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Die Gottlose mit dem frechen Mundwerk und der Geistliche von der Waterkant kommen wie die Jungfrau zu einem gemeinsamen Kind. Der Schwung ist raus aus der weißblauen Volksschwank-Reihe. Die zweite Episode von "Die göttliche Sophie" ist weniger frisch, das Buch weniger dicht, die Gags sind weniger frech, die Situationen weniger schräg und der Bayern-Flair wirkt weniger urig. Sophie platzt schier vor Gutmenschlichkeit und der Herr Pfarrer bringt außer ein paar platten Spruchweisheiten von der Waterkant wenig ein. mehr
Vor 17 Jahren war sie von einem italienischen Austauschschüler schwanger und gab das Kind zur Adoption frei. Die Juristin Susanne Jacob übertritt das Gesetz – und nähert sich ihrer Tochter, die nicht weiß, dass sie ein Adoptivkind ist. „Das Haus ihres Vaters“ transportiert einen realen Konflikt ins Emotionale. Die Autoren verzichten, den „Fall“ diskursiv und juristisch aufzudröseln. Konsequent lassen sie die Gefühle den Handlungsverlauf bestimmen. Stark von Sarnau und Stopper gespielt. Ein Degeto-Melo, das Schule machen sollte. mehr
„Champagner- gegen Bierdosengesellschaft“ nennt Annette Frier die Grundidee ihrer neuen Sat-1-Serie. Anwältin Danni Lowinski geht es materiell kaum besser als ihren Mandanten. Doch diese Rechtsverdreherin mit den höchst unorthodoxen Methoden und polnischen Vorfahren, hat viel von der sprichwörtlichen rheinischen Frohnatur. Sie ist die kleine Schwester von Erin Brockovich. Locker, launig, liebenswert. Viel versprechender Start. mehr
Frau weg, Alkoholfahne und auch auf dem Kommissariat geht es wenig herzlich zu. Der erste Fall vom neuen deutschen Commissario versucht, in den Wunden zu rühren, die der Bürgerkrieg im Ex-Jugoslawien hinterlassen hat. Drei Tote sind zu betrauern, Verrat und Rache sind die treibenden Motive. Triest scheint von „trist“ zu kommen. Es ist Winter an der Adria & man wird auch nur schwer warm mit dem Helden. Das ist nichts für Schönwetter-Regisseur Rothemund, der zu allem Überfluss auch noch das Buch geschrieben hat. mehr
„Freddy Mercury ist tot? Der war schwul?“, wundert sich Mick Brisgau und kann es nicht fassen. Der Polizist lag 20 Jahre im Koma. Die Welt ist seltsam und ungerecht sowieso. Wer weiß das besser als er: 20 verlorene Jahre! Frei nach der britischen Top-Serie „Life On Mars“ stapft er ziemlich selbstzufrieden durch die ersten Folgen, aber seine Trauer wird er nicht los. Besser gut geklaut als schlecht neu erfunden. Baums Bulle hat das Zeug zum Kult. mehr
Henning Baum ("Mit Herz und Handschellen") über Mick Brisgau, der nach 20 Jahren aus dem Koma erwacht: "Ich mag seine sympathischen Macken. Er raucht wie ein Schlot, wie es halt war vor 20 Jahren üblich war. Er kennt diese ganze ‚political correctness’ nicht. Er schnallt sich nicht mal beim Autofahren an. Und er lacht sich kaputt, wenn er Radfahrer mit Helmen sieht. Er provoziert, neckt die Leute gern. Sonst wird es ihm langweilig." mehr
Ein psychisch gestörter Kunde einer Online-Partnervermittlung und Single-Hotline ist offenbar so sehr enttäuscht von den Leistungen der Flirt-Firma und der von ihr engagierten Frauen, dass er sich rächen will. Auch mit dem dritten „Stralsund“-Krimi ist Autor Sven S. Poser und Autor-Regisseur Martin Eigler ein spannungsästhetisch ausgefeilter Krimi-Thriller gelungen. Die Dramaturgie lebt vom Zeitdruck der Handlung, der Film von seinen Gesichtern. mehr
Sind Zollbeamte an der deutsch-schweizerischen Grenze käuflich? Musste deshalb ein korrekter Zöllner sterben? Gute Grundidee, schwacher Start, Krimi-Tonspur wie in den 70ern. Gerettet wird der durchschnittlich geplottete "Tatort – Schmuggler" von Julia Koschitz und Alwara Höfels. Und der Bodensee lag schon lange nicht mehr so schön still im Bild. mehr
Was 25 Jahre galt, kann doch nicht plötzlich Schnee von gestern sein! „Trau niemals deinem Schwiegervater“ lebt von dieser Überzeugung seines Helden und das TV-Movie kostet diese (tragi)komisch aus. Und bald liegen bei allen die Nerven blank. Schwiegereltern-Lustspiele gab und gibt es viele. Bei dieser Sat-1-Komödie mit Walter Sittler unterhält man sich 90 Minüten köstlich und ohne Reue. Prima Situationskomik, dramaturgisch dicht, Top-Besetzung! mehr
Peter Lohmeyer ist Jan Fabel, ein Mann, der tut, was ein Mann tun muss. Eine markante Bewerbung für eine Reihe geben auch die krimigestählten Lisa Maria Potthoff und Hinnerk Schönemann ab. „Wolfsfährte“ lebt mehr als andere 90-minütige Krimis von Atmosphäre, Rhythmus und den Charakteren. Das ist nicht der fernsehkrimiübliche Dienst nach Vorschrift, das ist Stil an der Waffe – ein guter Mix aus Psychologie, Action und Mythenzauber. mehr
„Viele Tote, keine Quote!“ Ein Krimiserien-Star ohne Rolle scheint von der Rolle zu sein. Fritz Wepper spielt zu seinem Siebzigsten Peter Lindburg, einen Schauspieler, der seine Rollen-Erfahrung als Kommissar in die Realität einbringt und einen Staatsanwalt des Mordes bezichtigt. Launiger, schwungvoller Schmunzelkrimi mit Anleihen an Weppers Krimiserien-Vergangenheit, "Derrick" & "Der Kommissar", und mit einer namhaften Besetzung. mehr
„Aus Mangel an Beweisen“ ist ein ziemlich ernsthaft erzählter Fall. Kindesentführung, Missbrauchsverdacht, ein Ehepaar in Panik – da ist nicht gut witzeln. Und doch ist „Wilsberg“-Pionier Jürgen Kehrer ein recht passabler Krimifall gelungen. Alles ein wenig überkonstruiert. Aber das kennt man ja vom Westfalen. Und für den Witz sorgt Ekki. mehr
Einen kompakten Erpresser-Krimi, der in 24 Stunden seine „Mörderische Verfolgung“ abspult, gab es länger nicht. Das Genre aber ist wohlbekannt – und so kam man schnell wieder auf den Geschmack. Erleichtert wurde einem der Zugang durch eine abwechslungsreiche Besetzung: Katharina Wackernagel als Polizistin – warum nicht?! mehr
„Die Kinder von Blankenese“ folgt einer Gruppe jüdischer Waisenkinder, die aus dem Lager Bergen-Belsen kommend, in einer Villa an der Elbe im Frühjahr 1945 langsam wieder ins Leben zurückfinden. Die Stärke dieses Doku-Dramas liegt in der klaren, fließenden und nicht auf Effekte setzenden Vernetzung der dominierenden Spielszenen mit den Interview-Passagen. Die große Ausstrahlung der Zeitzeugen schlägt wunderbar auf die Figuren durch. Raymond Ley illustriert Geschichte nicht, sondern er erzählt sie. Ein vorbildliches Doku-Drama. mehr
Von wegen nur eine Episode einer Krimi-Reihe. „Tod im Kloster“ ist ein Film von makelloser Schönheit. Die kunstvolle Cadrage, die auf die „Wesenheit“ der Dinge abzielende Montage, der Mythos Kloster, die schwere Ausstattung, die stummen Räume, die permanenten Topshots als Zeichen für eine „höhere Gerechtigkeit“ – all das treibt dieses Krimidrama stärker an als die vordergründige Handlung. Alles stimmt – auch das Buch von Ex-Fehlfarben-Gitarrist Thomas Schwebel & die Kamera der Kloster-erfahrenen Nathalie Wiedemann. mehr
„Meine Schwester und ich“ ist die Film gewordene Frauenzeitschrift. Übersteigerter Narzissmus ist in den Blättern der gehobeneren Sorte ebenso ein Thema wie das „sich aufopfern“, die noch immer beliebteste weibliche Verhaltensstrategie. In dem Degeto-Film werden diese psychologischen Muster dramaturgisch unterfüttert und familientechnisch ins Lot gebracht. Ein Fall für "Brigitte"-Leserinnen. Gut gespielt, stereotyp besetzt. mehr
Petra Winter ist eine Person, die alles besser weiß. Dass sie dabei oft Recht hat, macht sie nicht beliebter – weder beim Kollegium noch bei ihren Schülern. Doch durch den gelungenen Doppelpass mit einem lockeren Hausmeister gewinnt die Lehrerin Lust und Gelassenheit und die Erfahrung, dass preußische Disziplin nicht alles ist... Thekla Carola Wied ist die Ideal-Besetzung. Und Peter Sattmann als sächselnder "Sturmpartner" ist (fast) nicht peinlich. mehr
„Pilgerfahrt nach Padua“ ist ein dezent gruppentherapeutisch angehauchter Reisegruppen-Film – im psychologischen Handgepäck die Lebensgeschichten der Hauptfiguren, die Resolutheit einer Mutter, die nicht loslassen kann, der Schmerz eines viel zu guten Menschen und auf den billigen Plätzen eine Reihe von zumeist gottgläubigen Zeitgenossen, die das Glück heraus fordern wollen. Arg ausgedacht die Story, eine angenehme Der-Weg-ist-das-Ziel-Dramaturgie, durchweg gut besetzt und das Paar Gisela Schneeberger / Herbert Knaup die Krönung! mehr
„Die fremde Familie“ erzählt vom Abenteuer der häuslichen Pflege in den Zeiten der Patchworkfamilie. Wie alle Filme des Dream-Teams Krohmer-Nocke ist dieses Familiendrama ein Ensemble-Stück, bei dem die Interaktion, die Rituale, die Rollenspiele, die Selbstlügen der Figuren die Handlung bestimmen. Oft hat man das Gefühl, mit am Küchentisch zu sitzen, sich den Kopf zu zerbrechen, mitzudiskutieren, zu streiten oder einfach nur da zu sitzen und mitzufühlen. Die Dialoge sind dem Alltag abgelauscht, konzentriert, komprimiert, dazu lebensecht gespielt – bis in den kleinsten Nebensatz, den Kloß im Hals, das Grummeln im Bauch – von fünf großartigen Schauspielern. Spannender kann Realismus nicht sein! mehr
"Ein Thema zu haben, ist gut. Was nicht gut ist, einen Themenfilm zu machen mit einer Aussage, die man am Ende formulieren kann. Oder wo man die Probleme eines Themas quasi auflistet, abarbeitet und den Protagonisten in den Mund legt. Dann findet man eine Lösung und dann ist der Film zuende. Das mag ich nicht", sagt Daniel Nocke. Alles über die Genese, die Dramaturgie und die Figuren des realistischen Meisterstücks "Die fremde Familie" im Interview mit dem dreifachen Grimme-Preisträger ("Ende der Saison", "Mitte 30"). mehr
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