• Porträt   Devid Striesow – Ein Schauspieler, der kein Star sein will

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      Keiner dreht so viel (Gutes) wie er – dennoch sagt der Name den meisten wenig

      Gesehen haben muss Devid Striesow jeder schon ein Mal. Ein Mal? 10 bis 15 Filme dreht er seit 1994 jedes Jahr. Und es sind nicht die schlechtesten. 2007 war er besonders präsent. In beiden deutschsprachigen Wettbewerbsfilmen der Berlinale spielte er mit. Für die eine, "Yella" bekam er viel Lob, für die andere, den jovialen SS-Offizier in „Die Fälscher“ den Deutschen Filmpreis. Und im Fernsehen spielt Striesow den jungen Kollegen von "Bella Block".

      (Text-Stand: 14.1.2008)  Der Name sagt den wenigsten etwas, obwohl er ungewöhnlich ist. Doch gesehen haben muss Devid Striesow jeder schon ein Mal. Ein Mal? 10 bis 15 Filme dreht er seit 1994 jedes Jahr. Und es sind nicht die schlechtesten. 2007 war er besonders präsent. In beiden deutschsprachigen Wettbewerbsfilmen der Berlinale spielte er mit. Für die eine, den jovialen SS-Offizier in „Die Fälscher“ bekam er den Deutschen Filmpreis, für die andere in „Yella“ viel Lob bei seinem Kinostart vergangenen Herbst. Wer sich nicht in Programmkinos verläuft, muss Devid Striesow in den letzten Jahren auch schon begegnet sein, denn auch im Fernsehen ist der Mann mit den blauen Augen, dem rundlichen Gesicht und der jungenhaften Ausstrahlung immer für eine Glanzleistung gut.

      Als „Inbegriff der Gewöhnlichkeit“ und „Schauspieler ohne Paraderolle“, bezeichnete ihn „Die Zeit“. Klick machen dürfte es dennoch bei den meisten Lesern, wenn man ihn als Darsteller des jungen Kollegen von Bella Block vorstellt, der sich einst mit dem Satz „Lieber besoffen und glücklich als nüchtern und doof“ bei seiner torkelnden Vorgesetzten bestens einführte und seither die Krimi-Reihe mit trockenem Witz belebt. Grandios gut war er als Fall für die Couch in „Bloch“ und als Supermarkt-Filialleiter in „Nachtschicht“, nachhaltig in Erinnerung blieben auch seine Rollen in „Die Tote am Deich“ oder „Tod einer Freundin“. Der 34-jährige gebürtige Rügener ist gefragt. „Ich kann bei guten Angeboten einfach schwer absagen“, gesteht er. Er vermisst das eine, wenn er das andere macht und umgekehrt. Und so dreht er Arthaus-Filme fürs Kino, Krimis fürs Fernsehen und steht auch immer wieder auf der Bühne – zuletzt als Lady Macbeth in Faltenrock und Pumps.

      Heute ist Striesow in dem ZDF-Fernsehfilm „Ein verlockendes Angebot“ zu sehen. In dem sympathischen kleinen Film über die Liebe in Zeiten der Mobilität spielt er Jan, einen Kfz-Mechaniker aus Thüringen, der sich von seiner Frau (Christiane Paul), die im fernen Berlin Karriere als Gourmetköchin macht, zunehmend entfremdet. Zugleich wächst er mehr und mehr in die Rolle als „allein erziehender“ Vater hinein und ist bald geliebter Hahn im Korb der weiblichen Dorfbevölkerung. Auch die Rolle des ewigen Jungen, der sich nach weiblich-mütterlicher Wärme sehnt, ist wie geschaffen für Devid Striesow.

      „Nichts ist schlimmer als ein Image“, sagt er, der ohne die Wende Goldschmied geworden wäre. Seine Arbeitswut ist auch Ausdruck jenes Kampfs gegen ein Image. Striesow scheint alles spielen zu können. Sein Blick taugt für die Verzweiflung ebenso wie für kindlich-naiven Optimismus, für Tragik ebenso wie für das Komische. Als eifernder Nazi-Sportlehrer in „Napola“ überzeugte er ebenso wie als Matratzenverkäufer in „Lichter“. Das Hin- und Her-Switchen zwischen den Rollen macht ihm nichts aus. Er braucht den raschen Wechsel.

      Er ist kein Freund monatelanger Vorbereitung. Striesow stimmt sich am Set ein. „Ich muss situativ reagieren“, betont er. Mit Nina Hoss habe er sich zwei Stunden lang in seine Rolle, den aalglatten Banker in „Yella“, reingealbert, auch mit Hannelore Hoger gebe es immer viel Spaß. „Wenn ich mir zu viel vornehme, werde ich am Set wahnsinnig kasperig, um alles wieder aufzubrechen“, beschreibt er den Sinn solcher Aktionen. Als „ein hyperaktives Kind“ bezeichnet der Regisseur Stefan Ruzowitzky den Mann, den er und seine Kollegen vor allem schätzen wegen seiner besonderen Körperlichkeit.

      So präsent wie Devid Striesow ist, müsste er ein Star sein. Das sieht er ganz anders. „Ich arbeite so viel, da möchte ich wenigstens mein bisschen Privatleben ungestört genießen.“ Ein Star müsse weiter Rollen in der Öffentlichkeit spielen. „In meiner Freizeit aber möchte ich ich selbst sein.“ Und bei aller Eitelkeit eines Schauspielers: „Ich will gar nicht, dass mich jeder kennt.“ Das war aber nicht der Grund, weshalb Devid Striesow seinen Filmpreis letztes Jahr nicht selbst entgegennahm. Eine Reifenpanne war schuld. Ein Malheur, wie es auch einer seiner Figuren hätte passieren können.

      Rainer Tittelbach


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