• Porträt   Iris Berben – Blendendes Aussehen, beste Haltungsnoten

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      Doppeltes Jubiläum 2008: „Die Zeit hat mich geprägt, eine Achtundsechzigerin war ich aber nie“

      Alle zehn Jahre erfindet sie sich neu. Dass sie immer in der ersten Reihe stehen muss, missfällt ihren Kritikern. Ihnen zum Trotz werden Iris Berbens Fernseharbeit und ihr politisches Wirken am kommenden Freitag mit der diesjährigen „Besonderen Ehrung“ des renommierten Adolf-Grimme-Preises gewürdigt.

      (Text-Stand: 31.3.2008)  Iris Berben kennen die meisten als Kommissarin Rosa Roth, eine Frau, die das Leid der Welt auf ihren schmalen Schultern trägt. Eine Frau, die auf Erfahrung setzt und weiß, was sie will. Sonst spielt sie in Filmen wie „Die Patriarchin“ oder „Afrika, mon amour“ gelegentlich die Grande Dame, der nichts Menschliches fremd ist und die sich durchs Leben schlagen muss. Oder sie findet einen großzügigen Mann, der sie aushält wie zuletzt in dem Krimidrama „Duell in der Nacht“, in dem sie wunderbar mit ihrem Image der erotischen Reife spielte. Sie ist sich aber auch für kleine Rollen nicht zu schade, wenn sie gut sind. „Mit jeder Rolle will ich etwas Neues entdecken“, sagt sie. Sie liebt ihren Beruf. Heute, mit 57 Jahren, mehr denn je. „Ich habe manchmal das Gefühl, ich befinde mich auf einer riesengroßen Spielwiese, wo ich so viel Dinge machen und so vieles ausprobieren darf.“ Das aber war nicht immer so.

      Mit 18 begann sie als Hippiemädchen mit aufgeklebten Wimpern ihre Kino-Karriere im Neuen Deutschen Film. Mit 28 wagte sie mit „Zwei himmlische Töchter“ den Sprung in die Fernsehunterhaltung. Mit der damals belächelten Comedy-Reihe „Sketchup“ schrieben sie und Diether Krebs sogar Fernsehgeschichte. Mit 38 Jahren schien sie endgültig für das anspruchsvolle Fach verloren zu sein: „Das Erbe der Guldenburgs“ war ihr Durchbruch beim breiten Publikum. Der Titel der High-Society-Soap auf „Dallas“-Spuren gab ihr den Weg vor, den sie die nächsten Jahre beschreiten sollte. „Ich habe mich eine Weile relativ bequem zurück gelehnt“, erinnert sie sich heute an diese Zeit. „Der Erfolg der Serie hat mich sicher ein bisschen eindimensional werden lassen.“

      Es dauerte wieder zehn Jahre, bis Iris Berben sich in eine Position gespielt hatte, in der selbst Qualitätsfilmemacher wie Matti Geschonneck oder Hartmut Schoen nicht mehr um sie herum kamen. Anfangs wurde noch gemunkelt, der Fernsehstar sei den Regisseuren von den Produzenten oder den Senderredakteuren – der Einschaltquote wegen – aufs Auge gedrückt worden. Tatsache ist, dass Grimme-Preisträger Geschonneck bereits vier Mal Iris Berben in einer Hauptrolle besetzt hat. Das erste Mal im Jahre 2000. Damals hatte sie sich gerade aus der sich einschleichenden Routine ihrer erfolgreichen Rosa-Roth-Reihe herausgespielt und endgültig vom Erbe der Guldenburgs frei gemacht. Sogar in ernstzuneh-menden Kinofilmen wie „Frau Rettich, die Czerny und ich“ oder Doris Dörries „Bin ich schön?“ sah man Berben wieder. Das war 1998. Sie war 48 Jahre. Alle zehn Jahre der Arbeit eine neue Richtung zu geben – das entspricht dem Lebensrhythmus von Iris Berben. Im Sommer wird die in Detmold geborene Schauspielerin 58 Jahre. Vielleicht wird sie ja noch ein weiteres Mal das Publikum überraschen. Und vielleicht auch einige ihrer zahlreichen Kritiker.

      Es ist ein offenes Geheimnis, dass Iris Berben bei der deutschen Fernsehkritik keine allzu hohe Wertschätzung genießt. Umso überraschender nun, dass ihr durch den Deutschen Volkshochschulverband die „Besondere Ehrung“ des renommierten Adolf-Grimme-Preises zuteil wird. Sie habe „mit beschwingender Lust die Genres gewechselt“ und vor allem das unterhaltende Fernsehen verdanke ihr „ganz wesentliche Impulse und Konturen“, heißt es in der Begründung. Hervorgehoben wird aber auch ihr soziales Engagement außerhalb der Medien-Glanzwelt: beharrlich streitet sie gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus. Ob Lesungen zum Thema Holocaust, Reisen nach Israel oder Auftritte bei Demonstrationen – sie tritt ein für Mut und mehr Zivilcourage im Alltag. „Moralische Modeerscheinungen und Trends will Iris Berben damit nicht bedienen, sie will auch keine Vorzeigefrau in Sachen Toleranz sein“, betont der Stifter.

      Warum nicht die eigene Popularität nutzen, um in den Köpfen etwas zu bewegen? Besser jedenfalls, als sich auf dem Buchmarkt mit dem Ratgeber „Älter werde ich später“ hervor zu tun, in dem Berben den Leserinnen „Das Geheimnis, schön und sinnlich, fit und entspannt zu sein“ verriet. Vielleicht ist es die Vielfalt ihrer Aktivitäten, die ihr das Image einer Frau geben, die überall in der ersten Reihe stehen muss. „Gutes“ zu tun ist die eine, es zu tun, weil man sich von der Mediengesellschaft dazu zwingen lässt, ist die andere Seite. Nur wer sich im Gespräch hält, wer auch ein Thema in den bunten Blättern ist, wer sich vermarktet ohne Rücksicht auf seine Kritiker, der ist in der Lage, ein Millionenpublikum vor den Bildschirm zu locken. Das weiß Iris Berben. Was also tun, wenn die Bildzeitung mal wieder banal fragt. Dann antwortet Berben eben entsprechend, sagt das, was Millionen lesen wollen: „Ich höre es gern, wenn man mich eine sinnliche Frau nennt. So fühle ich mich auch: eine gestandene, erwachsene und sinnliche Frau.“

      So wie Iris Berben die Möglichkeiten ihrer Popularität in der Öffentlichkeit ausspielt, so möchte sie, was die Geschichten ihrer Filme angeht, auch die Möglichkeiten des Mediums nutzen. „Ich finde es schon wichtig, dass sich eine Figur wie Rosa Roth mit den Befindlichkeiten in diesem Land auseinandersetzt“, betont sie, „ohne allerdings zwanghaft eine Botschaft durchgeben zu müssen.“ Das Konzept zu „Rosa Roth“ soll im Übrigen eineinhalb Jahre in den Schubladen des ZDF gelegen haben. „Man dachte damals, eine weibliche Kommissarin, das geht nicht“, erinnert sich Berben. Doch als auch andere Sender „Frauen-Krimis“ entwickeln ließen, ging es plötzlich doch. Zusammen mit „Bella Block“ revolutionierte „Rosa Roth“ den deutschen Fernsehkrimi. Denn Frauen ermitteln anders als Männer. Die Psychologie hielt Einzug in die Arbeit der Kommissare, Berbens Heldin setzte zudem auch stark auf die so genannten „Waffen der Frauen“. Mit sexy-Handschellen als Rosa-Roth-Ikone wurde Berbens Berliner Ermittlerin in der Anfangszeit beworben.

      Mit Filmen in die Gesellschaft einwirken, das klingt nach den 68ern, die wie die Schauspielerin Berben dieses Jahr Jubiläum feiern. Im Jahr der Studentenrevolte gab Iris Berben an der Seite von Uschi Obermaier in Rudolf Thomes „Detektive“ ihr Debüt. So kurz wie in diesem Film ihre Miniröcke und so knapp wie ihre Bikinis, so gering war damals allerdings ihr politisches Bewusstsein. „Die Zeit hat mich geprägt, eine Achtundsechzigerin war ich aber nie“, sagt sie. Offenbar war ihr der Zwang zur Gemeinschaft durch ihre jahrelangen Internatsaufenthalte suspekt. Sie lebte deshalb als allein erziehende Mutter und junge Schauspielerin erst einmal ihre Individualität und persönliche Freiheit aus. Diese Freiheit, die Möglichkeiten, das Leben zu leben, ist das, was Iris Berben auch immer gefesselt hat an ihrem Beruf. Die Freiheit, Rollen zu spielen, Rollen, in denen sie nicht immer das perfekte Bild, das der Zuschauer von Iris Berben hat, abgeben muss, auch wenn es oft so scheint, weil öffentliche Bilder offenbar stärker sind als Filmfiguren. Eine solche Rolle ist auch ihre Julia in ihrem neuen Film „Der russische Geliebte“, in dem sich die Heldin in einen 20 Jahre jüngeren Mann verliebt. In dem ZDF-Film begegnet einem zu Beginn eine Frau, die keinerlei Sinn fürs Schöne besitzt. Für Iris Berben heißt das: Sie trägt Dutt und ist fast ungeschminkt.  

      Rainer Tittelbach


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