Zieglerfilm präsentiert die Ausnahme-Serie vorab auf DVD
collina Filmproduktion präsentiert einen Film von Max Färberböck & Ulrich Limmer
Am 5. Februar erhielt Rainer Tittelbach für tittelbach.tv - der fernsehfilm-beobachter den Bert-Donnepp-Preis 2013. Die von den Freunden des Grimme-Instituts vergebene Ehrung fand im Rahmen des Jury-Bergfestes zum 49. Grimme-Preis 2013 im Grimme-Institut in Marl statt. In seiner Replik beschreibt der Journalist das Innenleben einer Ein-Mann-Redaktion, schildert die Genese des Projekts, spricht über die Faszination des Mediums, seinen Ansatz als TV-Kritiker und das Phänomen, über 100.000 Leser zu haben, aber nicht von der Seite leben zu können. Enttäuscht zeigt sich Tittelbach von den "Reaktionen" von ARD und ZDF.
Liebe Bergfest-Gäste,
ich war gerührt, als ich gestern Abend die Preisbegründung gelesen habe. Ich realisiere so langsam, weshalb ich den Preis bekommen habe. Ich selbst mache mir wenig Gedanken darüber, wo tittelbach.tv medienpolitisch steht und ob so ein Web-„Alleingang“ möglicherweise die Zukunft für die freien Journalisten sein wird. Ich kann für mich nur sagen: Ich habe mit der Seite die Herauforderung angenommen, die das Netz heute an den Journalismus stellt. Auch wenn ich mit einer anderen Prämisse gestartet bin. Ich wollte kein Vorreiter sein. Ich wollte nur einen Mangel umgehen: den Mangel an Publikations-Möglichkeiten, und ich wollte mit der Liebe zum Gegenstand meiner Arbeit kontern.
Foto: Grimme-InstitutDie Bert-Donnepp-Preisträger Matthias Dell, Klaus Raab, Christian Bartels, René Martens (v.l.) für "Das Altpapier" und Rainer Tittelbach (r.) für tittelbach.tv - der fernsehfilm-beobachter mit dem Vorsitzendes des Vereins der Freunde des Adolf-Grimme-Preises, Jürgen Büssow (3.v.r.) und Grimme-Preis-Referent, Dr. Ulrich Spies
tittelbach.tv war von Anfang an eine Herzenssache. Ich habe die ersten zwei Jahre nur selten danach gefragt, wie sich mit meiner Seite Geld verdienen lässt. Ich wollte erst etwas aufbauen, systematisch, strukturiert, ich wollte erst einmal etwas anbieten. Ich habe also, um meinen Lebensunterhalt zu bestreiten, mein Erspartes auf den Kopf gehauen, und mich mit Jobs als DJ über Wasser gehalten. Das möchte ich an dieser Stelle einmal sagen, weil es bezüglich der Finanzierung falsche Annahmen geben dürfte. „Der wird sicher bezahlt von den Sendern – so positiv wie der schreibt“, vermuten sicher einige Kollegen. Und zahlreiche User sehen mich ohnehin als Servicestelle der Sender: ständig bekomme ich DVD- oder Soundtrack-Anfragen – „Wie heißt der Titel, bei dem sich das Paar das erste Mal küsst?“, wollte unlängst eine Leserin wissen; andere User bitten um Wiederholungen und es gibt gelegentlich sogar Lob für „Ihre Filme“… Ich möchte betonen: Es ist kein einziger Cent geflossen, keine Sender-Anzeige geschaltet, nicht einmal die Mediatheken von ARD & ZDF sind beworben worden. Geworben haben allein ab und zu Produzenten für ihre Filme.
Vor fünf Jahren hatte ich noch keinen Schimmer davon, wie das Internet funktioniert. Ich habe in dieser Zeit das Medium einigermaßen „verstehen“ gelernt und ich habe es vor allem lieben gelernt. Das interne Verlinken, das Einbinden von Fremdinhalten, der multimediale Crossover zwischen Texten, Filmtrailern und Musikclips – diese Optionen können schon süchtig machen. Aber auch die Lust, sein eigener Redakteur zu sein, keinen schweren Apparat bewegen zu müssen, um etwas blitzschnell an den User zu bringen – diese Lust macht mich immer wieder euphorisch. Eine Ein-Mann-Redaktion ist aber auch ein Graubrot-Job: Fotos herunterladen, bearbeiten, einpflegen, Bildunterschriften schreiben, durch die Programmleisten der Sender scrollen, um die Wiederholungen herauszulesen, Kritiken einstellen, Überschriften & Teaser texten, Verlinkungen, amazon-Cover laden, schnell noch ein Facebook-Post, die Soundtrack-Songs bei YouTube suchen usw. usw.…
Wenn Sie möchten, dass tittelbach.tv das Fernsehfilmprogramm weiterhin täglich auf den roten Punkt bringt, auch die nächsten Monate frei zugänglich bleibt und damit über 120.000 Fernsehfilmfans pro Monat gut bedient werden, dann werben Sie bitte, spenden Sie oder werden Sie Freund + Fan. Sie sind in guter Gesellschaft!
Zugleich Segen und Fluch ist die Möglichkeit des ständigen Korrigierens und Redigierens. Bei guten Filmen gehe ich bis zur Ausstrahlung immer wieder über die Texte. Besonders nach einem gelegentlichen 2. Blick sind Korrekturen bei mir gang und gäbe: ein Klick – und es geht einen Stern runter oder rauf. Der unkomplizierte Zugriff & dieser ständig mögliche „Fluss“ sind für mich das Faszinierendste an der Online-Arbeit. Ich denke: ich habe für mich das ideale Medium gefunden. Für mich ist es perfekt, dass ich auch ohne nachrichtlich aktuell sein zu müssen, eine erfolgreiche Webseite machen kann. tittelbach.tv wird in seiner Funktion als Programm-Guide zwar als „aktuell“ wahrgenommen, ohne dass ich wirklich unter dem Druck der Aktualität arbeiten muss wie beispielsweise die Kollegen vom „Altpapier“.
Eine Herzenssache ist meine Webseite auch deshalb, weil ich beispielsweise nicht über „Das Dschungelcamp“ schreiben muss, sondern weil ich mich ausschließlich mit der Gattung Fernsehfilm beschäftigen darf, die ich seit 20 Jahren sehr genau verfolge. Mir geht es um die Sache: die Sache ist der Fernsehfilm, die Qualität des Fernsehfilms. Eine der schönsten Erfahrungen für mich als Fernsehkritiker ist es, wenn ich einen Film entdecke, der beispielhaft ist für zeitgemäßes gutes Fernsehen, der ein Vorbild sein kann für gutes Genre-TV oder für einen modernen Themenfilm. Oft ist es ein Film, mit dem ich gar nicht so sehr gerechnet habe – und der mich gerade deshalb zutiefst überraschen kann.
Filmästhetik spielt im Fernsehen eine immer größere Rolle. Mit den 16:9-Flatscreens wird das Bild zunehmend wichtiger. Ein Fernsehfilm ist nicht zu reduzieren auf Geschichte und die Art und Weise, wie sie dramaturgisch erzählt wird. Auch ein Fernsehfilm ist ein Film! Dank guter Regisseure und versierter Kameraleute ein sinnliches Ereignis! Die TV-Kritik berücksichtigt das unzureichend. Es fehlt den Medienkritikern auch am nötigen Handwerkszeug. Die, die es könnten, die Filmkritiker, verschmähen nach wie vor den deutschen Fernsehfilm. Sie entdeckten stattdessen die amerikanische Serie als besseres Kino.
Foto: Grimme-InstitutVertieft in seine Herzenssache... Rainer Tittelbach während seiner Replik in Marl.
Ich würde die Seite gern zu einem Online-Fernsehkritik-Fachorgan erweitern mit einem Blog und Themen-Dossiers, die stärker die Perspektive der Macher einbeziehen sollen. Mein Ziel: die TV-Fiktion muss (noch) besser werden! Ich denke, dafür braucht man auch einen Diskurs über Fernsehfilme und Serien, über Formate und Programme. Man könnte sich zum Beispiel fragen, ob es angemessen ist, einem die deutsche Wirklichkeit nur noch durch die Brille von Kommissaren und Serienkillern zu vermitteln… Ich spüre zunehmend, dass ich im Einzelfall manchmal ungerecht werde, weil mich die Inflation von TV-Krimis insgesamt langsam nervt! Ich will über die Tageskritik hinausgehen… und jetzt kommt dieser Preis, mit dem für mich ohnehin die Verpflichtung einhergeht, nicht nachzulassen und nach neuen journalistischen Formen und Herausforderungen zu suchen… das nenn’ ich Timing!
Ich betrachte den Preis nicht nur als Ehre und als Belohnung für meine Arbeit. Ich erlaube mir auch, mich hier ganz offen über das Preisgeld zu freuen, denn so befreiend und belebend der Online-Journalismus auch ist – so ist das Web doch kommerziell gesehen eine trostlose Angelegenheit. Ich hatte mir das anders vorgestellt, vor vier Jahren. Ich hatte gedacht, dass ich von den Produzenten und Sendern mehr Unterstützung bekomme. Ich erreiche großartige Zugriffszahlen. Meine Texte werden gelesen und beachtet, aber leider kaum belohnt.
Die Mitpreisträger vom Altpapier haben mich schon häufiger als den „Kritiker mit dem großen Herzen“ bezeichnet: Das war natürlich ironisch gemeint – und tifft es doch sehr genau: Ich liebe den Fernsehfilm, ich mag die meisten Filme, über die ich schreibe, ich weiß aber auch um die Beschränkungen, denen sie oft im Entstehungsprozess unterworfen sind, ich kann oft die ängstlichen Gesichter der Redakteure sehen, die den Autoren Drehbuchänderungen aufzwingen, um das Stück weniger provokant oder vermeintlich massentauglicher zu machen. Meine Kritiken sollen auch bestärken, die Leistungen von Produzenten, Redakteuren, Autoren und Regisseuren angemessen beurteilen, denn bei aller Kritik: der Fernsehfilm ist die einzige TV-Gattung, in der das deutsche Fernsehen international mithalten kann.
Foto: ZDF / Julia TerjungEdward Bergers "Mutter muss weg" mit Bastian Pastewka. Buch: Marc Terjung.
Das ist so ein Film, der überraschte – und vielleicht auch deshalb den Kritiker zu Jubelstürmen veranlasste. Doch beim zweiten Sehen verstärkte sich eher noch der Eindruck der "perfekten Komödie". Und so wurde hochgewertet: 5 – 5,5 – 6 Sterne!
Zum Schluss möchte ich danken:
den Freunden des Grimme-Preises, die – wer es vielleicht nicht weiß – den Preis vergeben;
stellvertretend möchte ich Uwe Kammann und Dr. Ulrich Spies danken;
ich möchte all denen danken, die tittelbach.tv mit Spenden bedacht haben und es hoffentlich weiterhin tun werden. Es ist immer wieder ein gutes Gefühl, wenn man während eines langen, unbezahlten Arbeitstages eine Paypal-Mail erhält;
last but not least möchte ich Volker Bergmeister, Thomas Gehringer und Tilmann P. Gangloff, meinen Autoren, danken, die mich seit 2012 unterstützen. Ihr seid ein enormer emotionaler Rückhalt für mich. Ohne euch hätte ich nicht die Zeit, die entscheidenden Weichen für die Zukunft zu stellen;
und ich möchte meinem Webmaster Uli Schulze danken, ohne den ich allzu oft aufgeschmissen wäre.
Vielen Dank!
Rainer Tittelbach arbeitet seit über 25 Jahren als TV-Kritiker & Medienjournalist. Er ist Grimme-Juror & FSF-Prüfer. Seit 2009 betreibt er tittelbach.tv. Mehr
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