Zieglerfilm präsentiert die Ausnahme-Serie vorab auf DVD
collina Filmproduktion präsentiert einen Film von Max Färberböck & Ulrich Limmer
Gleich zwei Preisträger werden für das Jahr 2012 mit dem Bert-Donnepp-Preis für Medienpublizistik ausgezeichnet. Die von den Freunden des Adolf-Grimme-Preises vergebene Ehrung geht an „tittelbach.tv“ sowie das Weblog „Altpapier“. Die Preisverleihung fand im Rahmen des Jury-Bergfestes zum 49. Grimme-Preis 2013 am 5. Februar in Marl statt.
tittelbach.tv – Begründung
Aus den Zeitungen ist sie in den letzten Jahren mehr und mehr verschwunden, auf den Online-Portalen findet sie meist als Event-Kritik statt: Die klassische Fernsehkritik führt in Deutschland nur noch ein Schattendasein; in Flora und Fauna würde man sagen: sie ist vom Aussterben bedroht. In ganz Deutschland? Nein, denn im in die Beschaulichkeit abgetauchten Bonn, der ehemaligen Bundeshauptstadt, hat sich im Herbst 2009 ein Mann aufgemacht, den Kampf gegen den Niedergang der Fernsehkritik aufnehmen: Rainer Tittelbach. Der Journalist schuf – sieht man mal von der technischen Unterstützung ab – quasi im Alleingang ein Internet-Portal, das dem deutschen Fernsehfilm den Raum gibt, den er verdient. „tittelbach.tv“, Unterzeile „der fernsehfilm-feobachter“, heißt der Web-Auftritt, der sich in den bestehenden gut drei Jahren zu einer umfassenden und unverzichtbaren, weil qualitativ hochwertigen TV-Kritik-Plattform entwickelt hat, für Regisseure, Autoren, Kameraleute, Produzenten, Redakteure und – in allererster Linie – Zuschauer.
Unschätzbar was Rainer Tittelbach, früher Autor (und Redakteur, Anm.tit.) auf der Medienseite der „Welt“ – ja, auch die hatten mal eine, und seit 1994 als freier Bauchladen-Journalist tätig, da als Archiv geschaffen hat und täglich weiter schafft: ein Komplett-Verzeichnis des deutschen Fernsehfilms seit 2008, seit einiger Zeit zudem auch der deutschen Serie. Diesem Mann entgeht keine fiktionale deutsche TV-Produktion, ob Einzelstück, Mehrteiler oder Reihe. „tittelbach.tv“ bietet nicht nur ausführliche, anspruchsvolle und analytische Kritiken, klar, knapp und vergleichend, das Portal ist ein unschätzbares digitales Nachschlagewerk. Derzeit sind rund 2300 Textseiten online und täglich kommen neue hinzu. Pro Monat findet man hier rund 200 Besprechungen von TV-Premieren und Film-Wiederholungen. Zudem gibt es Rankings zu den besten neuen Filmen, zu den besten Wiederholungen und vieles mehr. „tittelbach.tv“ bietet Orientierung, weist auf die Perlen hin, ordnet ein, was gelungen ist und was nicht. Das stößt auf stetig steigende Ressonanz. Was 2009 mit wenigen Visits begann, ist heute ein rege genutztes Portal: 850 000 Besucher zählte der Macher im Jahr 2012, in diesem Jahr will er die Schallmauer von einer Million knacken.
Bringt es gern auf den (roten) Punkt: tittelbach.tv – der fernsehfilm-beobachter
„tittelbach.tv“ ist keine Seite für den flüchtigen Blick. Nicht der Effekt, der oberflächliche Aufreger sind dem Macher wichtig. Er sieht genau hinein, vergleicht, stellt Filme in einen historischen Kontext, vergleicht sie innerhalb des Genres, beobachtet Entwicklungen und aktuelle Trends, rückt auch in Kritiken vernachlässigte Gewerke wie Kostüme, Schnitt, Ausstattung, Licht, Ton oder Filmmusik in den Mittelpunkt seiner Beschreibungen und Bewertungen. Seine, nennen wir sie, „Kunden“ interessieren sich für die Kritiken, fünf Minuten Verweildauer hat ein Artikel im Durchschnitt, die Texte werden also gelesen, hier huscht man nicht drüber wie oft im so flüchtigen Medium Internet.
Der User, oder wie man früher sagte, Leser, merkt schnell, dass hier jemand am Werk ist, dem das Fernsehen am Herzen liegt. Einer, der sich nicht in den Vordergrund schreiben will, einer, der sammelt, wertet, analysiert und der eine Haltung hat. Der Umgang mit den Produktionen ist oft kritisch, aber stets fair. Film und Fernsehen gehören – wie Rainer Tittelbach sagt – zu seinem Leben wie Essen und Trinken. Das stimmt so nicht, denn Wissenschaftler sagen, man kann drei bis vier Tage ohne Wasser und mehrere Wochen ohne Essen auskommen. Keine paar Tage würde es dieser Mann ohne den deutschen TV-Film aushalten. Die Stapel von DVDs in seiner Wohnung, der Zentrale von „tittelbach.tv“, müssen abgearbeitet werden, Tag für Tag, Nacht für Nacht. Sein Dreisprung heißt: Sehen, schreiben, einpflegen – wie man das Einstellen von Texten auf die Homepage nennt.
Das dies kein Rund-um-die-Uhr-Job wie in den ersten beiden Jahren für Rainer Tittelbach mehr ist, liegt an seiner Entscheidung, Anfang 2012 drei Kritiker-Kollegen, mit denen er seit Jahren auch in Grimme-Jurys sitzt und diskutiert, als Autoren auf sein Portal zu nehmen. Das entlastet den Macher von „tittelbach.tv“, gibt ihm die Möglichkeit, sich um die Vermarktung der Seite zu kümmern. Denn auch das macht er selbst. Wobei wir beim Wermutstropfen dieser beinahe perfekten Website sind. Denn wirtschaftlich gesehen ist die Situation alles andere als einfach, anklicken wollen heute im Internet viele, aber die Arbeit, die auf so einem Portal geleistet wird, entlohnen, das will kaum einer. Viel Lob, wenig Lohn also – aber entmutigen lässt sich der Inhaber des Portals nicht. Sich an Werbeträger zu verkaufen, die ihm in die redaktionelle Gestaltung oder inhaltliche Ausrichtung hineinreden, das will er nicht. Kritisch und unabhängig will er bleiben. Und das ist gut so – für „tittelbach.tv“ und für uns, die Nutzer. Wünschen wir diesem so wichtigen Beitrag zur Sehkultur des Fernsehens wirtschaftlichen Erfolg, bleibende Qualität und dem Macher herzlichen Glückwunsch zum Bert-Donnepp-Preis für Medienpublizistik 2013.