Ihr wacher Blick, ihre großen blauen Augen und ihr hinreißendes Lächeln prädestinieren sie fürs Wohlfühlgenre. Doch Jule Ronstedt kann auch anders. Die Münchnerin führt auch selbst gerne Regie. Die Serie "Franzi", "Nichts als Ärger mit den Männern", "Genug ist nicht genug" - das Jahr 2009 scheint ein besonders gutes Jahr für die 38-jährige zu werden.
Text-Stand: 13.2.2009
Was hat Ihnen gefallen an "Nichts als Ärger mit den Männern"?
Wie hier die Nöte einer kleinen Firma gezeigt werden. Was ich auch auf Anhieb gemocht habe, war dieses kleine Büro-Team, deren Mitarbeiter alle über 50 sind und bei denen es klar ist, dass sie nie mehr einen Job kriegen würden.
Soziale Erdung hat auch ihre Heldin…
Genau, diese Katharina ist eine Frau, die für eine bestimmte Generation und Sozialisation steht. Sie ist ein bisschen orientierungslos. Sie hat studiert, hat noch keine Familie, keine richtige Beziehung, keinen richtigen Beruf. Sie ist Mitte 30, verhält sich aber mehr oder weniger wie eine Studentin.
Bedient die Liebesgeschichte nur das Genre oder steckt in ihr auch etwas Wahres?
Beide sehnen sich nach einem Stück von dem, was der andere hat. Dem einen fehlt die Ordnung, dem anderen das Leichte. Die Suche nach einem Partner, der das eigene Ich ergänzt - für eine Romantic Comedy steckt darin schon ein gehöriges Fünkchen Wahrheit.
Sehen Sie sich als die Frau für die komischen, leicht schrägen Fälle?
Komödie ist natürlich schon etwas, was ich mag. Ich bin sicher nicht die „Psychotante“, die eine Tragödie nach der anderen spielen möchte. Aber ich achte durch meine Rollenauswahl darauf, nicht aufs Komische festgelegt zu werden.
Kann man es nicht auch so sehen: Drama spielen andere genau so gut, Komödie machen Sie aber sehr viel besser…
So kann man es vielleicht auch so sehen. Ich gehe aber nicht vom Blick von außen aus, ich gehe von mir selber aus. Und ich muss nach der dritten Romantic Comedy dringend ganz schnell was anderes machen, weil es mich sonst langweilt.
Sie spielen öfters die Chaos-Queen. Haben Sie davon auch privat etwas?
Nee, im Gegenteil. Ich bin eher ein ordentlicher und strukturierter und organisierter Mensch.
Haben Sie schon mal ein klassisches Melodram gespielt?
Habe ich bisher nicht und möchte es auch nicht. In den meisten Melodramen geht es mir um zu wenig.
Gibt es andere Genres, die Sie nicht so mögen?
Ich habe keine Lust mehr – so wie „Aus heiterem Himmel“ – eine langfristige Serie zu drehen. Acht Monate ein und dieselbe Rolle – das finde ich total langweilig. Was ich bewusst noch nie gemacht habe, sind Krankenhaus- und Arztgeschichten. Ich finde das Genre ein bisschen verlogen. Es sind ja meist ganz grässlich ernsthafte Themen. Ich frag mich immer, wie man denen überhaupt gerecht werden kann.
In zwei Wochen sieht man Sie aber doch in einer Serie…
„Franzi“ sind ja nur sieben kleine Folgen, die 25 Minuten dauern. Außerdem haben mir die Bücher so gut gefallen, diese geschliffenen, wunderbar pointierten Dialoge, die Geschichten, in denen es um keine weltbewegenden Probleme, sondern eher um Zustände geht und um diese Mittdreißiger-Generation, die nicht erwachsen werden möchte. Toll fand ich auch, dass „Franzi“ eine echte Ensemblearbeit ist.
Und Sie dürfen mal so richtig Bayerisch sprechen…
Ich mag das gern. Das Bayerische hat etwas Bodenständiges, es gibt einem so eine andere Stärke. Bei „Franzi“ habe ich immer so ein bisschen das Schneeberger-Bayerisch versucht, weil sie ja meine Mama spielt.
Was könnte der Norddeutsche der Serie abgewinnen?
Diese Provinz gibt es überall in Deutschland, mit den Cliquen und denen, die ausbrechen und wieder zurückkommen. So eine Geschichte kann man überall hin verpflanzen – und auch überall verstehen.
In den letzten Jahren identifiziert man Sie mit München…
Die Berliner und Hamburger brüllen nicht gerade nach mir. Ich bin natürlich auch immer ganz glücklich, wenn ich hier arbeiten kann wegen meiner Familie.
Ich habe gelesen, Sie haben schon in der Schule die Lust am Theater entdeckt…
Angefangen hat es mit Schultheater. Damals habe ich auch schon inszeniert. Nach dem Abitur habe ich Aufnahmeprüfungen sowohl für Regie als auch für Schauspiel versucht. Und dann hat Schauspiel eben als erstes geklappt…
Sie hatten auch schon früh die Idee, den Wunsch, mehrgleisig zu fahren?
Das war mit 19 nicht unbedingt die Idee. Ich habe einfach gedacht, mal gucken, was zuerst klappt.
Wie ergab sich das selbst Inszenieren?
Ich hatte einfach Lust dazu, es auszuprobieren. Während der Schauspielschule habe ich immer noch mit meiner alten Schultheatergruppe Stücke gemacht. Und dann habe ich auf der Schauspielschule ein Stück inszeniert. Und als ich an den Kammerspielen war, habe ich ein Soloprogramm mit einer Freundin inszeniert und danach haben mich die Herren der Intendanz dann ein Stück machen lassen. Eine Kontinuität bekommen hat die Regie am Theater der Jugend, wo ich gerade das dritte Stück inszeniert habe.
Was bedeutet für Sie dieser Wechsel?
Ich finde es schön, die Seiten zu wechseln, meine eigenen Ideen umzusetzen. Ich finde es toll, auch mal der Gestalter und nicht immer nur der Ausführende zu sein.
Verändert sich dann auch der Blick?
Ich versuche nicht, den Regisseuren permanent reinzuquatschen. Aber in Vorbereitungsgesprächen sage ich dann schon auch mal meine Meinung. Ansonsten finde ich es auch immer ganz schön, mal wieder am Theater zu sein. Zurück zu den Wurzeln. Man hat einfach mehr Zeit, in die Geschichten einzutauchen… Ich sehe beide Bereiche aber sehr getrennt: Film drehen ist eine Sache, Regie führen eine ganz andere.