Uwe Ochsenknecht über sein Faible für Komödien, seine erste "schwule Rolle", über Erziehung, Selbstzweifel, Musik und die misslungene ZDF-Komödie „Ein Date fürs Leben“.
Text-Stand: 4.4.2009
Sie haben in diesen Tagen gleich zwei Komödien im Programm. Welche liegt Ihnen mehr am Herzen?
Die sind beide das, was sie sind. „Ein Date fürs Leben“ ist etwas leichter, „Schade um das schöne Geld“ etwas schräger geraten. Ich finde beide auf ihre Art okay.
Zuletzt sah man Sie ausschließlich in Komödien…
Ich denke, ich habe schon ein spezielles komödiantisches Talent. Aber nichts gegen dramatische Rollen. Die kommen sicher auch bald wieder. Im Moment spiele ich im neuen Film von Dieter Wedel einen Bauunternehmer, der um seine Ersparnisse betrogen wurde. Von der Grundsituation her alles andere als witzig. Ich mag es, wenn es tragikomisch wird.
Was sprach für „Ein Date fürs Leben“?
Ich hatte noch nie einen Schwulen gespielt. Ich bin quasi „die beste Freundin“ der Hauptfigur. Es macht Spaß, zwischendurch mal was Leichtes zu spielen.
Ihr Spiel ist angenehm verhalten…
Klar, ich wollte nicht übertreiben. Ich bin ja keine Quatschnase, die auf Gedeih und Verderb platte Witze auf Kosten anderer reißt. Natürlich ging es mir darum, Schwule nicht lächerlich zu machen und nicht wie im „Käfig voller Narren“ rumzutunten. Ich habe viele Schwule in meinem Freundeskreis immer gehabt, ich bin mit Schwulen „aufgewachsen“ im Theater. Für mich sind Schwule nicht so exotisch.
Das Komödiantische spielen Sie indes mit vollem Gesichtseinsatz.
Das finde ich gar nicht so toll. Mir entgleitet da manchmal meine Mimik. Das artet dann allzu schnell zur Gesichtsgymnastik aus. Das passiert im Eifer des Spiels, ist von mir aber nicht so geplant. Da ist es gut, wenn mich der Regisseur bremst.
Amüsant in „Ein Date fürs Leben“ ist die Angleichung von Eltern an ihre Teenager-Kids. Was würden Sie sagen: Wie viel klassischer Vater und wie viel Kumpel sind Sie?
Ich bin mit dem Kumpelhaften immer ein bisschen vorsichtig. Kinder wollen schon ein Vorbild, jemanden, an dem sie sich messen, reiben, aber auch orientieren können. Da ist der Kumpel fehl am Platze. In Bereichen, wo die Kids noch keinen Durchblick haben, da muss man einfach Entscheidungen für sie treffen. Auch wenn sie es oft im Moment nicht verstehen. Ich finde es auch blöd, wenn die Kinder die Eltern mit Vornamen ansprechen anstatt mit Mama und Papa. Das ist Old-School-68er-antiautoritärer-Summerhill-Schwachsinn. Das funktioniert nicht.
Andererseits sind Sie sicher nicht der klassische Vater alter Schule...
Bei mir ist es schon etwas anders, weil ich im Inneren jung geblieben bin. Normalsterbliche in meinem Alter haben einen Bierbauch, das Hirn zur Hälfte ausgeschaltet und Warten auf die Rente. Meine tollen Berufe Schauspielerei und die Musik halten mich jung. Man bleibt offen und neugierig. Was Neugierde betrifft kann man sich an Kindern ein Beispiel nehmen.
Kurzkritik "Ein Date fürs Leben":
Der „Männer“-Star, hier als leiser Schwuler, müht sich redlich, doch über die TV-Movie-Comedies, wie Sat 1 sie schon vor zehn Jahren produziert hat, geht „Ein Date fürs Leben“ in keiner seiner 88 gähnend langweiligen Minuten hinaus. Das Drehbuch ist ganz nach Schema F gezimmert: weiblicher Single, emotional verunsichert, allein erziehend, trifft Mann. Hollywood geht oft ähnlich kalkuliert an seine Komödien, doch Julia Stinshoff ist keine Reese Witherspoon und Hannes Jaenicke kein Tom Hanks. Und die Autorin fand nie einen stimmigen Grundton zwischen Sitcom, Screwball Comedy, Romanze und Alltags-Dramolett.
Gibt es nach über 30 Jahren noch so etwas wie Selbstzweifel in Bezug auf eine Rolle?
Ja, immer wieder. Diese Selbstzweifel müssen bleiben, um gut zu sein. Ich versuche jedes Mal, an eine Rolle neu ranzugehen. Ich bin kein Schubladenzieher. Ich ärgere mich, wenn ich das Gefühl habe, es gelingt mir nicht. Ich nehme meine Arbeit nach wie vor sehr ernst – und aus der Ernsthaftigkeit kommt der Zweifel.
Wann hatten Sie zuletzt so eine „schwierigere“ Rolle?
Lange gerungen habe ich mit meinem Langhaarperücken-Frauenversteher in „Warum Männer nicht zuhören und Frauen nicht einparken können“. So eine Rolle – noch dazu mit schweizerischem Dialekt – kann schnell in schlechte Comedy ausarten. Diese ernsthafte Komik ist sicher immer wieder eine der schwierigsten Aufgaben für einen Schauspieler.
Unlängst ist Ihre 5. CD auf den Markt gekommen. Kann man sagen: Sie nutzen Ihre Popularität, um professionell einem Hobby zu frönen?
Dazu habe ich viel zu viel Respekt vor der Musik und sie liegt mir viel zu sehr am Herzen. Wenn ich mit Schauspielerei nicht so beschäftigt wäre, würde ich viel mehr Musik machen.
Könnte es sein, dass die Musik ein kommerzielles zweites Standbein wird?
Ich habe schon zwei Beine auf denen ich ganz gut stehe. Mit einem wäre es auf Dauer doch etwas zu anstrengend. So etwas überlege ich mir nicht. Wenn ich einen Top-10-Hit hätte und Riesenhallen füllen würde, dann müsste ich mir darüber Gedanken machen, wie ich das mit der Schauspielerei kombiniere. So spiele ich mit meiner Band seit sechs, sieben Jahren in Clubs, kleinen Hallen, manchmal Festivals und habe mordsmäßigen Spaß dabei. Mir geht es um die Musik, nicht um den Kommerz.
Kann man sagen, „Match Point“ ist radiotauglicher Bluesrock mit Ohrwurmqualität?
Das Wort Blues höre ich nicht so gern. Das ist mir bisschen zu Old-School. Ohrwurmqualität könnte richtig sein. Es ist zeitlose Musik, die verschiedene Einfüsse hat wie R’n’B, Soul und natürlich auch Rock.
Stört es Sie, wenn man sagt, „die Titel klingen wie“?
Nee wieso? Es gibt in der Musik immer wieder Werke, die sich ähneln. So lang sie sich auf einem hohen Niveau ähneln ist es doch in Ordnung.
Was hören Sie selbst am liebsten?
Alles Mögliche. Ich schalte meinen MP3-Player auf zufällige Titel und da kommt dann Cesária Évora, Hendrix, The N.E.R.D., Snoop Dog, es kommt Reggae, es kommt auch Beethoven.
Was bedeutet es Ihnen, live zu spielen?
Deswegen mache ich Musik. Es macht Spaß, mit der Band live zu spielen. Meine Konzerte sind voll. Die Leute genießen es. Sie machen mit, sie tanzen, sie singen. Sie haben Spaß. Das ist toll.
Ich habe gelesen, Sie wollen auch noch die Regie ausprobieren…
Es ist ein Film in Planung. Es wird etwas Komödiantisches sein, eine Geschichte, die auch unter die Haut geht.
Wie kommen Sie darauf, Regie zu versuchen?
Ich habe so viel Filme gemacht, wo ich gedacht habe: „da hätte ich mal besser selbst Regie führen sollen“. Das muss ich jetzt mal machen, um zu sehen, ob ich das auch kann und nicht nur die Schnauze aufreiße.
Zur Person:
Uwe Ochsenknecht, 1956 in Biblis geboren, gehört nach Doris Dörries Kinohit „Männer“ (1985) zu den bekanntesten Schauspielern hierzulande. Sein Markenzeichen blieben Komödien wie „Ein Mann für jede Tonart“ oder „Der beste Lehrer der Welt“ – obgleich er auch im Krimi-Genre („Die Straßen von Berlin“) immer wieder reüssierte. Seit 1992 nimmt Ochsenknecht regelmäßig Rock-CDs auf.