Katrin Bauerfeind reist nicht nur gerne moderierend durch die Lande ("1-2-3 Istanbul"), sie genießt auch die vielfältigen Möglichkeiten, die ihr das Fernsehen bietet. Mit einem Kulturmagazin, das ihren Titel trägt, ist sie bei 3sat im Februar auf Sendung gegangen.
Text-Stand: 10.3.2009
Macht nach einer Sendung wie „1-2-3 Istanbul“ das normale Moderieren überhaupt noch Spaß?
Na, klar. Das ist das Spannende an Moderation. Ich habe ja in den letzten eineinhalb Jahren sehr viele Formate ausprobiert. Jede Aufgabe ist anders. Nach „Ehrensenf“ waren Lehrjahre angesagt. Und durch die große Bandbreite lernt man einfach am meisten.
Ist Fernsehen so viel toller als Internet-TV?
Es ist anders. Beim Internet-TV ist alles sehr viel kleiner. Da muss ich nur an mein Mini-Studio bei „Ehrensenf“ denken. Im Fernsehen wird in ganz anderen Maßstäben gedacht. Aber ich würde nicht gern das eine gegen das andere ausspielen.
Weil Sie eines Tages vielleicht wieder im Leitmedium Internet landen?
Man kann nichts ausschließen. Experten sind sich ja einig, dass das Internet die mediale Zukunft ist. Ich bin aber bei „Ehrensenf“ nicht gegangen, weil das Internet nicht die Zukunft ist. Für mich war es der nächste Schritt: schauen, was im Fernsehen geht.
Das Fernsehen ist also noch nicht tot?
Auf keinen Fall. Dafür ist es noch zu bestimmend. Ob man nun so etwas wie das Dschungelcamp heranzieht oder den „Tatort“. Da sitzen doch nach wie vor vielen Millionen vor dem Bildschirm, und sie reden am nächsten Tag drüber. Wenn das kein Leitmedium ist!? Was mich nur manchmal etwas irritiert: Dafür, wie viele Leute über Qualitätsfernsehen reden und das Fernsehen wegen seiner Unkultur kritisieren, dafür müssten die so genannten „guten“ Sendungen eigentlich viel mehr Zuschauer haben.
Eine dieser guten Sendungen ist Ihr neues Popkulturmagazin „Bauerfeind“. Die erste Sendung war ein verheißungsvoller Start. Was darf man noch erwarten?
Popkultur ist ein weites Feld. Musik gehört dazu. Aber genau so auch gesellschaftliche Phänomene wie der Internet-Wahlkampf beispielsweise in der ersten Sendung. Für mich ist Popkultur auch sehr viel Kultur und Unkultur im Alltag. Ich würde zum Beispiel gerne mal ernsthaft der Frage nachgehen, warum Bahnhofklos immer so verschissen sind.
Was ist Ihnen wichtig für die Sendung?
Man sollte auch öfters auf das Thema Kunst eingehen. Popkulturkünstler im Netz, das würde mich interessieren. Ich liebe Dinge, die zum Alltag gehören, denen man begegnet, ohne sie bewusst wahrzunehmen. Ich glaube, dass den modernen Menschen solche Erfahrungen stark prägen – aber eben auf eine sehr beiläufige Art und Weise.
Zum Start plauderten Sie mit Udo Lindenberg…
Auch für die weiteren Sendungen ist jeweils ein längeres Interview geplant. Ich gebe nicht nur gern, ich mache auch gern Interviews.
Dürfen Sie auch Ihre Meinung sagen?
Meine Haltung kann schon rauskommen. Das hängt vom Thema ab. Es ist die Frage, ob es das immer braucht. Wenn meine Meinung gefragt ist, werde ich sie sagen. Ich möchte aber keine „Katrin-Bauerfeind-erzählt-ihre-Meinung“-Sendung machen.
In der Sendung haben Sie alle Hände voll zu tun…
Wir wollten keine klassische Magazin-Sendung machen. Und da alle sagen, Computer, Internet, Fernsehen, alles wird irgendwann eins, machen wir jetzt schon mal den Anfang. Es ist aber mehr als eine Spielerei. Mit der kombinierten Computeroberfläche und dem Trick, dass ich die Sendung selber „fahre“, habe ich sehr viel mehr Interaktions-Möglichkeiten. Ich kann mich direkt in einen Beitrag reinklicken, kann das Gesagte kommentieren oder kann beispielsweise einen Begriff erklären. Jede Sendung ist im Fluss, könnte anders aussehen, je nachdem, was ich mir da zusammenklicke. Das ist die theoretische Idee dahinter. Deshalb habe ich auch am Ende der ersten Sendung gesagt: „so oder so ähnlich könnte eine Sendung ‚Bauerfeind’ aussehen.“ Eigentlich ist nur die Länge der Sendung vorgegeben.
„Bauerfeind“ läuft auf 3sat an jedem ersten Mittwoch im Monat.