• Interview   Claudia Michelsen: "Flemming könnte es gelingen, den Zuschauer zu einem Andersdenken, zur Psychologie, zu verführen."

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      Über 30 Fiktion-Premieren. Februar-Highlights auf einen Blick

      Auf einen Blick: Kinokultfilme & Filmgeschichte im Februar

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      TV60 – Alexandra Neldel in "Rache der Wanderhure" (Sat 1, 28.2.)

      Nach "Kanzleramt" versucht es Claudia Michelsen nun mit der nächsten ZDF-Serie.

      Mit Serien hatte Claudia Michelsen bisher wenig Glück. Mit „Flemming“, soll das anders werden. Es ist eine Krimiserie um ein frisch geschiedenes Paar: er ist Polizeipsychologe, sie Kommissarin und seine Chefin. Die als sehr kritisch bekannte Schauspielerin schwärmt von der ZDF-Serie, die von vielen als Nachfolger von "Der letzte Zeuge" gesehen wird.

      Psychologie hat es schwer im Fernsehen. Was lässt Sie hoffen, dass „Flemming“ nicht so schnell wie andere (Polizei-)Psychologen vom Bildschirm verschwindet?
      Obgleich ich der Meinung bin, dass der Zuschauer die letzten Jahre systematisch unterfordert wurde und dass das zu einer besonderen Bequemlichkeit geführt hat: Flemming könnte es gelingen, den Zuschauer zu einem Andersdenken, zur Psychologie, zu verführen. Und wir haben trotzdem einen Krimifall – aber auch sehr viel Privates in den Geschichten. Gregor Edelmanns Geschichten haben immer mehrere Ebenen. Beide sind ja noch ein halbes Ehepaar, frisch geschieden und sie kommen nicht voneinander los, weil ihre Liebe zu groß ist. Durch diese anderen Ebenen ergibt sich auch eine andere Form von Spannung.

      Bisher hatten Sie mit Ihren Serien auf sehr unterschiedliche Art Pech: „Kanzleramt“ floppte und „Die 25. Stunde“ hält RTL unter Verschluss.
      Beide Serien haben zwei ganz unterschiedliche Vorgeschichten. „Kanzleramt“ war ja wunderbar entwickelt und ich mochte Bücher und Konstellationen sehr gern, und es tut mir bis heute leid, dass es damals nicht funktioniert hat. Bei „25. Stunde“ dagegen hat uns die Konzeptionslosigkeit eingeholt. Und bei „Flemming“ hat man mich überredet, die Bücher zu lesen – und ich habe gleich drei an einem Stück verschlungen. Ich war so beglückt – weil es endlich einmal erwachsene Geschichten sind und sie sogar noch eine Menge Humor enthalten. Es macht einen solchen Spaß, diese Texte zu sprechen und diese zwei, drei Ebenen spielen zu dürfen. Es ist ein Fest.

      Hatten Sie nie Berührungsängste, was Serien angeht?
      Mich haben Serien bis vor ein paar Jahren überhaupt nicht wirklich interessiert. Ich sehe aber mittlerweile, was in den letzten Jahren an seriellen Formaten Tolles entstanden ist. Weltweit. Ich habe Freunde, die sind regelrecht seriensüchtig. So weit geht es bei mir nicht, aber ich habe einen Riesenspaß dran, ab und zu etwas Zeit mit „Dr. House“ oder „Entourage“ zu verbringen.

      Aus welchen Bereichen rekrutieren sich die „Flemming“-Fälle?
      Es sind auf jeden Fall Krimifälle, in denen die Menschen im Mittelpunkt stehen – also geht es in erster Linie immer auch um Beziehungen. Es gibt auch eine Amoklaufgeschichte. Das Problem entsteht da aber auch aus einer Vater-Sohn-Beziehung heraus.

      Und wie ist die emotionale Rollenaufteilung zwischen Flemming und Ann Gittel?
      Außer einem Fall, von dem sie sich nicht berühren lassen, besitzen beide generell eine große Bereitschaft zur Empathie. Aber irgendwann muss Ann Gittel das Gesetz reinholen. Das ist leider notwendig.

      „Flemming“ gilt in der Öffentlichkeit als der Nachfolger von „Der letzte Zeuge“.
      „Flemming“ lässt sich in keiner Weise mit „Der letzte Zeuge“ vergleichen. Alle Journalisten wollen immer wieder Vergleiche ziehen zwischen beiden Serien. Oder sie machen aus Samuel Finzi den neuen Mühe. Es gibt keine Gemeinsamkeiten – außer, dass beide Serien Gregor Edelmann geschrieben hat und er ein begnadeter Autor ist.

      Wie stehen Sie heute dazu, dass RTL die Serie „Die 25. Stunde“ nicht ausstrahlt?
      Wenn man das Dach eines Hauses baut, ohne das Fundament zu haben, dann bricht irgendwann alles zusammen. So ähnlich war es bei dieser Serie. Die Idee war toll und die Fassade sah auch großartig aus. Doch was soll man sagen, wenn RTL nach monatelanger Entwicklungsarbeit einfällt, das Ganze solle etwas „heiterer“ werden, oder darauf besteht, dass jede Folge abgeschlossen sein soll, was der Grundidee der Geschichte völlig widerspricht. Ein Problem war: dass nach dem Piloten, den alle unglaublich gut fanden, das Konzept immer wieder neu gesucht wurde. Und so brauchte man für acht Folgen anderthalb Jahre. Das Projekt hat mich viele Nerven gekostet, als Erfahrung möchte ich es aber nicht missen. Ich bin gar nicht böse, dass die Serie nicht läuft.

      Aber das sind doch nicht die Gründe, weshalb RTL die Serie nicht zeigt?
      So viel ich weiß, hat der Sender Test-Screenings gemacht – und die liefen nicht besonders gut. Was mich nicht wundert. Die Zuschauer sind ja nicht blöd… Ich muss sagen: für mich ist das Kapitel „Die 25. Stunde“ abgeschlossen.

      Unlängst sah man Sie und „Flemming“-Darsteller Samuel Finzi auch im Beziehungsdrama „Sieben Tage“. Wie kam es zu dem doppelten Zusammenspiel?
      Das haben sich andere ausgedacht. Für „Flemming“ gab es ein Casting, während wir „Sieben Tage“ gedreht haben. Wir kennen uns schon lange, hatten aber noch nicht zusammen gedreht. Zwischen uns stimmt einfach die Chemie, das scheinen auch andere wahrgenommen zu haben und dadurch ging es mit uns beiden weiter.

      Für Sie gab es also ein Casting – und Samuel Finzi war als Flemming gesetzt?
      So ist es. Ich mag Castings – weil sie eine Arbeitssituation sind. Es ist ja auch für mich eine Chance, den Regisseur und den Partner kennen zu lernen und zu sehen, ob man miteinander eine Sprache findet. Wir haben drei Szenen gespielt – und es passte.

      Sie sind momentan gut im Geschäft. Spüren Sie dennoch in irgendeiner Weise die Krise – sprich das Zurückfahren der Fiktion-Produktionen?
      Ich höre es immer, aber an mir selber habe ich es noch nicht gespürt. Im Gegenteil. Ich habe dieses Jahr mehr gearbeitet als die Jahre vorher. Und es waren richtig tolle Sachen.

      Und die allgemeine Qualität der Fernsehfilme? Was ist Ihr Eindruck: wird sie gehalten?
      Es gibt Sender wie den HR, den SWR oder den BR, die tolle Produktionen machen und Mut zu außergewöhnlichen Geschichten haben. Doch im Großen und Ganzen geht es momentan in eine andere Richtung. Allein diese ganzen Shows um Superstars und Top-Models. Ich nenne das immer Verblödungsfernsehen. Ich finde diese Sendungen für Kinder regelrecht gefährlich. Einschaltquoten regieren die Köpfe. Aber wir leben doch von den positiven Ausnahmen.

      Das Interview führte Rainer Tittelbach


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