• Interview   Günther Maria Halmer bricht eine Lanze für Komödien: „Krimisituationen zu spielen ist doch viel einfacher“

      Foto anklicken, bei amazon kaufen & tittelbach.tv unterstützen Über 30 Fiktion-Premieren. Februar-Highlights auf einen Blick Auf einen Blick: Kinokultfilme & Filmgeschichte im Februar TV60 – Alexandra Neldel in "Rache der Wanderhure" (Sat 1, 28.2.)

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      Über 30 Fiktion-Premieren. Februar-Highlights auf einen Blick

      Auf einen Blick: Kinokultfilme & Filmgeschichte im Februar

      Foto: Jiri Hanzl

      TV60 – Alexandra Neldel in "Rache der Wanderhure" (Sat 1, 28.2.)

      Im Alter spielt Halmer zunehmend Komödien – ohne pseudokomisch zu sein.

      Günther Maria Halmer (66) gelang mit Dietls „Münchner Geschichten“ in den 70er Jahren der Durchbruch. Später war er vermehrt in dramatischen Rollen zu sehen, sogar in Hollywood („Gandhi“) spielte er, bevor er als „Anwalt Abel“ 13 Jahre lang Justizfälle löste. Zuletzt hat er sich immer öfters dem Leichten zugewendet. Halmer: „Wir Deutschen neigen dazu, Komödie als leicht abzutun. Erst wenn ein Nazi auftaucht, wird es für viele ernsthaft.“

      Text-Stand: 2.10.2009

      Sie waren zuletzt in „Mein Nachbar, sein Dackel und ich“ zu sehen. Was reizt Sie an solchen Degeto-Filmen?
      Dass es eine leichte Sommerkomödie ist, die nicht mehr will, als die Leute zum Schmunzeln oder zum Lachen zu bringen, die aber nicht seicht ist. Diese Art von „guter Unterhaltung“ ist mir ein großes Anliegen. Wir Deutschen neigen immer dazu, Komödie als leicht abzutun. Erst wenn ein Nazi auftaucht, wird es für viele ernsthaft.

      Und wie fanden Sie die Geschichte persönlich?
      Ich konnte lachen beim Lesen des Drehbuchs. Ich fand auch die antagonistische Idee mit der Geburtshelferin und der Trauerhilfe ganz witzig. Geburt und Tod sind in der Tat ein Zwillingspärchen. Und wenn man das auf ironische Art und Weise angeht, bin ich schon sehr erfreut. Die schwarze Komödie hat ja bei uns eher Seltenheitswert.

      Wie kommt es, dass Sie immer wieder diese Rollen – von den Menschen enttäuschte Eigenbrötler – angeboten bekommen?
      Erst mal sind die Produzenten und Senderredakteure auf die Idee gekommen, dass ich auch komisch sein könnte. Ich wollte immer schon Komödien spielen, bekam aber lange keine angeboten. Dann war ich komisch, dem Zuschauer hat es gefallen und es entstanden neue Geschichten in diese Richtung. Ich muss sagen: Ich spiele diese Rollen wirklich gerne. Ich mag es, wenn Schauspieler zum Markenzeichen für den Film werden so wie früher: Man sah John Wayne, Cary Grant, Jean Gabin oder Lino Ventura und man wusste genau, auf was man sich einlässt. Außerdem gefällt mir die Vorstellung, dass Menschen, die am Leben leiden, am Ende doch noch das Glück streift.

      Wie verstehen Sie heute Ihre Aufgabe als Schauspieler?
      Jetzt im Alter interessiert es mich mehr denn je, dass die Zuschauer Spaß haben. Es gefällt mir, dass sie mich gern sehen, weil sie ahnen, es wird lustig, aber nicht billig.

      Mit welcher Haltung begegnen Sie heute den Drehbüchern, die Ihnen angeboten werden?
      Es hat sich schon etwas verändert. Früher habe ich oft nach taktischen Gesichtspunkten meine Rollen ausgewählt. Ich hatte sicher eine größere Angst, mit meinen Rollen festgelegt zu werden. Das ist mir in der Zwischenzeit wurscht. Wenn ich das Gefühl habe, die Zuschauer könnten eine Rolle mögen, dann mache ich es. Ich schiele auch nicht mehr so nach den Kritikern. Solange ich mich mit der Rolle identifizieren kann, ist es gut. Ich mache nicht alles. Der Drehort steht bei mir selten vor dem Drehbuch.

      Beim „Traumschiff“ waren Sie ja auch dabei.
      Aber ja. Es ist aber auch großartig, was man da erleben kann. Das bringt einen auch menschlich weiter. Wenn Sie zum Beispiel mit dem Schiff durch die Magellanstraße fahren, Patagonien, Ushuaia. Und wenn Sie dann vorher noch Bücher dazu gelesen haben… Zum „Traumschiff“ selber: die Serie macht seit Jahren das, was sie sich vorgenommen hat, sie verzichtet bewusst auf größere Konflikte. Das finde ich legitim.

      „Traumschiff“ beiseite - fühlen Sie sich nicht manchmal etwas unterfordert mit Ihren leichten Rollen in den letzten Jahren?
      Ich weiß nicht, weshalb man bei einer Komödie unterfordert sein soll. Das ist eine sehr deutsche Frage. Ist es erst große Kunst, wenn ich tragisch weine?

      Das meine ich nicht. Ich bin ein großer Fan von Screwball-Comedies. Es geht mir schon um die Qualität des einzelnen Films. „Mein Nachbar, mein Dackel und ich“ finde ich gelungen. Auch den ersten Teil von „Die Nonne und der Kommissar“ war ganz hübsch, den zweiten halte ich indes für völlig misslungen.
      Ja, gut, aber da spielen wir ja das Gleiche. Es ist ja nicht so, dass man deswegen schlechter oder unterfordert spielt. Vielleicht sind mal die Drehbücher nicht so toll, vielleicht liegt es am Schnitt, dass ein Film mal nicht so ist, wie er sein sollte. Es kann viele Gründe geben, dass ein Film nicht funktioniert. Das hat mit den Schauspielern oft nichts zu tun. Ich nehme meine Rollen sehr ernst. Bei mir werden Sie nie merken, dass ich pseudokomisch bin, sondern ich spiele ernsthaft eine Figur und ich hoffe dann, dass die anderen ihren Part auch gut machen. Und wenn das Ganze am Ende nicht so kommt, aber ich richtig gespielt habe, dann habe ich eben Pech gehabt.

      Ist Witz tatsächlich so schwer zu spielen?
      Wenn Sie bei einer witzigen Situation die Pointe versauen, ist es vorbei mit dem Witz und die Situation einfach nur peinlich. Das ist eine große Gefahr bei Komödien. Krimisituationen zu spielen sind in der Regel sehr viel einfacher. Da knarrt eine Tür, da sieht man Schatten, ein Telefon, ein ernster Blick – Spannung zu erzeugen, ist relativ einfach – notfalls lässt man im Hintergrund die Geigen wummern.

      Gibt es nicht gerade bei den leichten Filmen extrem viele Schlampereien in Bezug aufs Handwerk?
      Ich gebe Ihnen Recht. Da sehe ich schon manchmal Dinge, wo ich sage: „Da hätte aber einer eingreifen müssen.“ Ich mag zum Beispiel nicht, wenn ich schon in der ersten Einstellung sehe, dass es sich um eine Komödie handelt, weil die Schauspieler alle so blöd gucken. Ich würde das Genre gern selbst im Laufe des Films erkennen.

      Ihre Rollen stecken voller Melancholie. Kennen Sie dieses Gefühl selber auch?
      Ich nehme auf jeden Fall das Leben ernster. Ich nehme es nicht ganz leicht. Nicht, dass ich zur Depression neige. Ich habe eine andere Haltung zum Leben als die Leichtigkeit, die man sonst so gerne hat. Ich schaue mir bei Geschichten immer den ernsten Hintergrund an. Ich kann auch über Witze schlecht lachen.

      Rollen wie in der Anwalt-Abel-Tradition mit Trenchcoat und einem Hauch Existentialismus sind nicht mehr denkbar?
      Ich hätte nichts dagegen, solche Rollen wieder zu spielen, wenn Sie mir angeboten würden. Aber ich kann nur das machen, was mir ins Haus flattert. Demnächst spiele ich wieder was Schweres. Das geht aber eher in die politische Richtung mit Juden, Nazis und Vertreibung und ist das absolute Kontrastprogramm zu den Degeto-Filmen.

      Könnten Sie versuchen, sich mit drei oder fünf Adjektiven zu charakterisieren?
      Ich bin ich realistisch, kein Träumer. Ich bin sehr ungeduldig, manchmal beim Autofahren, manchmal beim Drehen. Ich bin verlässlich, nicht bösartig und ich habe Humor – das ist die Prise, die das Ganze erträglich macht.

      Das Interview führte Rainer Tittelbach


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