Gerade kam uns Ulrike Kriener in "Butter bei die Fische" auf die komische Tour. Demnächst ist wieder "Kommissarin Lucas"-Time. Die trägt die Mundwinkel nach unten. Doch Kriener würde es gerne sehen, wenn sich ihre Kommissarin noch mal richtig verlieben würde.
Text-Stand: 14.9.2009
Ihr Mann Georg Weber hat mal wieder ein Drehbuch für Sie geschrieben: die Komödie „Butter bei die Fische“. Wie hat man sich das im Alltag vorzustellen?
Ich bin sehr dankbar, wenn er zum Schreiben das Haus verlässt. Nicht, weil Georg dann unausstehlich ist, sondern weil er dabei seine Vorstellungen erst mal in eine klare Form bringt. Später kommen wir natürlich ins Gespräch, z.B. wenn er an einem bestimmten Punkt nicht weiterkommt oder wenn er etwas besonders gelungen findet. Ich habe ja selber auch Spaß am Erfinden von Geschichten. Aber ich bin in erster Linie Schauspielerin – ich möchte ein Buch gerne so bekommen, dass ich mir die Rolle noch selbstständig erarbeiten kann und meinen Zugang zu ihr finde.
Bei dem Film denkt man zunächst an „Bauer sucht Frau“. Biedert sich da nicht der Fernsehfilm bei der populären Doku-Soap an?
Man kann das denken. Ich finde das in diesem Fall aber überhaupt nicht. Die Idee zu „Butter bei die Fische“ hat mehrere Ursprünge. Zum einen haben mein Mann und ich Peter Brix vor Jahren kennen gelernt und gedacht: „Das wäre doch mal ein Super-Partner.“ In einem anderen Zusammenhang begegneten wir einem Landwirt. Der erzählte uns, wie es einem ergeht als Bauer, mit einem Hof, 80 Kühen, allein, ohne Frau. Auch diese Geschichte ist bei uns hängen geblieben. Schließlich kam die Produzentin von Network Movie mit einer Stoffidee von einer Ruhrgebietsfrau, die im Norden eine Kneipe führt. Peter Brix war schon angefragt. So nahm alles seinen Lauf. Und mein Mann, der mich schon lange gerne wieder einmal in einer anderen Rolle sehen wollte als derjenigen der pragmatischen Kommissarin Lucas, kreierte diese ungewöhnliche Frauenfigur.
Gibt es andere Themen, von denen Sie sich wünschen würden, dass der Fernsehfilm sich ihrer annähme?
Ich glaube, dass bestimmte Themen, nehmen wir Gewalt oder Alkoholismus, immer wieder auftauchen. Die Filme haben dann nur eine andere Haltung oder sie siedeln das Thema in einer anderen Konstellation an. Ich würde also nicht sagen, dass sich die Themen erneuern müssten, eher die Haltung, die Perspektive. Wovon ich unter anderem erzählen möchte, das sind die Themen, die mich auch im Leben beschäftigen. Virulent in meinem Alter ist zum Beispiel das Thema, wie kümmere ich mich um alte Menschen, um die Eltern? Auch einen Fernsehfilm, der sich die Politik zum Thema nimmt, würde ich mir mal wieder wünschen.
Und was die Genres angeht: auch wenn Sie selber in einer guten Krimi-Reihe spielen – gibt es nicht doch ein bisschen viel Krimis?
Ich finde es schade, dass die Stoffe, die man früher im thematischen Fernsehspiel untergebracht hat, mittlerweile alle im Krimi-Format abgehandelt werden. Das heißt: Sie müssen dem äußeren Diktat der Spannung und der „Brutalisierung“ gehorchen. Man kann nicht mehr einfach nur am Thema orientiert sein, nein, es muss eine Leiche rein oder künstliche Spannung erzeugt werden. Ich finde es sehr schade: dass es nicht mehr um Vertiefung geht, sondern mehr um die schnell ran gerissene Aufmerksamkeit.
In welche Richtung wird sich Ihre Kommissarin entwickeln? Bleibt Sie so verbissen?
Wie bitte?! Das sehe ich aber ganz anders. Sie ist nicht verbissen, sie ist ernsthaft.
Aber ihre Art ist für den Zuschauer mitunter anstrengend.
Das kann schon sein.
Sie befindet sich doch in einem emotionalen Kerker, den sie sich da gebaut hat.
Das ist richtig. Damit hat sie auch immer zu kämpfen. Mein Wunsch wäre schon, dass man sieht, dass sie sich aus diesem – wie Sie sagen – emotionalen Kerker ein bisschen befreit.
Welche Rolle wird der neue von Florian Stetter gespielte Kollege übernehmen?
Er ist der junge Kommissar an meiner Seite, der in actionreicheren Situationen den Körper-einsatz übernehmen muss, den ich nicht mehr bringen möchte. Er kommt aus besserem Haus und wird deswegen bei seinen Kollegen gelegentlich anecken. Es wird sicher ein enger Kontakt mit ihm. Aber ein Mann ist im Moment noch nicht in Sicht.
Aber es gibt Diskussionen?
Die gibt es. Und ich denke, dass es sich in diese Richtung entwickeln wird. Aber die Lucas kann sich – auch ohne Mann – ruhig mal etwas freier und lockerer geben.
War es überhaupt Ihr Wunsch, die Kommissarin so zu zeichnen?
Ich habe die Figur nicht entworfen. Aber es ist schon so, dass ich einen Draht zu ihr habe, obwohl ich selbst um einiges lockerer bin.
Haben Sie eine Vorstellung, wie lange Sie die Lucas noch spielen wollen?
Solange uns noch etwas einfällt zu ihr und solange auch die Zuschauer das noch goutieren mit einer ansprechenden Quote. Ich würde gerne noch an so einen Punkt kommen, wo Ellen wieder einen Mann kennen lernt und sich richtig verknallt. Das fände ich toll.
Werden Ihre Rollen mit dem Alter eigentlich tiefer?
Tiefer, weil man mehr Lebenserfahrung hat, vielleicht. Die Art, wie man denkt, die spiegelt sich immer in den Rollen. Ich hoffe auch, dass eine größere Differenziertheit und Offenheit und eine gewisse Ambivalenz in meinen Rollen zum Ausdruck kommen.
In den Drehbüchern, die man Ihnen anbietet, steckt das nicht immer drin?
Es kommt durchaus vor, dass ich Bücher angeboten bekomme, bei denen ich denke: Das könnte eine Frau spielen mit Anfang, Mitte 30, aber nicht eine Frau wie ich. Oder man hat es mit einem Autor zu tun, der sehr viel jünger ist und eine völlig andere Weltsicht hat. Da wird dann nichts von dem abgefragt, was ich an Lebenserfahrung bereitwillig mitbringe und einsetzen will, sondern sehr viel weniger. Das ist frustig, wäre ein Arbeiten unter Wert. Das versuche ich, möglichst nicht zu machen.
Zur Person:
Ulrike Kriener, 1954 in Bottrop geboren, gehört seit „Männer“ (1985) zu den erfolgreichsten Schauspielerin hierzulande. Sie hat alle wichtigen Fernsehpreise bekommen, ist aber auch beim Zuschauer beliebt. Mit der ZDF-Reihe „Kommissarin Lucas“ bietet sie seit 2003 Krimi-Unterhaltung auf hohem Niveau.